Wie der SÜDKURIER exklusiv erfahren hat, wird es einen weiteren Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister in Konstanz im Juli geben: Felix Müller, 44 Jahre alt und studierter Architekt, kündigt seine Kandidatur an. Der Konstanzer Klimaaktivist geht damit ins Rennen gegen Amtsinhaber Uli Burchardt und den Stuttgarter Stadtrat Luigi Pantisano.

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Zudem hatte sich ein – bisher nachnamenloser – Paul als Bewerber für die PARTEI ins Gespräch gebracht.

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Felix Müller tritt als unabhängiger Kandidat an, wie einer der Redaktion vorab vorliegenden Pressemitteilung zu entnehmen ist. Er wolle für „ein klimapositives, enkeltaugliches und bürgernahes Konstanz bis spätestens 2030“ eintreten.

Felix Müller (rechts) bei einem Ortstermin auf dem Areal Büdingen in Konstanz mit Hotelinvestor Hans Jürg Buff im März 2018. Dort war Müller im Rahmen seiner Tätigkeit für die Initiative Klimastadt Konstanz.
Felix Müller (rechts) bei einem Ortstermin auf dem Areal Büdingen in Konstanz mit Hotelinvestor Hans Jürg Buff im März 2018. Dort war Müller im Rahmen seiner Tätigkeit für die Initiative Klimastadt Konstanz. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Müller habe sich mit Mitgliedern der Grünen unterhalten, sagt er im Gespräch, „aber eine offizielle Unterstützung irgendeiner Partei oder Fraktion gibt es bisher nicht.“ Auch sei er kein offizieller Fridays-for-Future-Kandidat.

Die Gruppe und der 44-Jährige stehen sich nahe. Nicht zuletzt, weil er diese in Konstanz mitbegründet habe. „Ich will Vermittler zwischen den Generationen sein“, sagt der dreifache Vater, der unter anderem auch für die Gruppe Extinction Rebellion und bei Greenpeace aktiv ist.

Auf dem Stephansplatz wollten sie eine Demo für das Klima abhalten: Felix Müller, Arno Jucker und Claudius Eisermann von der Gruppierung Extinction Rebellion, Englisch für „Rebellion gegen das Aussterben“.
Auf dem Stephansplatz wollten sie eine Demo für das Klima abhalten: Felix Müller, Arno Jucker und Claudius Eisermann von der Gruppierung Extinction Rebellion, Englisch für „Rebellion gegen das Aussterben“. | Bild: Reinhardt, Lukas

Müller sehe in den Diskussionen um den Klimaschutz „einen Konflikt zwischen Alten und Jungen, der das Potenzial hat, sich immer weiter zu verschärfen“. Die Aufgabe eines Oberbürgermeisters sehe er „nicht in der Vorgabe einer strikten Marschroute, sondern im Gestalten und Moderieren eines breiten Prozesses der Bürgerbeteiligung“.

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Die nach dem Ausrufen des Klimanotstands durch den Gemeinderat im Mai 2019 verabschiedeten Klimaziele bezeichnet Müller als substanzlos. „Wer hat sich denn die 70 Maßnahmen einmal genauer angesehen?“, fragt er. Die Antwort darauf gibt er selbst: „Da steckt für mich zu wenig dahinter.“

Müllers eigene Ziele klingen bekannt und wurden auch von anderen Kandidaten ins Spiel gebracht: Bezahlbare Wohnungen; mehr Freiräume, insbesondere auf rechtsrheinischer Seite; Förderung der Energie- und Verkehrswende. Bei letzterem wird Müller dann doch etwas konkreter: Unter 18-Jährige sollen kostenlos mit dem Bus fahren können, für alle anderen müssen Tickets günstiger werden und in die Teilorte soll der Rote Arnold öfter fahren.

Angesichts bislang fehlender Unterstützung einer Partei oder Fraktion stellt sich die Frage nach der Finanzierung seines Wahlkampfs. Felix Müller rechnet mit „bis zu 80.000 Euro“, die eine aussichtsreiche Bewerbung in Konstanz kosten kann. Sieg oder Niederlage: Dieses Geld ist nach der Wahl im Juli 2020 dahin. „Ich setze auf ein gutes Netzwerk an Unterstützern“, sagt der 44-Jährige dazu, „außerdem bin ich überzeugt, dass mein Team und ich mit weniger Mitteln als andere Kandidaten mehr machen können.“ Aus wenig viel zu machen, das sei er im Leben bereits gewohnt.

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