„Alle haben die Wirkung, die sie haben sollten“, meinte Referent Konrad Schlude, als er von seinem Parteikollegen Max Nägele gebeten worden war, von seinen umfangreichen Recherchen über Constantin Fehrenbach zu berichten. Dieser hat nämlich in Wellendingen mit der Constantin-Fehrenbach-Straße schon vor vielen Jahren eine Würdigung für sein Lebenswerk erhalten. Schlude konnte bei seinen Recherchen auf die Dissertation von Astrid Mannes zurückgreifen.

Am 11. Januar 1852 wurde Constantin Fehrenbach im alten Schulhaus von Wellendingen als Sohn des Dorflehrers geboren. 13 Jahre Dorfleben haben den Wellendinger Buben sicherlich geprägt, denn in diesem Alter wurde er zur Vorbereitung eines Theologiestudiums ins Internat nach Freiburg geschickt. Von 1871 bis 1875 studierte er dort auch Theologie, brach dann aber ab und studierte bis 1879 Rechtswissenschaft. Er heiratete, wurde Vater und ließ sich als Rechtsanwalt nieder.

Schon bald übernahm er verschiedene politische Ämter. Im „Zentrumsstreit“ nach 1906 zeigte sich Fehrenbach als eine Art Vordenker einer überkonfessionellen CDU. Die Partei „Zentrum“ hatte überwiegend katholische Wählerschaft, hauptsächlich katholische Mitglieder und katholische Abgeordnete. Constantin Fehrenbach votierte damals für die Öffnung für andere Konfessionen, was danach aber noch nicht geschah. Wesentlich war seine Rede 1913 zur Zabern-Affäre, die letztendlich zum ersten Misstrauensvotum des Reichstags gegenüber der Reichsregierung geführt hatte. Auch an der Friedensresolution des Reichstages von 1917 war Fehrenbach beteiligt. Er war der letzte Reichspräsident des kaiserlichen Deutschlands, hatte als Präsident der Nationalversammlung die Leitung zur Erarbeitung der Weimarer Verfassung und er war der erste Reichskanzler, der gemäß der neuen Verfassung vom 11. August 1919 zu seinem Amt kam.

Max Nägele (links) dankte dem Referenten Konrad Schlude für den spannenden Abend zum Thema: Constantin Fehrenbach, Reichskanzler aus Wellendingen.
Max Nägele (links) dankte dem Referenten Konrad Schlude für den spannenden Abend zum Thema: Constantin Fehrenbach, Reichskanzler aus Wellendingen. | Bild: Petra Mann

Konrad Schlude stellte sich die Frage, warum wir diesen Mann und andere aus jener Zeit nicht wirklich kennen. Am Leben des Politikers Wilhelm Marx, der 1863 bis 1946 lebte, zeigte er einen ähnlichen Verlauf. Auch ihn kennt kaum einer, obwohl er von 1923 bis 1924 und von 1926 bis 1928 Kanzler war. Beide wurden nach dem Krieg CDU-Politiker. Schlude vermutet, dass das Scheitern der Weimarer Republik schuld daran ist, dass diese Männer und noch viele andere unbekannt geblieben sind. Ein Ulrich von Hehl soll einmal gesagt haben: „Der Makel des Scheiterns, welcher der ersten deutschen Demokratie so augenfällig anhaftet, ist auch dem Andenken ihrer Repräsentanten nicht günstig gewesen.“

Parallel dazu beschäftigte sich Konrad Schlude mit der Geschichte des katholischen Pfarrers Guido Andris aus Löffingen. Dieser war nämlich 1934 durch Nazi-Mob aus Löffingen vertrieben worden. Er hatte es gewagt, 1932 auf die religiösen Gefahren der NS-Bewegung hinzuweisen. Er verweigerte NSDAP-Mitgliedern bei der Beichte die Absolution und nannte Hitler einen Taufscheinkatholiken. Einige Dorfbewohner, die ihn zu verteidigen versuchten, wurden damals sogar kurzfristig inhaftiert. Dabei waren auch Männer, die später in der Politik landeten. Auch ihre Namen kennt man nicht. Der Saal im Wellendinger Geburtshaus von Constantin Fehrenbach war gut gefüllt. Alle waren gebannt von den spannenden Erzählungen des Referenten und sparten nicht mit Beifall.