Es geht ausgelassen und fröhlich zu an der Mädchenschule Zoffingen am Rheinsteig: Überall bemalen Mädchen die Wände mit leuchtenden Farben, hören laut Musik, gestalten Fotoprojekte und studieren Tänze ein. Die Stimmung während der Projekttage zur Vorbereitung des Tages der offenen Tür am heutigen Samstag, 9. Juni, ist ziemlich gut.

243 Jahre Tradition enden jetzt

Aber schaut man genau hin, entdeckt man auch ein bisschen Wehmut. An diesem Samstag hat die Mädchenschule Zoffingen ihren letzten großen Auftritt. Lehrer, Schüler und Ehemalige bedauern mit einem weinenden Auge die Schließung und den damit verbundenen Abriss. Sie erinnern sich aber auch mit einem Lachenden an die Besonderheiten dieser alten Traditionsschule, die es seit immerhin 243 Jahren gibt.

Martin Klett, Lehrer: Vor 13 Jahren wurde er Mr. Zoffingen

"Diese Jahre werden nicht wiederkommen, da bin ich mir ganz sicher." – Der Lehrer Martin Klett, der 13 Jahre lang in Zoffingen unterrichtete, hält die Atmosphäre an der Schule für einzigartig. Amnfangs war er skeptisch, fühlte sich dann immer wohler.
"Diese Jahre werden nicht wiederkommen, da bin ich mir ganz sicher." – Der Lehrer Martin Klett, der 13 Jahre lang in Zoffingen unterrichtete, hält die Atmosphäre an der Schule für einzigartig. Amnfangs war er skeptisch, fühlte sich dann immer wohler.

So auch Lehrer Martin Klett, den die Schülerinnen der Abschlussklasse in seinem ersten Schuljahr auf der Mädchenschule Zoffingen direkt zu "Mr. Zoffingen" gewählt haben. Das ist nun 13 Jahre her und der Mathe-, Physik- und Erdkundelehrer, hätte gut und gerne noch zehn weitere zehn Jahre in diesem "kleinen Paradies", wie er es nennt, unterrichtet.

Martin Klett: "Ich war erst mal etwas schockiert"

Seiner ersten Stelle, die für ihn heute fast zu einem zweiten Zuhause geworden ist, hatte er nach seinem Referendariat erst einmal skeptisch gegenübergestanden: "Als ich erfahren habe, dass ich ans Zoffingen komme, war ich erst mal etwas schockiert und wollte da eigentlich auch nicht hin." Bereut hat er seine Entscheidung, die Stelle doch anzunehmen, nie.

Vorurteile, wie etwa übermäßiger Zickenkrieg, erwiesen sich schnell als unbegründet, und stattdessen erlebt der Lehrer einen einzigartigen Schulzusammenhalt, den sogenannten Zoffingen-Spirit, der eine individuelle Betreuung ermöglicht hat. "Diese Jahre werden nicht wiederkommen, da bin ich mir ganz sicher."

Jana, 10. Klasse: "Nicht einfach nur eine Lernfabrik"

"Sie war die einzige kleine und daher sehr familiäre Schule. Schade, dass die Stadt so einen Ort verliert. Zoffingen war nicht einfach eine Lernfabrik, sondern jeder Einzelne zählte", sagt die 16-jährige Jana, die in diesem Jahr ihren Realschulabschluss macht.
"Sie war die einzige kleine und daher sehr familiäre Schule. Schade, dass die Stadt so einen Ort verliert. Zoffingen war nicht einfach eine Lernfabrik, sondern jeder Einzelne zählte", sagt die 16-jährige Jana, die in diesem Jahr ihren Realschulabschluss macht.

Aber dass das Lehrerkollegium in den letzten Jahren von 35 auf acht zusammenschmolz, konnte nicht spurlos an der Schule vorübergehen. "Am Anfang war es schon merkwürdig, dass nur noch vier Klassen da sind, aber man gewöhnt sich daran. Und trotzdem vermisst man viele Lehrer, die leider gehen mussten", erklärt die Zehntklässlerin Jana, die in diesem Sommer als eine der letzten Zoffingerinnen ihren Realschulabschluss machen wird.

Und obwohl ihre Zeit an der Mädchenschule sowieso beendet gewesen wäre, bedauert sie die Schließung sehr: "Sie war die einzige kleine und daher sehr familiäre Schule in Konstanz. Schade, dass die Stadt so einen Ort verliert. Zoffingen war nicht einfach eine Lernfabrik, sondern jeder Einzelne zählte."

Joana, 10. Klasse: "Wir haben in der Freizeit auch mit Jungs zu tun"

Diese Offenheit und das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl durfte auch Joana erleben, die erst in der neunten Klasse auf die Mädchenschule Zoffingen gewechselt ist. Zuvor auf einer gemischten Schule gewesen, schätzte die 17-Jährige an Zoffingen besonders, dass so manches auch leichter fällt, wenn Mädchen unter sich sind. Für ihr Empfinden entstanden so mehr Natürlichkeit und Authentizität unter den Schülerinnen: "Klar haben wir in unserer Freizeit mit Jungs zu tun, aber das Thema ist in der Schule einfach nicht dauernd so präsent, und so muss sich auch niemand verstellen."

"Alles hat seine Zeit, es ist jetzt so und es kommt ja etwas Gutes hinterher", sagt Nicole Schäffauer. Sie hat bis 1989 die Mädchenschule besucht, war im Schulorchester und in der Theater-AG. Seit vier Jahren ist auch ihre Tochter eine Zoffingerin.
"Alles hat seine Zeit, es ist jetzt so und es kommt ja etwas Gutes hinterher", sagt Nicole Schäffauer. Sie hat bis 1989 die Mädchenschule besucht, war im Schulorchester und in der Theater-AG. Seit vier Jahren ist auch ihre Tochter eine Zoffingerin.

Nicole Schäffauer, ehemalige Schülerin: "Es kommt ja etwas Gutes hinterher"

Dem stimmt die ehemalige Schülerin Nicole Schäffauer zu. Amüsiert erinnerte sie sich daran, wie die Jungen vom Humboldt-Gymnasium am Zaun standen und neugierig hinüberschauten. "Das wurde nicht geduldet, keine 15 Minuten und sie wurden weggeschickt. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen", erzählt Schäffauer lachend. Zur Schließung der Schule nimmt sie eine eher rationale Haltung ein: "Alles hat seine Zeit, es ist jetzt so und es kommt ja etwas Gutes hinterher", sagt sie mit Blick auf die Pläne für ein Pflegeheim.

"Zoffingen war das Beste, was mir je passieren konnte. Ich konnte mit den Mädchen super in den Lehrerinnenberuf hineinwachsen." – Lehrerin Christine Bahle engagiert sich mit Herzblut für den Tag der offenen Tür. Sie rechnet mit mehr als 300 Gästen.
"Zoffingen war das Beste, was mir je passieren konnte. Ich konnte mit den Mädchen super in den Lehrerinnenberuf hineinwachsen." – Lehrerin Christine Bahle engagiert sich mit Herzblut für den Tag der offenen Tür. Sie rechnet mit mehr als 300 Gästen.

Christine Bahle, Lehrerin: "Ich konnte mit den Mädchen super in den Beruf wachsen"

Dagegen empfindet Christine Bahle, die erst seit fünf Jahren an der Schule tätig ist, durchaus einen emotionalen Verlust: "Das mag man sich noch gar nicht ausmalen, wie das sein wird, wenn das Gebäude abgerissen ist", erzählt die junge Deutsch-, Ethik-, Erd-, Wirtschafts- und Gemeinschaftskundelehrerin. Auch sie begann ihre Karriere an der Mädchenschule.

"Zoffingen war das Beste, was mir je passieren konnte. Ich konnte mit den Mädchen super in den Lehrerinnenberuf hineinwachsen." Deshalb hat sich Bahle maßgeblich an der Gestaltung des letzten öffentlichen Tages der offenen Tür am heutigen Samstag ab 13 Uhr beteiligt: "Es ist für mich sehr wichtig, diese Schule noch einmal hochleben zu lassen, sie würdig zu verabschieden."

"Schwester Mechthild stand jeden Morgen vor dem Rektorat und hat jede mit Namen begrüßt. Sie wusste sofort, wenn irgendetwas im Busch war. Der Mensch stand bei ihr immer an erster Stelle." – Simone Baur war bis 1989 in Zoffingen und erinnert sich gern.
"Schwester Mechthild stand jeden Morgen vor dem Rektorat und hat jede mit Namen begrüßt. Sie wusste sofort, wenn irgendetwas im Busch war. Der Mensch stand bei ihr immer an erster Stelle." – Simone Baur war bis 1989 in Zoffingen und erinnert sich gern.

Simone Bauer, ehemalige Schülerin: "Schwester Mechthild hat jeden mit Namen begrüßt"

Zu diesem besonderen Anlass wollen auch Nicole Schäffauer, Simone Baur und Gaby Würth die Schule ein letztes Mal besuchen. Die drei 1989er-Absolventinnen sind sich einig: Was die Schule so besonders gemacht hat, war die Wertschätzung untereinander und das feine Gefühl für Zwischenmenschlichkeit auch vonseiten der geistlichen und staatlichen Lehrer: "Schwester Mechthild stand jeden Morgen vor dem Rektorat und hat jede mit Namen begrüßt. Sie wusste sofort, wenn irgendetwas im Busch war. Der Mensch stand bei ihr immer an erster Stelle, und das rechne ich ihr bis heute hoch an", erzählt Baur.

Dass auf dem Zoffingen-Gelände nun mit dem Pflegeheim eine soziale Einrichtung gebaut werden soll, habe grundsätzlich etwas für sich: "Der Geist lebt dann in etwas anderem weiter. Das gefällt mir sehr gut."

Zwei Zoffingen-Jahrgänge werden umziehen

Momentan besuchen das Zoffingen noch 76 Schülerinnen, von denen 39 in diesem Schuljahr ihren Abschluss in gewohnter Umgebung machen werden. Die anderen zwei Klassen, eine 8. und eine 9. Realschulklasse, bleiben zwar als Mädchenklasse erhalten und werden zum Teil auch weiter von ihren Zoffinger Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet, allerdings in den Räumen der Theodor-Heuss-Realschule.