Sie kommen bei Tag und bei Nacht, ob es regnet oder schneit: Die DRK-Notfallretter sind rund um die Uhr bereit, Menschen in medizinischen Notsituationen zur Hilfe zu eilen. Der Kreisverband Villingen-Schwenningen ist zuständig für die Notfallrettung und den Krankentransport im nördlichen Schwarzwald-Baar-Kreis. Der Kreisverband Donaueschingen deckt den südlichen Teil ab. Geht in der zentralen Leitstelle in Villingen-Schwenningen ein Hilferuf ein, dann ist meist Eile geboten. Innerhalb von 15 Minuten müssen die Retter vor Ort sein. Damit das klappt, sind alle Rettungswagen (RTW) mit Blaulicht und Martinshorn ausgestattet, um schnell durch den Verkehr zu kommen. Die anderen Verkehrsteilnehmer sind angehalten die Einsatzfahrzeuge passieren zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Rettungsgasse: „Weil wir nur für wenige Autobahnkilometer von Deißlingen bis Tuningen zuständig sind, sind wir Problemen mit Rettungsgassen nur selten betroffen“, erzählt Rettungsdienstleiter Ralf Hirt. Dennoch habe man an einer kürzlich stattfindenden Erhebung des Landesverbandes teilgenommen, bei der nach Problemen mit Rettungsgassen gefragt wurde. In der Folge startete eine landesweite Aufkleber-Kampagne. Alle Teilnehmer von Erste Hilfe Kursen in der Region erhalten daher jetzt einen Auto-Aufkleber mit dem Hinweis darauf: „Bei Stau Rettungsgasse bilden.“ Knapp 2000 Exemplare habe man vom Landesverband zum Verteilen erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Stadtverkehr: Schon etwas häufiger bremst die hiesigen Retter stockender Innenstadtverkehr aus. Rettungsdienstleiter Rainer Kühl sagt, dass Autofahrer vor roten Ampeln häufig zögern würden. „Da gibt es wohl eine Hemmschwelle, die Ampel zu überfahren, um die Fahrbahn frei zu machen“, erzählt er weiter. Von ähnlichen Erfahrungen am RTW-Steuer berichten Notfallsanitäter Mike Malke und Rettungssanitäter Lukas Glunk. Dabei sind Autofahrer in der Pflicht, Fahrzeugen mit Sonderlichtzeichen zügig Platz zu machen. Es gilt jedoch immer die Sorgfaltspflicht. Andere Verkehrsteilnehmer, Fußgänger oder Radfahrer dürfen nicht gefährdet werden. Wer beim Ausweichen geblitzt wird, sollte nachweisen können, warum die Ampel ignoriert wurde. Dabei können Zeugen sowie die RTW-Autonummer hilfreich sein. Fälle, dass Autofahrer erst spät auf Einsatzfahrzeuge aufmerksam werden, weil im Auto zu laut Musik gehört wurde, seien in den letzten Jahren weniger geworden, berichten Hirt und Kühl. Aber weil neue Fahrzeuge besser gedämmt seien, komme es nach wie vor zu solchen Situationen.

So verhalten Sie sich richtig: Eine allgemein gültige Fahrweise gibt es nicht. „Vielmehr müsse man sich der Situation anpassen“, erklären die Notfallretter. In übersichtlichen Bereichen mit viel Platz sei es hilfreich, wenn Autofahrer ihr Tempo drosseln und nahe am rechten Straßenrand fahren. Ist die Verkehrssituation unübersichtlich und die Straße zu eng, zum Beispiel in einer Kurve, empfehlen die Einsatzfahrer, erst einmal weiter zu fahren und den RTW erst an einer geeigneten Stelle sicher überholen zu lassen. Zuvor sei ein Überholmanöver eh nicht gefahrlos möglich.

Regeln für Einsatzfahrer: Gefahren zu vermeiden und die Geschwindigkeit der Situation anzupassen, genau dazu sind nämlich auch die RTW-Fahrer verpflichtet. „Wir dürfen nichts erzwingen“, erzählt Malke. „Die Fahrer haften zudem persönlich für ihr Handeln“, ergänzt Kühl. Um mit dieser Verantwortung umgehen zu können werden alle Fahrer in einer 30 Stunden dauernden Fortbildung für Sonderrechtfahrten geschult. Offenbar mit Erfolg: Weder Kühl noch Hirt können sich an einen schweren Unfall in ihrem Team erinnern. „Meistens sind es nur Rangierschäden“, berichten sie.

Rainer Kühl erklärt die Funktionen eines Rettungswagens.
Rainer Kühl erklärt die Funktionen eines Rettungswagens. | Bild: Fröhlich, Jens

Beschwerden: Laut Gesetz dürfen Rettungswagen im Einsatz das Martinshorn immer einschalten. „Unsere Fahrer achten jedoch darauf, es auszuschalten, wenn die Situation es zulässt und um niemanden zu stören“, so Hirt und Kühl. „Zum Beispiel nachts und wenn die Fahrbahn frei ist.“ Nichtsdestotrotz sei eine leichte Zunahme von Beschwerden wegen Ruhestörung zu verzeichnen.

Angriffe: Gewalt gegen Einsatzkräfte ist immer wieder Thema in den Medien. Die Rettungskräfte der Region sind davon aber verschont geblieben. „Körperliche Angriffe gibt es eigentlich nicht“, so Hirt. Verbale Entgleisungen seien jedoch keine Seltenheit, ein leichter Anstieg spürbar. Meist ist dann Alkohol im Spiel. „Oder Personen wehren sich gegen die Hilfeleistung.“ Dies sei oft dann der Fall, wenn der Notruf nicht vom Betroffenen selbst abgesetzt wurde. Erst kürzlich habe eine Person randaliert und Geräte im RTW herumgeworfen. „Wir wünschen uns manchmal etwas mehr Wertschätzung„, sind sich Hirt und Kühl einig. Vor einigen Wochen wurde zum Beispiel ein Fahrzeug mit Graffiti besprüht, während einem Hilfseinsatz auf dem Villinger Münsterplatz. Auch deutliche Handzeichen im Straßenverkehr seien keine Seltenheit.

Ralf Hirt erklärt die medizinische Ausstattung im Rettungswagen.
Ralf Hirt erklärt die medizinische Ausstattung im Rettungswagen. | Bild: Fröhlich, Jens

Notruf: Beim Thema Notruf wünschen sich die Retter gelegentlich etwas mehr gesunden Menschenverstand. Die Einsatzzahlen bei Bagatellen sowie das Anspruchsdenken der Menschen seien gestiegen, so Hirt. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten man daher nicht erst ein paar Tage warten und rechtzeitig zum Arzt gehen. Auch ein Zeckenbiss sei kein Grund Hilfe bei einer Rettungswache zu suchen.

An diesen Fall erinnern sich Hirt und Kühl noch gut. Es habe auch schon Fälle gegeben, dass über den Notruf versucht wird Wartezeiten in der Notaufnahme zu umgehen. „Solche Erlebnisse sind nicht gerade förderlich für unsere Motivation.“

DRK-Kreisverband: Der DRK Rettungsdienst Schwarzwald-Baar ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des DRK Kreisverbandes Villingen-Schwenningen. Sie unterhält sechs Rettungswachen sowie den Luftrettungsstützpunkt „Christoph 11“. Rund 100 hauptamtliche Mitarbeiter und ebenso viele Ehrenamtliche kümmern sich um die Bereiche Rettungsdienst und Krankentransport. Insgesamt acht RTW stehen tagsüber in den Rettungswachen in Villingen, Schwenningen, Bad Dürrheim, Königsfeld, St. Georgen und Triberg bereit. Bei lebensbedrohlichen Notfällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Nummer 112.

Bild: Fröhlich, Jens