Auf ihrem T-Shirt prangt groß das Friedenszeichen und darunter prangt ihr Rufname. Fridi. "Das ist eine Marke", erklärt sie breit lächelnd einem Mann das Signet. Doch der Herr will der blonden Frau aus Sindelfingen, die sich in VS ums Oberbürgermeisteramt beworben hat, vor allem auf den Zahn fühlen.

Video: Fröhlich, Jens

"Sie wollen doch nicht wirklich hier das Amt antreten", sagt der Standbesucher zur Kandidatin im vorwurfsvollen Ton. "Doch, das will ich", sagt Fridi Miller, die als Dauerkandidatin überall im Land beschrieben wird. Sie konzentriere sich jetzt auf Villingen-Schwenningen und "ich nehme hier auch alle Einladungen an", wie sie den Herrn weiter wissen ließ.

Bild: Fröhlich, Jens

Zudem habe sie ihre Kandidaturen drastisch reduziert, erklärt sie weiter und schenkt dem Herrn ein Lächeln.

Keine zwei Minuten später stoppt ein Radfahrer mit Sturzhelm. Er schimpft die 49-Jährige aus seinem Sattel heraus an: "Ich schäme mich wirklich für unsere Demokratie, dass Sie hier 100 Menschen gefunden haben, die sie mit ihrer Unterschrift unterstützen." Dann tritt der Mann in die Pedale und rauscht davon. Ein strahlend schöner Tag in Villingen, aber nicht für Fridi Miller, die von 11 bis 13 Uhr am Redaktionsstand steht.

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Eine Dame kommt vorbei, eine der wenigen Kritikerinnen, die ihren Namen nennt. Gabriele Löffler aus Villingen-Schwenningen knöpft sich die Bewerberin regelrecht vor und zückt einen Zettel aus der Tasche. Sie liest ihr einen Text vor, den sie angeblich aus einem Video von Fridi Miller hat und laut dem die Kandidatin unschöne Sachen über ihre eigene Tochter sagt. Beide Damen sprechen laut und echauffiert, Fridi Miller macht einen Schritt auf die Gegensprecherin zu, die weicht erschrocken zurück. Es geht zur Sache unter den Damen. Aber: 20 Minuten später reden die beiden immer noch miteinander, aber jetzt viel friedlicher, aber immer noch sind die Worte der VS-Bürgerin sehr bestimmt.

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Dann kommt das Ehepaar Eckstein aus Villingen. Auch sie knöpfen sich Fridi Miller vor: Was Millers Forderung – "Merkel muss weg" – mit dem OB-Wahlkampf in VS zu tun habe, fragen die beiden bestimmt aber mit einem freundlichen Lächeln. Miller sagt, die Kanzlerin mache eine schlechte Politik, wie übrigens auch der VS-Oberbürgermeister, wie sie rasch nachschiebt.

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Wieder ereifert sich die Kandidatin im Disput, erklärt aber kurz darauf: "Ich bin schon impulsiv."

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Dann kommt Erika Götz. Die pensionierte Südstadtschulchefin wirkt tiefenentspannt und trägt eine Sonnenbrille. Zu Fridi Miller spricht sie in einfachen Sätzen – "ich hätte da mal eine Frage", eröffnet sie. Warum tun sie das, will sie von Miller wissen. Die antwortet wie aus der Pistole geschossen: "Ich kämpfe für Menschen- und Kinderrechte und für Liebe und Frieden."

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"Warum machen Sie das nicht in einer Partei", insistiert Erika Götz. Miller winkt verächtlich ab. "Dann bin ich vom System abhängig." Die Pädagogin befragt die Kandidatin nun konkreter: "Wie wollen sie die 28 Schulen in VS sanieren?" Fridi Miller ist um eine Antwort nicht verlegen. Sie steht in Badelatschen in der Fußgängerzone und sagt: "Ich würde hier zunächst eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen lassen."

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Diese gebe es ja längst, klärt Erika Götz die Kandidatin auf und fügt hinzu: "Wir haben ja hier einen Sanierungsstau." Fridi Miller erklärt, hier habe "der Oberbürgermeister und der Gemeinderat bei einer Pflichtaufgabe versagt". Den Sanierungsstau "kann ich mit meinem Netzwerk abarbeiten, es gibt so viele arbeitslose Handwerker. Ingenieure und Architekten brauche ich nicht", sagt sie zum Erstaunen ihrer Gesprächspartnerin.

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Ganz zum Schluss dieser City-Aktion kommt noch eine ältere Dame, die der Kandidatin Mut zuspricht: "Menschenrechte sind wichtig", sagt sie milde zustimmend. Und Fridi Miller wundert sich schlussendlich, dass von ihren Werbe-Feuerzeugen fast keine weggegangen sind.

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Ob es daran lag, dass in dieser OB-Debatte ohnehin schon genug Feuer ist?

Weitere Bilder und Videos vom Stadtgespräch mit Fridi Miller

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