Knut Gröner ist seit Juni 2021 Existenzgründer, sein Start-up trägt den Namen „trushapes“, was sich vielleicht mit „wahre, echte Formen“ übersetzen lässt. Im Untertitel: „ecofriendly snowboards“. Also umweltverträglich soll es sein. Seit November 2021 ist er im Internet zu finden und hat seitdem auf Anfrage die ersten individuell angepassten und nachhaltigen Snowboards gebaut, Kostenpunkt jeweils 980 Euro.

Schon als er noch in seinem Beruf arbeitete, damals in München, mietete er sich nebenbei in einer Sharing-Werkstatt ein, um eigene Möbel zu bauen. „Ich wollte etwas mit meinen Händen machen. Und ich sehe gerne Dinge entstehen.“ Was im Beruf zunehmend fehlte. Dort, in der Industrie, sei zudem der Spielraum sehr klein gewesen, in dem man etwas bewirken konnte. Und die Nachhaltigkeit in all diesen Industrieprozessen habe er auch vermisst.

Knut Gröner beim Ortstermin in der Konstanzer Werkstatt
Knut Gröner beim Ortstermin in der Konstanzer Werkstatt | Bild: Michael Buchmüller

Jetzt also handgemachte Snowboards. An der Werkstattwand stehen einige Prototypen, formschöne Bretter, „die man allerdings nicht verkaufen kann.“ Denn an denen habe er noch geübt. Es habe so vieles zu lernen und auszuprobieren gegeben. Die Druckpresse, in der die Boards unter zehn Tonnen Druck bei 85 Grad eine Stunde lang gebacken werden, damit das Harz zwischen den einzelnen Schichten aushärtet, hat er selbst entworfen und gebaut.

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Mit verschiedenen Holzfurnieren hat er experimentiert. Und auch wenn ihm die Faserung von Palisanderholz besonders gut gefällt: „Das kann ich nicht nehmen. Das ist ein seltenes Tropenholz. Dafür werden oft über hundertjährige Bäume gefällt.“ Nicht vereinbar mit seinem ökologischen Anspruch. Also nimmt er jetzt Buche, Pappel und Esche. Die wachsen hier und sind nicht vom Aussterben bedroht.

Seine Boards entstehen in „Sandwich-Bauweise“

Die Werkstatt liegt im Stromeyersdorf. In den Räumen war früher die Zimmerei Biehler zu Hause, bis der Senior keinen Nachfolger fand und den Betrieb aufgab. Hier tüftelt Gröner, der seit seinem zwölften Lebensjahr selbst Snowboard fährt, an den Brettern. Sieben Schichten kommen da aufeinander. Unten der Laufbelag mit Metallkante, dann Flachsfasern (statt der künstlichen Glasfaser).

Bild 2: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht – und dafür sein Start-up gegründet: Knut Gröner baut in Konstanz nachhaltige Snowboards nach Wunsch
Bild: Wolfgang Starker

Darüber der Holzkern aus Buche und Pappel, wieder Flachs und ein Basaltgewebe – und oben als Abschluss das Holzfurnier. Alles verbunden mit einem Zwei-Komponenten-Kleber, dem Epoxidharz. „Nicht umsonst nennt man das Sandwich-Bauweise.“ Gröner hat sich mit jedem Arbeitsschritt intensiv vertraut gemacht. So kann er jeden Kunden passend beraten: Wie fährst du? Was brauchst du? Und dann wird gebaut.

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Das erste Jahr, nachdem er Ende 2020 in Stockach gekündigt hatte, konnte er sich mit einem Existenzgründer-Stipendium über Wasser halten, mit einer weiteren neunmonatigen Anschlussförderung kann er zurzeit zumindest die Miete für die Werkstatt zahlen. Aber viel bleibt noch nicht übrig, zumal er auch schon eine fünfstellige Summe an Eigenkapital in sein Start-up gesteckt hat. Die Unsicherheit, wie es in Zukunft weitergehen wird, ist sein ständiger Wegbegleiter.

Sein Start-up „trushapes“ wird immer bekannter

Und dennoch ist Knut Gröner schon viele kleine Schritte gegangen: Ein Logo und eine Homepage hat er sich über eine Internetausschreibung entwerfen lassen, da arbeitet er nun mit einem italienischen Designer aus der Nähe von Turin zusammen. Das Internet macht‘s möglich. Und beim Marketing greift ihm der Journalist Benedikt Brüne unter die Arme, der auch den Kontakt zum SÜDKURIER herstellte.

Der Businessplan für die nächsten Jahre steht aber schon: Das Sommerloch soll – ab nächstem Jahr – mit Workshops zum Thema Selbstbauen von Snowboards gefüllt werden. Und er will eine computergesteuerte Fräsmaschine anschaffen. „Damit kann ich kleine Stückzahlen als Serie produzieren.“

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Um bekannter zu werden, lässt er sich beim Online-Marketing von zwei Studenten unterstützen. Und in Tettnang und Konstanz hat er Kontakt zu kleinen Läden, die ihn nächste Saison in ihr Sortiment aufnehmen. Irgendwann kann er dann vielleicht auch einen weiteren Mitarbeiter einstellen.

„Es ist sehr viel drumherum zu tun“, sagt der Jungunternehmer. Dabei möchte er am liebsten nur das Holz in die Hand nehmen und Snowboards, ganz angepasst an die Wünsche des Kunden, bauen. 15 Stunden Arbeit mit den eigenen Händen für ein Brett. Und man kann dabei zusehen, wie etwas Eigenes entsteht. Jedes Mal wieder.