Als 2016 der Circus Krone auf den Konstanzer Areal Klein Venedig direkt am See seine Zelte abbrach, sah alles nach einem Abschied für immer aus. Der ebenso berühmte wie umstrittene Dompteur Martin Lacey Junior und seine Tiger schienen nicht mehr willkommen in der größten Stadt am Bodensee. Denn die Forderung, dass Zirkusse mit Wildtieren von der Stadt keinen Platz für ein Gastspiel mehr bekommen sollen, war lautstark.

Protest beim jüngsten Gastspiel des Circus Krone im Jahr 2016: Die Organisation Peta fordert „Tiere raus aus dem Zirkus!“
Protest beim jüngsten Gastspiel des Circus Krone im Jahr 2016: Die Organisation Peta fordert „Tiere raus aus dem Zirkus!“ | Bild: Oliver Hanser

Befördert durch Proteste von Tierschutz-Organisationen und orientiert am Beispiel von Städten wie Tuttlingen oder Stuttgart, schien alles auf ein lokales de-facto-Verbot von Zirkussen mit Wildtieren hinauszulaufen. Denn geeignete Plätze für ein Gastspiel mit genügend Fläche, Wasser und Starkstrom hat nun einmal nur die Stadt. Und deren Pressesprecher sagte damals über Zirkusse und Wildtieren: „Erwünscht sind die ohne“.

Wenn Tierschutz-Probleme bekannt sind, ist die Stadtverwaltung konsequent

Vier Jahre später sieht die Sache etwas anders aus. Von einer generellen Ablehnung von Zirkussen mit Wildtieren will die Stadtverwaltung nichts mehr wissen. Auf SÜDKURIER-Anfrage heißt es, „dass die Stadt Konstanz bislang ihren Veranstaltungsplatz auch an Zirkusunternehmen vergibt, die Tiere wildlebender Art mit sich führen“. Grundsätzlich abgelehnt würden Bewerbungen von Unternehmen, wo der Verwaltung „entsprechende Erkenntnisse vorliegen, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten werden“. Einen solchen Fall hatte das Bürgeramt nach eigenem Bekunden aber noch nicht.

Generelle Verbote von Städten stehen auf rechtlich wackeligen Beinen

Das Bürgeramt schließt sich damit der bundesweiten Gesetzgebung an. Tierschutz ist Bundesangelegenheit, und der Bundestag hat im Oktober 2019 – anders als es zum Beispiel in Österreich oder Dänemark geregelt ist – ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus mehrheitlich abgelehnt. Damit stehen auch gegen solche Gastspiele gerichtete Regelungen einzelner Stadtverwaltungen auf wackeligen Beinen.

Auch für so etwas soll Platz sein auf Klein Venedig: Die Stadtverwaltung will auch Zirkussen eine Chance geben, die auf Tiere verzichten und auf Akrobatik setzen – wie hier der Moscow Circus on Ice, der freilich in Kreuzlingen gastierte.
Auch für so etwas soll Platz sein auf Klein Venedig: Die Stadtverwaltung will auch Zirkussen eine Chance geben, die auf Tiere verzichten und auf Akrobatik setzen – wie hier der Moscow Circus on Ice, der freilich in Kreuzlingen gastierte. | Bild: Oliver Hanser

In Konstanz lautet die Regel wohl auch deshalb: „Besteht in der Anmeldung von Aufenthalten in Konstanz ein Konkurrenzverhältnis zwischen zwei Zirkussen, entscheidet sich das Bürgeramt im Sinne eines abwechslungsreichen Angebotes auch einmal für Zirkusse, die keine Wildtiere mit sich führen.“

Ob und wann die Konstanzer allerdings auf Klein Venedig den Geruch von Wildtieren in der Manege erschnuppern können – oder ganz bewusst auch nicht -, steht auf einem anderen Blatt. Thorsten Brandstätter vom Circus Charles Knie sagte auf Anfrage, sein Unternehmen habe sich um ein Gastspiel im Sommer 2021 beworben. Im Programm wären dann auch Tiernummern mit Löwen oder Zebras.

2021 möchte Charles Knie gerne gastieren – aber der Circus Krone vielleicht auch

Nicht nur wegen Corona sei aber noch nicht gewiss, ob das auch klappe, so der Zirkus-Sprecher. Deutschlands größter Zirkus, Krone aus München, konnte zu seinen Tourneeplänen für das kommende Jahr zunächst keine Angaben machen. Vor Corona hatte er geplant, 2020 auch nach Konstanz zu kommen.