Eine Wohnung zu finden in Villingen-Schwenningen zählt zu den drängenden Problemen in der Stadt. Die Bevölkerung wächst, die Stadt hat die Schallmauer von 85 000 Einwohner durchbrochen. Zwar wird derzeit intensiv gebaut, doch viele können sich ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung angesichts rasant steigender Baupreise nicht leisten. Einkommensschwache Schichten tun sich besonders schwer, eine bezahlbare Mietwohnung zu finden. Was sagen die OB-Kandidaten zu diesem Problem?

  • Jörg Röber: "Wir sind in der Situation, dass unsere Stadt gewachsen ist. Das ist ersteinmal gut", unterstreicht der 38-Jährige. Allerdings habe dies zu Problemen auf dem Wohnungsmarkt geführt. Es fehlten kleine Wohnungen unter 2,5 Zimmer sowie größere Wohneinheiten über 3,5 Zimmer im mittleren Preissegment für Familien. Positiv für die Stadt sei, dass derzeit viel neuer Wohnraum gebaut werde. "Dabei ist es egal, ob dies durch Privatunternehmen oder die öffentliche Hand geschieht. Jeder Bau entlastet den Wohnungsmarkt." Röber vertritt die Linie, dass die Stadt auf ihren eigenen Flächen preisgünstigen und sozialen Wohnungsbau fördern müsse, damit Wohnen für kleinere Einkommen bezahlbar bleibe. Zweitens sollte die Stadt dort, wo sie Planungsrecht für Wohnbaugesellschaften schaffe, den privaten Investoren Vorgaben machen, dass ein gewisser Anteil als kostengünstige Mietwohnungen angeboten wird. Die 30-Prozent-Quote, die in der städtischen Wohnraumstrategie vorgeschlagen ist, "ist für mich nicht in Stein gemeißelt", betont Röber. Die Investoren müssen bei jedem Projekt ja noch die Möglichkeit haben, wirtschaftlich zu arbeiten. Aber die 30 Prozent sieht er als gute Diskussionsgrundlage an. Drittens müsse die Stadt neue Baugebiete ausweisen und innerstädtisch "nachverdichten". Den kleinen Stadtbezirken würde Röber mehr Neubaugebiete genehmigen, um ihnen "mehr Luft zum Atmen zu geben". Die Einengung der Dorfentwicklung allein auf die Ortskerne sei kurzfristig nicht umsetzbar.
  • Jürgen Roth: "In einer Stadt unserer Größe und Vielfalt muss Wohnen für jeden Geldbeutel möglich sein!", fordert der 55-Jährige. Die städtische Wohnbaugesellschaft (Wbg) und die Baugenossenschaften können günstigere Mieten anbieten. Die Wbg besonders, weil sie keine Gewinne erzielen müsse. "Deshalb werde ich die Zusammenarbeit intensivieren", kündigt Roth an. Sozialbauquoten von 30 Prozent bei neuen Wohnflächen funktionierten bei Projekten wie Neckarfair oder Steppachfair bereits. Die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum werde wachsen. Das müsse Bestandteil städtischer Konzepte sein. "Wir wollen auch Studentenstadt sein, deshalb benötigen wir mehr alternative, preiswerte Wohnformen. Mein Ziel ist es, eine Durchmischung aller Angebote in einem Quartier zu erreichen", erklärte Roth. Ortschaften, sagt er, bräuchten Entwicklungsflächen. "Baugebietsausweisungen sind zwingend zur Sicherung der Entwicklung im Ort." Eine Idee sei es auch, durch schlechte Erfahrungen geprägte Vermieter zu überzeugen, ihren leeren Wohnraum wieder zu vermieten. Eventuell mittels einer Vermittlungsstelle. "Die Caritas bietet das an und hat gute Erfahrungen gemacht."
  • Gaetano Cristilli: "Prinzipiell brauchen wir mehr Flächen. Doch das zu erreichen ist ein längerer Prozess", betont OB-Gaetano Cristill. Zuerst müsse der Flächennutzungsplan aktiviert werden um neue Flächen generieren. Zugleich müsse die Stadt auch mit privaten Immobilienbesitzern verhandeln, um Flächen oder in Frage kommende Gebäude zu erwerben. Auch in den kleinen Stadtbezirken würde Cristilli neue Wohngebiete zulassen und dies nicht grundsätzlich aus Umweltschutzgründen einschränken. "Sonst ziehen dort die jungen Leute weg", betont er. Es gelte, einen vernünftigen Kompromiss zwischen Wohnungsbedarf und Landschaftsschutz zu finden. Wie groß der Bedarf an Wohnungen ist, kann Cristilli nicht sagen. Wichtig sei aber, dass für jeden Bedarf etwas angeboten wird. Weil die Schaffung von Wohnraum ein langfristiger Prozess ist, müsse die Stadt "mehrgleisig fahren". Dazu gehöre auch, dass bei neuen Wohngebieten die 30-Prozent-Quote für bezahlbaren Wohnraum "fest verankert wird". Wichtig sei die Kooperation der Stadt mit den örtlichen Wohnbaugenossenschaften, damit auch Einkommensschwache und Migranten eine Chance auf dem Wohnungsmarkt bekommen.
  • Marina Kloiber-Jung: "Ich sage, wir müssen überall Wohnraum schaffen, sowohl in den großen Stadtbezirken als auch in den Ortschaften ", betont die 36-jährige städtische Bauhof-Chefin. Und: "Wir müssen Wohnraum für alle anbieten." Zum einen müsse die Stadt, wo es möglich ist, ihre Grundstücke und Immobilien einbringen und über ihre eigene Wohnbau-GmbH oder die Baugenossenschaften mit preisgünstigen Mietwohnungen bebauen lassen. "Innenentwicklung geht dabei vor Außenentwicklung", betont Kloiber-Jung. Aber angesichts des hohen Wohnungsbedarfs dürfte die Bebauung von Leerständen und Brachen nicht ausreichen. "Wenn der Bedarf da ist, müssen wir auch neue Baugebiete in der Stadt ausweisen." Beispielsweise im Zentralbereich im Anschluss an die Gebiete Schilterhäusle und Strangen. "Dabei müssen wir aber schonend mit den Flächen umgehen."