Zugegeben, der Anfang im Jahr 1993 war schwierig. „Wenn wir zu 90 Prozent schlecht spielen und zu zehn Prozent gut, dann darfst du nur über die zehn Prozent schreiben.“ Eine der nächsten Aussagen in jenem Spätsommer in der altehrwürdigen Rheinguthalle: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“

Wehe, etwas passte ihm nicht – dann konnte Adolf Frombach auf der Trainerbank ungemütlich werden.
Wehe, etwas passte ihm nicht – dann konnte Adolf Frombach auf der Trainerbank ungemütlich werden. | Bild: Peter Pisa

Rumms. Diese Sätze trafen den unbedarften Konstanzer Studenten, der für den SÜDKURIER als Reporter in den Sporthallen der Region unterwegs war, ins Mark. Adolf Frombach, der gebürtige Rumäne, sollte damals die nach der Fusion von HCDJK und TV im Jahr 1980 noch junge HSG in den Profi-Handball führen. Auf dem Weg dorthin wollte er alle verpflichten – auch die Medien.

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Diesen Wunsch erfüllten wir ihm jedoch nicht – das mussten wir auch nicht. Denn die HSG Konstanz blühte unter der Ägide des Adolf Frombach auch trotz kritischer Berichterstattung auf. 1995 gelang der Aufstieg in die Regionalliga, sechs Jahre später erstmals der Sprung in die Zweite Bundesliga. „Was er damals gesät hat, das ernten wir heute“, sagt Otto Eblen, damals wie heute Präsident der HSG Konstanz.

Adolf Frombach (Mitte) mit Otto Eblen (rechts) und Daniel Eblen.
Adolf Frombach (Mitte) mit Otto Eblen (rechts) und Daniel Eblen. | Bild: Archiv

Adolf Frombach starb am vergangenen Sonntag im 80. Lebensjahr. Im Frühling erlitt er einen Schlaganfall. Kurz darauf nahm er nach mehreren Jahren Kontakt auf mit dem SÜDKURIER-Reporter von damals. Sie beschlossen, irgendwann, wenn die Pandemie beendet sein würde, sich mal wieder zu sehen und über Handball zu reden – die Idee, eine unabhängige Presse beeinflussen zu wollen, hatte er da längst aufgegeben. Das Treffen kam leider nicht mehr zustande.

Bild: Peter Pisa

Bis 2006 war der gebürtige Rumäne hauptamtlicher Trainer der HSG Konstanz. Im Anschluss daran trainierte er bis 2014 zahlreiche Mannschaften der DJK Singen, bis zu seinem Schlaganfall Jugendteams des HSC Kreuzlingen.

Bild: Peter Pisa

Seine zuweilen sehr direkte und offene Art kam nicht bei jedem an, so mancher hochtalentierte Jugendspieler verzweifelte an ihm. Wenn er etwas nicht mochte, dann war das Müßiggang oder Phlegma. Er war ein Verfechter der rumänischen Schule, die geprägt war von Disziplin, Zucht und Ordnung.

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Sein Name hatte in Handball-Europa einen hervorragenden Klang. Was unter anderem daran liegt, dass Adolf Frombach als Erfinder der schnellen Mitte gilt: Nach einem Gegentor sprintet ein Spieler zum Mittelkreis; der Torhüter holt den Ball aus dem Netz und passt ihm den Ball, um den schnellen Gegenangriff einzuleiten. Alexander Mierzwa, von 1995 bis 1997 bei der HSG Konstanz und später Nationalspieler, bezeichnet ihn als „meinen größten Förderer. Ich hatte mit ihm als Trainer eine fantastische Zeit“.

Bild: Peter Pisa

Frombach war ein Vorreiter der Video-Analyse. Bereits Anfang der 90er- Jahre zeichnete er Spiele der Konkurrenz auf und studierte Stärken und Schwächen. Die kleine Wohnung im Hause Eblen im Konstanzer Stadtteil Paradies sah er nur selten. Kaum waren Partien seiner Mannschaften beendet, setzte er sich in seinen Wagen und fuhr quer durch die Republik, um den nächsten Gegner unter die Lupe zu nehmen. „Er war ein großartiger Trainer, der seiner Zeit voraus war“, sagt sein einstiger Spieler Frank Schädler. Dem ist nichts hinzufügen. Ruhe in Frieden, Adolf Frombach.

Bild: Peter Pisa

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