Peter Arnegger, als Sänger der Rottweiler Band The Soulmachine für Funk- und Bluesklänge bekannt, schlägt seit ein paar Tagen andere Töne an: "Ich will die Entscheidung des Kulturamtes so einfach nicht akzeptieren", sagt er, und: "Ich bin einfach enttäuscht." Ende vergangener Woche hat der städtische Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier ein neues Sicherheitskonzept für Großveranstaltungen vorgelegt. Dieses sieht unter anderem vor, künftig mehr Rettungs- und Fluchtwege zu installieren – auch bei der Schwenninger Kulturnacht am 2. Juli. In den vergangenen zwei Jahren stand die zehnköpfige Band von Arnegger auf einem Truck vor der Stadtkirche. Da darf sie künftig nicht mehr stehen. "Der Pfropfen vor der Bühne behindert den Verkehrsfluss", sagt Andreas Dobmeier. Peter Arnegger hält dagegen: "Als im vergangenen Jahr der Rettungswagen durch musste, haben wir aufgehört zu spielen und den Leuten gesagt, sie sollen Platz machen." Das habe wunderbar funktioniert.

Andreas Dobmeier hatte keine andere Wahl. Seit dem Unglück auf der Loveparade müssen Städte für Großveranstaltungen ein Sicherheitskonzept erstellen. "Es ist ein dickes Papier mit vielen Details." Fachanwälte, Vertreter von Feuerwehr, Polizei, Bürgeramt und Rotem Kreuz haben drei Monate an dem Konzept gearbeitet. Die Kulturnacht wird durch die neuen Vorschriften um "einige 10¦000 Euro" teurer, sagt Dobmeier. Es gab im Vorfeld einen Ortstermin mit Kulturamt und Rotary-Club – auf dessen Einladung The Soulmachine bislang spielte. Da wurde entschieden, dass die Truck-Bühne aus Platzgründen auch nicht verlegt werden kann. Der Rotary-Club hat nun eine andere Band engagiert. Der Club bewirtschaftet auch auf diesem Platz, die Einnahmen gehen als Spenden unter anderem an die Nachsorgeklinik in Tannheim.

Ein anderer Platz kommt für Peter Arnegger nicht in Frage. "Wir hatten dort immer so viel Spaß." Er hält die Entscheidung für unüberlegt, hat eine Facebook-Seite ins Leben gerufen: Die Lange Kulturnacht Schwenningen soll eine Party bleiben. 132 Personen gefällt das bisher. Auch der Ortsverband der SPD hat eine Stellungnahme abgegeben: "Hier wird von einem Risiko ausgegangen, dass es nach unseren Beobachtungen noch nie gegeben hat", heißt es da. "Eine Absage wäre eine klare Ohrfeige der Stadt an die Veranstalter und ihre vielen fleißigen Helfern." Das neue Sicherheitskonzept wird künftig auch für die Fasnet gelten. Die Umzüge werden davon jedoch nicht betroffen sein. "Vor allem bei den Absperrungen wird es gravierende Änderungen geben", sagt Dobmeier. Die Höhe und die Form werden künftig neu eingestellt, Fluchtwege und Beschilderungen geändert werden. Auf das Stadtfest 9 am Münster wird das Konzept, wenn überhaupt, nur geringe Auswirkungen haben, da es von Vereinen organisiert wird und nicht von der Stadt.

Die Kulturnacht im Überblick

  • Die Änderungen: Das neue Sicherheitskonzept sieht unter anderem Folgendes vor: Für jede Bühne wird es künftig einen Bühnenmanager geben, der den gesamten Abend an einem vorher festgelegten Standort bleibt und im Notfall reagiert, insgesamt 35 Securitys werden im Einsatz sein (bisher waren es knapp 20), alle Einsatzkräfte müssen über Funk verbunden sein, insgesamt 60 Funkgeräte wurden angeschafft, eine eigene Funkstrecke eingerichtet.
    Gasflaschen dürfen nicht mehr gewechselt werden – sie müssen so gefüllt sein, das es für den Abend ausreicht. Für die Gastrobetriebe gelten künftig genaue Vorschriften, wo sie stehen dürfen und wie groß die Standfläche sein wird.
  • Das Programm: Lisa Jeske ist bei der Stadt für die Schwenninger Kulturnacht verantwortlich. Die Vorbereitungen laufen bislang nach Plan. Die Nachfrage der Bands sei groß gewesen, einigen Absagen hat Jeske erteilen müssen. Es wird wie gewohnt drei Hauptbühnen geben und in zum ersten Mal in diesem Jahr auch eine kleine Bühne für Singer- und Songwriter.
  • Die Fußball-EM: Ein Public-Viewing wird es nicht geben, die Übertragungsrechte sind zu teuer, sagt Jeske und es widerspreche dem Gedanken der Kulturnacht: "Die Leute sollen flanieren." 2015 flanierten rund 20¦000 Besucher. Dieses Jahr, sagt Jeske, könnte die Besucherzahl auch davon abhängen, wie weit Deutschland bei der EM kommt.

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