Der offene Brief der GEB an den Oberbürgermeister geht weiter: „Die Konstanzer Eltern erwarten jetzt Lösungen und dass Sie bei den Verhandlungen für uns kämpfen oder uns ehrlich sagen: Ja, Fußball und Biergärten sind wichtig, ihr – Kinder und Familien – ihr seid uns egal!“

Das war am 12. Mai. Zu jenem Zeitpunkt hatten die Eltern noch Hoffnung, dass es bei der nächsten Änderung der Kita-Corona-Verordnung eine Perspektive für alle Familien geben würde. Denn angekündigt war, durch den Wechsel von der erweiterten Notbetreuung in den reduzierten Regelbetrieb mehr Kindern den Besuch ihrer Einrichtung zu ermöglichen.

Doch die Eltern wurden doppelt enttäuscht: Erstens gibt die ab 18. Mai gültige Verordnung nicht viel mehr her als die vorherige. Immer noch darf nur die Hälfte der Kinder gleichzeitig in einer Einrichtung anwesend sein, die Gruppenzusammensetzung darf sich nicht ändern. Und zweitens ist der Kita-GEB mit der Antwort von Uli Burchardt nicht zufrieden.

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Der OB schreibt, er könne zwar die „Erschöpfung und Verzweiflung über die momentane Situation“ nachvollziehen. Doch im weiteren Verlauf seiner Antwort lässt er das Sozial- und Jugendamt (SJA) sprechen.

„Ich hoffe, Ihr Anliegen ist damit beantwortet.“

Und zwar so: „Die Antworten, die wir den Eltern geben können, stellen diese oftmals nicht zufrieden und er­zeugen noch mehr Frustration. Da die Kapazitäten mit den Kindern in der Notbetreuung schon weitestgehend ausgeschöpft sind, werden auch weiterhin viele Kinder nur wenig bis gar nicht in Kitas betreut werden können.“

Am Ende seines Briefes formuliert Burchardt: „Ich weiß, dass die Situation sehr belastend ist und versichere Ihnen, dass wir unser Möglichstes tun, um schnell Verbesserungen zu erreichen. Ich hoffe, Ihr Anliegen ist damit beantwortet.“

„NEIN! Unser Anliegen hat sich keineswegs erledigt!“

Das ist es für den Kita-GEB ganz und gar nicht. Er schickte gleich am Folgetag ein neues Schreiben: „Um Ihre Frage in der gebotenen Kürze zu beantworten: NEIN! Unser Anliegen hat sich keineswegs erledigt!“ Die Elternvertreterinnen wissen um den engen Spielraum, der den Kommunen bleibt.

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In Konstanz sind von den rund 1300 Plätzen, die insgesamt in der Notbetreuung angeboten werden können, schon 1082 belegt (Stand Mittwochabend). Die meisten Einrichtungen können keine zusätzlichen Kinder mehr aufnehmen. Andere haben laut SJA „vereinzelt noch Kapazitäten“.

OB verweist auf die Vorgaben des Landes

Allerdings werden weiterhin zuerst Kinder aufgenommen, deren Eltern die Kriterien für die Notbetreuung erfüllen. Weitere Elternbeiräte schrieben Briefe an den OB. Doch der sagt: „Uns sind durch die Vorgaben des Landes enge Grenzen gesetzt und die Kinderbetreuung ist ungleich komplizierter zu lösen als zum Beispiel die Öffnung der Grenze zur Schweiz.“

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Der Gesamtelternbeirat hofft auf kreative Ideen, wie allen Kindern geholfen werden kann. Vorsitzende Bianca Eblen sagt: „Es könnten zum Beispiel junge Leute im Bundesfreiwilligendienst (Bufdis) oder Sporttrainer in die Betreuung einsteigen.“ Die GEB-Rätinnen treffen sich am Dienstag mit dem Sozial- und Jugendamt, um ihre Ideen vorzutragen. Denn sie wissen: Das Amt sowie die Kitaleitungen trifft keine Schuld.

„Wir Eltern fühlen uns verschaukelt“

„Die werden vom Kultusministerium und der Landesregierung ebenso im Regen stehen gelassen wie wir“, sagt Eblen. GEB-Beisitzerin Sarah Seidel ergänzt wütend: „Wir Eltern fühlen uns verschaukelt, wenn ab 1. Juni wieder Feiern mit 100 Personen erlaubt sein sollen, wo Alkohol getrunken wird und sich ab einer gewissen Zeit niemand mehr an Abstandsregeln hält.“

Bianca Eblen pflichtet ihr bei: „Man kommt nicht darum herum, auch bei den Kitas gewisse Risiken in Kauf zu nehmen.“ Das sehen die Verantwortlichen bei der Stadt kritisch. So gebe es Bestimmungen des Arbeitsschutzes sowie eine Fürsorgepflicht auch für die Erzieher. Bei allen Bemühungen fehlt den Eltern vor allem eines: Eine zuverlässige Perspektive. Die kann aber auch die Stadt nicht bieten.

Zwar sind die Verantwortlichen in Konstanz dabei, geeignete und fachlich verantwortbare Lösungen für die bisher nicht berücksichtigten Kinder zu erarbeiten. Doch auch dann können viele Kinder gar nicht oder nur wenig betreut werden. Alfred Kaufmann, Leiter des Konstanzer Sozial- und Jugendamts, betont: „Wir wollen keine entstandenen Erwartungen und Hoffnungen nähren.“

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