Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann schaffe einen Arbeitskreis. Welch böser Satz über die Arbeit in Verwaltungen. Es ginge noch bösartiger: Ist dem Kreis die Arbeit schnuppe, dann schaffe eine Lenkungsgruppe.

Genug der Reime, der Anlass ist zu ernst. Die Gruppe gibt es schließlich tatsächlich, sie soll ein Projekt zur Entwicklung des Tagungsstandorts Konstanz lenken. Wesentlicher Baustein: das Bodenseeforum.

Der Fehler bei der Eröffnung: Es wurde zu dick aufgetragen

Von Daimler, Siemens und Co. als Kunden wurde einst geträumt. Seit der Eröffnung hat sich das Bodenseeforum jedoch nicht als passender Ort für Tagungen erwiesen. Im ersten Halbjahr 2018 kamen hierfür zu 21 Veranstaltungen rund 2600 Gäste, der Terminkalender für das erste Halbjahr 2019 sieht für Tagungen nicht viel anders aus.

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Die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Uli Burchardt an der Spitze hat einen entscheidenden Fehler begangen: Sie versprach zur Eröffnung 2016 zu viel. Die Werbung als "Jahrhundertchance", das Versprechen von der baldigen schwarzen Null – beides war zu dick aufgetragen.

Das Projekt Bodenseeforum hat nach wie vor seine Berechtigung in Konstanz

Ausgeschlossen ist ein voller Kalender aber noch lange nicht. Die lange von allen, inzwischen von immer weniger, Seiten zugesprochene Geduld mit dem Haus ist die richtige Haltung. Die Branche stellt Konstanz nach wie vor eine gute Prognose als Tagungs- und Veranstaltungsstandort aus. Der Tenor: Die größte Stadt im Landkreis benötige einen solchen Ort, zwei Jahre am Markt ließen keine faire Bewertung zu.

Dass es nicht ohne Zuschüsse gehen wird, hätte offen gesagt werden müssen

Unbenommen müssen die Zuschüsse von rund 2,8 Millionen Euro sinken. Sonst wird es nichts mit der Wahrnehmung als "Haus für alle Konstanzer". Die wird das Bodenseeforum erst dann erhalten, wenn es sich einen gewissen (positiven) Ruf erarbeitet hat. So lange ist es Otto-Normal-Konstanzer an den meisten Tagen des Jahres herzlich egal, was dort passiert – oder eben nicht passiert.

Ganz ohne Zuschüsse wird das Bodenseeforum aber nie auskommen – es wäre sonst deutschlandweit das erste Haus seiner Art. Dies nicht von Anfang an offen zu sagen, war schlechte Kommunikation seitens der Stadt. Es stellt das Projekt Bodenseeforum aber nicht grundsätzlich infrage.

Die Konstanzer Politik opfert ihre Haltung der Gemeinderatswahl im Mai

Umso befremdlicher sind die Bäumchen-wechsle-dich-Spiele, die in der Konstanzer Politik eingesetzt haben. Offensichtlich haben die Parteien das Bodenseeforum als dankbares Wahlkampfthema ausgemacht und werfen – offen oder hinter vorgehaltener Hand – ihre Haltung als Befürworter des Eigenbetrieb-Modells über Bord.

Noch vor wenigen Monaten warben sie fast einmütig dafür, dem Haus Zeit zu geben. Einzig die Linke Liste darf sich als standhaft feiern, sie kritisiert das Projekt seit Langem. Wenn auch polemisch in der Wortwahl und ohne realistische Alternativen zu benennen – die "sofortige Schließung" ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.

Beliebte Fragen seit der allgemein eingesetzten Kehrtwende: Wie viele Geschäftsführer sollen noch kommen? Wie oft müssen wir noch Geld nachschießen? Warum braucht es externe Berater für mindestens 150.000 Euro? Die SPD-Fraktion bemängelt nun, erst im Juli über die Zukunft des Bodenseeforums zu entscheiden, sei zu spät. Weil es dann zu lange nur kommissarisch geleitet würde, wie sie schreibt? Oder doch, weil die Gemeinderatswahl dann bereits vorüber sein wird?

Um dies zu beantworten, benötigt es jedenfalls keine Lenkungsgruppe.