Hand aufs Herz Frau Bader, hat Ihnen niemand gesagt: Ruth, das mit dem Bodenseeforum lässt du besser sein?

Solche Reaktionen gab es, aber nicht aus meinem engsten Umfeld. Aber klar, haben manche Menschen schon vorsichtig reagiert auf die Pläne.

Wie erleben Sie die ersten Tage als Chefin des Bodenseeforums?

Ich bin auf ein engagiertes Team gestoßen, das mit großer Offenheit auf mich eingegangen ist. Ich stoße auf viel Neues, erlebe aber sowohl im Haus als auch seitens der Verwaltung viel Unterstützung. Man merkt, dass ich an einem Ort angekommen bin, an dem Gastfreundschaft gelebt wird.

Zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung soll es zuvor nicht immer freundschaftlich zugegangen sein. Müssen Sie zerbrochenes Glas beseitigen?

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Mir persönlich ist wichtig, in einem Umfeld zu arbeiten, das auf Wertschätzung basiert, unabhängig davon, was vor meiner Zeit war. Gerade suche ich viele Gespräche, auch weil ich mir ja von meinen Mitarbeitern vieles erklären lassen will und muss.

Wie kamen Sie zu dem Job?

Ich bin gefragt worden. Aber ich habe mir in der Entstehungszeit schon gedacht: Wow, das ist ein tolles Haus, leider käme die Aufgabe einige Jahre zu früh, weil ich gerade mit dem Konziljubiläum zu tun habe. Es gab also schon immer einen Flirt mit dem Bodenseeforum.

Das klingt so, als ob Sie sich die Aufgabe länger als nur während der Interimszeit ausfüllen wollen.

Es wäre doch fatal, wenn ich nur innerhalb von 13 Monaten denken würde.

So lange wird über die Zukunft des Tagungsstandorts Konstanz und damit auch des Bodenseeforums beraten.

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Würde ich darüber nicht hinausdenken, müsste ich in Kürze wieder über meinen Abschied nachdenken. Was nach Frühling 2020 passiert, liegt aber nicht nur an mir, sondern genauso am Gemeinderat. Er muss erstens sagen: Ruth Bader können wir uns vorstellen. Und zweitens muss der Strategieprozess auch aufzeigen, wie das Bodenseeforum überhaupt geleitet werden soll.

Ein wenig liegt es schon an Ihnen. Wenn Sie gute Arbeit leisten, dürften Ihre Chancen als Dauer-Geschäftsführerin nicht schlecht stehen. Sie werden sehr wertgeschätzt seit dem Konzilsjubiläum.

Das nehme ich auch so wahr. Man muss aber aufpassen. Ich kann nicht Heilsbringerin sein, sondern muss erst einmal die dringendsten Aufgaben angehen.

Die da wären?

Verwaltung und Bodenseeforum eng miteinander vernetzen und das Team stärker als bisher in den Vordergrund rücken. Bislang wurde kaum beachtet, welch gute Arbeit hier geleistet wird. Im Fokus stand immer nur dieses Defizit.

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Wir müssen für eine bessere Öffentlichkeit sorgen und das Haus stärker in der Stadt und der Region etablieren. Das fängt beim Dialog mit den Hochschulen an. Ich frage mich: Wenn die Uni so viele Kongresse in Konstanz ausrichtet, warum finden diese dann nicht im Bodenseeforum statt?

Haben Sie darauf eine Antwort?

Ich glaube, dass bislang nicht genug intensive Gespräche geführt worden sind. Der Punkt ist: Wir müssen miteinander reden. Und das gilt nicht nur für die Hochschulen. Sondern auch für Vereine oder den Mittelstand.

Welche Irrtümer abseits der fehlenden Dialoge sind zur Anfangszeit des Bodenseeforums geschehen?

Ich weiß nicht, ob ich es Irrtümer nennen würde. Sagen wir besser: Die Überzeugungen waren andere. Sie lauteten: Wir holen internationale große Kongresse nach Konstanz. Das ist aus unterschiedlichen Punkten schwierig. Wir haben bei der Auswertung der bisherigen 220 Veranstaltungen festgestellt: Besonders gut kann das Bodenseeforum Tagungen im Bereich 200 bis 400 Teilnehmern ausrichten, das muss unser Kerngeschäft sein, was den Umsatz angeht.

Wofür muss das Bodenseeforum denn sonst sorgen, außer für Umsatz?

Dafür, dass Menschen ins Haus kommen. Kulturelle Veranstaltungen werden nie so profitabel sein wie Tagungen oder Messen, sorgen aber dafür, dass die Menschen eine Verbindung zum Haus bekommen.

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War es aus Ihrer Sicht richtig, vor der Eröffnung zu versprechen: Das Bodenseeforum wird mittelfristig zumindest keine Verluste machen?

Ich kann nur über die Gegenwart sprechen und sagen: Das Bodenseeforum wird keine schwarze Null schreiben, wenn es ein Haus für die Konstanzer sein soll. Weil es schlicht viel Geld kostet. Das Problem ist aber: Für die Bürger ist nicht klar, was sie dafür erhalten, dass ihre Steuermittel ins Bodenseeforum fließen.

Und was soll das sein?

Zu Veranstaltungen gehen zu können, die Gesundheitsmesse kürzlich zu besuchen oder Feiern auszurichten. Diese Informationen müssen wir dringend in die Stadt hineintragen, das wurde bislang stark vernachlässigt. Es wurde kaum gezeigt, dass das kulturelle Leben gerade auf diese Seite des Rheins wächst.

War einer der Irrtümer auch, dass es hier keine Küche gibt?

Wohlfühlen geht durch den Magen, da haben Sie schon Recht. Zugunsten möglichst großer Veranstaltungsflächen wurde für andere Flächen, darunter eine größere Küche, gespart. Es stimmt aber nicht, dass Veranstaltungen hier nicht anständig kulinarisch versorgt würden. Aber da der Posten Catering finanziell stark zu Buche schlägt, muss das einer der Punkte sein, an den wir jetzt rangehen.

Wäre es denn denkbar, eine größere Küche einzubauen?

Dafür ist kein Platz, aber an- oder aufbauen vielleicht.

Also noch mal investieren ins Bodenseeforum. Wie soll das den Bürgern verkauft werden?

Ich glaube nicht, dass das so schwierig wird zu argumentieren. Wir müssen erklären, dass wir aus den vergangenen Erfahrungen gelernt haben. Und dazu gehört dann auch, dass man ins Haus investieren muss, um es zu verbessern. Das ist doch nichts Ungewöhnliches: Wir sind nach wie vor in der Findungsphase.

Blicken wir in die Zukunft: Wie soll nach ihrer Interimszeit in einem Jahr über das Bodenseeforum gesprochen werden?

Es soll ein anderes Standing in der Stadt haben. Es soll neue Partner geben, die gerne ins Bodenseeforum kommen. Der Strategieprozess soll einen guten Weg für das Haus aufzeigen, in das auch das Team eingebunden ist.

HoffBodenforum.
Bild: Wolfgang Scheide

Untergräbt es nicht Ihre Autorität als Geschäftsführerin, im Grunde nur einen Jahresvertrag zu besitzen?

Nein, ich finde das richtig. Es gibt dem Gemeinderat die Chance, frei nachzudenken. Es gibt aber auch uns die Chance, in diesem abgesteckten Zeitraum unsere Stärken zeigen zu können. Für mich ist die Situation ein Schutz für beide Seiten. Zudem komme ich aus der Kultur, da sind kurze Verträge normal. Die zweimal fünf Jahre fürs Konziljubiläum fühlten sich ein bisschen wie lebenslänglich an (lacht).

Sie sind also froh, dass Sie nach einem Jahr eine Exit-Strategie haben?

Ich glaube nicht, dass es eine solche Exit-Strategie für mich gibt.

Hätten Sie denn die Geduld für eine längere Zeit als Bodenseeforums-Chefin?

Es gibt für mich keinen Anlass, aus Konstanz wegzugehen. Ich mag diese Stadt. Ich war an vielen anderen Orten und habe mich ganz bewusst wieder für den Bodensee entschieden.