Ein permanentes tiefes Brummen und Vibrieren raubt Anliegern der Danziger Straße im Villinger Wohngebiet Haslach seit Ende September die Nachtruhe. Sie haben sich nun hilfesuchend an die Öffentlichkeit und ans Regierungspräsidium gewandt. Als Lärmquelle im Fokus der Anwohner steht die Produktion der Firma Eisenmann Druckguss, die nur wenige hundert Meter entfernt im Industriegebiet Vockenhausen ihre Gussanlagen und Öfen betreibt.

"Seit Ende September können wir alle nicht mehr ruhig schlafen. Ein permanentes Brummen hält uns wach", schildert Corinna Ketterer, die in der Danziger Straße wohnt.

"Wir sind langsam an unserer Grenze"

Am vergangenen Dienstag, so berichtet die Anwohnerin, sei das laute Brummen um 18 Uhr losgegangen und habe zunächst gegen 19 Uhr geendet. Gegen 22 Uhr sei es wieder losgegangen und habe die ganze Nacht angedauert. Das gehe nun seit Wochen so. Sie selbst wache des Nachts häufiger auf und komme dann nicht mehr in Schlaf. Auch ihre drei Kinder hätten diese Probleme. Eine Nachbarin in der Danziger Straße sei bereits vom Dachgeschoss in einen Kellerraum umgezogen, um wieder schlafen zu können.

"Wir sind langsam an unserer Grenze", sagt sie. Selbst in der weiter entfernten Wöschhalde gebe es Bewohner, die das störende Brummen wahrnehmen. "Es ist ein ziemliches tiefes Geräusch", bestätigt Peter Sachse, ebenfalls Anlieger Danziger Straße. "Wenn ich nachts aufwache, habe ich Probleme, wieder einzuschlafen", sagt er. So gehe es mehreren weiteren Nachbarn.

Anwohner fahnden nach der Lärmquelle

Anwohner aus dem Wohngebiet Haslach haben schon vor Tagen nach der Lärmquelle gefahndet und sind sich sicher, bei Eisenmann in der Max-Planck-Straße fündig geworden zu sein. Mitarbeiter hätten sofort gewusst, woher das Geräusch kommt, als Anwohner mit dem Problem ankamen. Es gebe dort einen defekten Brennofen, sei ihnen gesagt worden. Die Geschäftsleitung wolle sich darum kümmern. Ein Mitarbeiter habe sie auf die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr vertröstet. Da wäre die Firma geschlossen und der Ofen könne repariert werden. Das aber würde bedeuten, klagen die Betroffenen, dass ein weiterer Monat lang nicht an Schlaf zu denken sei.

Am Dienstag dieser Woche haben sich zwei Anwohner daher beim Regierungspräsidium in der Außenstelle Donaueschingen gemeldet und sich über die Störung der Nachtruhe beschwert. Gleich am Mittwochabend, so berichtete die Pressestelle des Regierungspräsidiums, habe der Verantwortliche die Lärmimmission überprüft. Orientierende Schallpegelmessungen im Umfeld der Anlieger am Fußweg parallel zur Obereschacher Straße hätten aber gezeigt, dass der für Wohngebiete geltenden Immissionsrichtwert für die Nacht von 40 Dezibel nicht überschritten worden sei.

Erste Maßnahmen zur Lärmminderung 

Am Mittwochvormittag sei der Behördenmitarbeiter bei der Firma Eisenmann gewesen, habe den Sachverhalt vorgetragen und mit den Verantwortlichen erörtert. "Die Firmenverantwortlichen zeigen sich kooperativ und analysieren derzeit die Situation", berichtet Matthias Henrich, der Pressesprecher des Regierungspräsidiums. Eine erste Maßnahme zur Lärmminderung sei für Anfang Dezember avisiert. Es gehe um eine vorgezogene Wartung eines Ofens und bis dahin um die vorübergehende Reduzierung der Leistung. Der Betrieb sei um eine schriftliche Stellungnahme gebeten worden, die Mitte nächster Woche erwartet werde. "Sollte sich die Situation nicht beruhigen, muss eine rechtlich belastbare Lärmmessung durch einen zugelassenen Sachverständigen durchgeführt werden", so Henrich weiter.

Zur Ursache des Lärms wollte sich Christian Bitzer, seit September neuer Geschäftsführer des Automobilzuliefer-Betriebs, öffentlich noch nicht äußern. Er müsse sich erst mit dem Sachbearbeiter des Regierungspräsidiums und seinen Mitarbeitern austauschen, um ein "klares Bild" von der Situation zu bekommen. Er versicherte aber gestern: "Wir nehmen das Thema ernst und werden uns darum kümmern."

Rückblick: Brummton in Donaueschingen und Furtwangen

2011 sorgte ein Brummton in der Nachbarstadt Donaueschingen für Aufsehen. Die Anwohner der Fürstenberg-Brauerei, deren Produktionsstätten mitten in der Stadt liegen, beklagten sich über einen latenten Brummton.  Hier geht's zum Artikel.  Nach längerer Suche konnte der Brummton in den technischen Anlagen lokalisiert und abgestellt werden. Der Donaueschinger Brummton schaffte es zwei Jahre später sogar ins Fernsehen.

Auch in Furtwangen brummte es im Jahr 2014. Der Ton raubte mehreren Menschen den Schlaf. Der Bürgermeister erklärte den Brummton sogar zur Chefsache. Nach unserem Bericht meldeten sich weitere Brummton-Opfer.  Die Lärmquelle konnte aber nie gemessen und nachgewiesen werden.