Wie funktioniert Erste Hilfe eigentlich in Corona-Zeiten, wo der Schutz vor einer möglichen Infektion durch Abstandsregelungen und Mund-Nasen-Bedeckungen schon beinahe obligatorisch ist, sich Körperkontakt mit einer verletzten oder schwer erkrankten Person aber nicht vermeiden lässt? Jens Schwarzwälder, Notfallsanitäter und Ausbildungsleiter beim Deutschen Roten Kreuz, erklärt in unserer losen Serie, wie sich Ersthelfer etwa bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung am besten schützen können. Und dass Nichthelfen auch in Corona-Zeiten keine Option ist.

Rotkreuz-Ausbildungsleiter Jens Schwarzwälder demonstriert an einer Übungspuppe, wie eine Beatmungshilfe angebracht wird.
Rotkreuz-Ausbildungsleiter Jens Schwarzwälder demonstriert an einer Übungspuppe, wie eine Beatmungshilfe angebracht wird. | Bild: Roland Sprich

„Je mehr Angst ich vor einer Ansteckung habe, desto besser muss ich mich schützen“, fasst Jens Schwarzwälder zusammen. Bei vielen Erste-Hilfe-Maßnahmen – etwa beim Anlegen eines Verbandes oder wenn der Patient aufgrund von Bewusstlosigkeit in eine stabile Seitenlage gebracht werden muss – reicht es, einen Mundschutz und Einmalhandschuhe (etwa aus dem Autoverbandskasten) zu tragen.

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Heikel wird die Sache, wenn eine Person einen Kreislaufstillstand erleidet. Dann müssen umgehend Wiederbelebungsmaßnahmen, eine so genannte Reanimation, eingeleitet werden. Diese besteht aus einer Herzdruckmassage und einer Beatmung. Das heißt, der Ersthelfer presst seinen Mund über den Mund beziehungsweise die Nase der zu reanimierenden Person.

Notfalls reicht auch eine Herzdruckmassage

Bei diesem Kontakt besteht das höchstmögliche Risiko, sich anzustecken. Wie Jens Schwarzwälder erklärt, kann zwar „notfalls auf die Beatmung verzichtet und lediglich eine Herzdruckmassage ausgeführt werden.“ Dieses Umwälzen des im Blutkreislauf befindlichen Sauerstoff reiche aus, um die Versorgung der Organe, insbesondere des Gehirns für einige Minuten aufrecht zu erhalten, bis professionelle Hilfe in Form des Rettungsdienstes eintrifft. „Das ist in jedem Fall besser, als gar nicht zu helfen.“

So sieht eine einfache Beatmungshilfe aus, die es bereits für wenige Euro gibt.
So sieht eine einfache Beatmungshilfe aus, die es bereits für wenige Euro gibt. | Bild: Roland Sprich

Um mögliche Bedenken abzufedern und das Risiko abzumildern, sich bei einer Mund-zu-Mund-Beatmung möglicherweise zu infizieren, aber auch um mögliche Scheu oder Ekel zu überwinden, wenn Blut oder Erbrochenes im Gesichtsbereich vorhanden ist, gibt es verschiedene Beatmungstücher und -Masken, die den Ersthelfer bestmöglich schützen sollen.

Etwas professioneller und teurer in der Anschaffung sind solche Beatmungsmasken.
Etwas professioneller und teurer in der Anschaffung sind solche Beatmungsmasken. | Bild: Roland Sprich

Die Anwendung ist einfach: Der zu beatmenden Person wird je nach Ausführung ein Tuch oder eine Folie über den Mund-Nasen-Bereich gelegt, die mittels Gummischlaufen hinter den Ohren des Patienten fixiert wird. Über ein Einwegventil kann Atemluft gespendet werden, ohne die Lippen der zu beatmenden Person zu berühren. Etwas aufwändiger und professioneller sind Gesichtsmasken aus PVC, die, sobald richtig positioniert, das Gesicht hermetisch abdichten und die Luft des Spenders mittels eines Ventils in den Mund-beziehungsweise die Nase des Pateinten leiten.

Bei dieser Ausführung wird die Atemluft des Spenders über ein in der Folie eingearbeitetes Vlies in den Mund gepustet.
Bei dieser Ausführung wird die Atemluft des Spenders über ein in der Folie eingearbeitetes Vlies in den Mund gepustet. | Bild: Roland Sprich

Die Beatmungshilfen gibt es in verschiedenen Ausführungen schon ab wenigen Euros und sind beispielsweise auch als praktische Schlüsselanhänger erhältlich. „So kann man eine Beatmungshilfe immer dabei haben“, sagt Schwarzwälder, der daran appelliert, dass Laienhelfer auch in Corona-Zeiten anderen Personen in einer gesundheitlichen Notlage helfen.

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