Damit haben wohl die wenigsten Bürger gerechnet: Jochen Lohmars Tage als Geschäftsführer des Bodenseeforums Konstanz sind offenbar gezählt. Noch in der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzungen des Jahres in der vorigen Woche hatte Oberbürgermeister Uli Burchardt angemahnt, es sei nun Aufgabe des Managements, das Haus zum Erfolg zu führen.

In der Sitzung hatten einige Stadträte eine neuerliche Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Bodenseeforums angestoßen.

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Entscheidung zur Entlassung Lohmars fiel im Gemeinderat

Eine Woche später scheint klar: Diese Managementaufgabe wird dem derzeitigen Chef nicht mehr zugetraut und in ruhigere Fahrwasser wird das teils schwer kritisierte Veranstaltungshaus vorerst nicht gelangen. Denn in einer kurzfristig durch die Stadtverwaltung anberaumten nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag wurde überraschend über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit JochenLohmar diskutiert, wie der SÜDKURIER aus mehreren Quellen erfahren hat.

Die Anzeichen verdichten sich demnach, dass der Vertrag mit dem Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs gekündigt werden soll.

Jochen Lohmar kam erst im Sommer 2017 ins Amt – ausgestattet mit einem Fünf-Jahres-Vertrag

Somit bräuchte das Bodenseeforum nach 18 Monaten erneut einen neuen Chef oder eine neue Chefin. Lohmars Vertrag ist auf fünf Jahre bis Mitte 2022 angelegt, beinhaltet aber eine Klausel, die eine vorzeitige Trennung ermöglicht. Weil die Kündigungsfrist sechs Monate beträgt, wurde die Entscheidung noch vor das Jahresende auf den gestrigen Donnerstag gelegt. Das Bodenseeforum Konstanz braucht damit ab Juli 2019 wohl erneut eine neue Leitung.

Stadtverwaltung und Geschäftsführer wollen sich nicht öffentlich äußern

Die Stadtverwaltung wollte diese Informationen mit dem Hinweis auf Nichtöffentlichkeit der Sitzung nicht kommentieren. Lohmar selbst beantwortet Fragen zu seiner Person auf Nachfrage des SÜDKURIER ebenfalls nicht und bittet um Rücksicht auf seinen bereits begonnenen Weihnachtsurlaub.

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Das Management für das Bodenseeforum hatte der 55-jährige Hotel- und Veranstaltungsfachmann aus Berlin erst im Sommer 2017 übernommen. Über ein halbes Jahr war der Posten zuvor vakant, nachdem Gründungs-Geschäftsführer Thomas Karsch überraschend ausgeschieden war.

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Interne Konflikte zwischen Geschäftsführung und übrigen Mitarbeitern des Bodenseeforums

Der Grund für die Trennung sollen nicht einzig – und vor allem nicht hauptsächlich – die schwachen Umsatzzahlen sein. Wenngleich auch diese von Teilen des Gemeinderats kritisch gesehen werden, denn die Erlöse lagen im ersten vollen Jahr unter der Leitung Lohmars mit voraussichtlich 827.000 Euro um rund 400.000 Euro unter denen von 2017. Damals führte Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal das Haus noch sechs Monate interimsweise.

Vielmehr soll es erhebliche Verwerfungen zwischen Lohmar und den übrigen Mitarbeitern des Bodenseeforums gegeben haben. Wie es aus Mitarbeiterkreisen des Hauses heißt, habe sich das gesamte Team geschlossen gegen seinen Geschäftsführer ausgesprochen. Auch an einer gemeinsamen Weihnachtsfeier mit dem Chef habe kein Interesse bestanden, mehrere Kündigungen in den vergangenen Monaten seien auf Lohmar zurückzuführen. Die Auseinandersetzung ließ demnach "keine tragbare gemeinsame Zukunft mehr zu".

Abfindung soll sich auf ein Jahresgehalt belaufen

Unter der Leitung Lohmars arbeiten im Haus 14 tariflich entlohnte, festangestellte Mitarbeiter und ein Geringverdiener. Ab dem kommenden Jahr ist im Personalplan eine rechte Hand für den Geschäftsführer vorgesehen, die sich um die Bereiche Controlling und Rechnungswesen sowie weitere buchhalterische Tätigkeiten kümmert. Begründet wird das im Wirtschaftsplan des Bodenseeforums damit, dass ein Geschäftsführer für die Akquise neuer Veranstaltungen häufig abwesend sei.

Der Vertrag mit dem Geschäftsführer ist außertariflich verhandelt, das Gehalt Jochen Lohmars damit nicht bekannt. Klar ist nur, dass das Bodenseeforum für Personal – also Gehälter plus Sozialabgaben – im Jahr 2019 rund 765.000 Euro ausgeben wird. Scheidet Lohmar vor seiner fünfjährigen Vertragslaufzeit aus, steht ihm eine Abfindung zu, die sich dem Vernehmen nach auf ein Jahresgehalt summieren soll.