Für die Anfänge der 1970er-Jahre, als in St. Georgen nicht nur in der Kernstadt eine rege Bautätigkeit in die Gänge kam, hat Otto Rapp eine eigene Bezeichnung. Er nennt sie die „Beton-Zeit“. Auch auf dem Roßberg wurde 1973 der Mörtel angerührt, als mit den Bauarbeiten für das Bildungszentrum begonnen wurde.

„Die Lage auf dem Berg war sehr gut gewählt“, resümiert Rapp heute. Er ist Zeitzeuge und langjähriges Mitglied beim St. Georgener Verein für Heimatgeschichte. „Das Bildungszentrum ist hier zentral gelegen und auch vom Rupertsberg über den Radweg bequem erreichbar“, erklärt er.

So sieht es heute aus: Die Sporthalle neben dem Bildungszentrum in der Mitte und der Stadthalle rechts oben.
So sieht es heute aus: Die Sporthalle neben dem Bildungszentrum in der Mitte und der Stadthalle rechts oben. | Bild: Werner Müller

Die Zentralisierung auf dem Roßberg stand damals im krassen Gegensatz zur Bildungslandschaft, wie sie vorher in der Bergstadt herrschte. Die Kaufmännische Schule ebenso wie das Progymnasium und die Realschule in der Robert-Gerwig-Schule waren über die ganze Stadt verteilt und hatten mit Platznöten zu kämpfen.

Zentralisierung auf der Roßberghöhe bewährt sich

Das lag auch daran, betont Rapp, dass in jener Zeit nicht nur massiv gebaut wurde, sondern auch die Bevölkerung mit insgesamt fast 16 000 Einwohnern ihren Höchststand erreichte. Während aber andernorts Schulen wegen der inzwischen wieder rückläufigen Kinder- und Einwohnerzahlen wieder geschlossen werden mussten, habe sich das Bildungszentrum bis heute bewährt, so Rapp.

Ins Schwärmen gerät er deswegen aber noch lange nicht, dazu stößt er sich zu sehr am Äußeren des Zentrums, wie auch der benachbarten Stadthalle und des Hallenbads. „Aber was will man machen? Das war der Stil der damaligen Zeit. Solche Gebäude wurden in ganz Deutschland auch in den Fußgängerzonen gebaut“, sagt Rapp.

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Nichtsdestotrotz sei die Stimmung in der Bevölkerung sehr gut gewesen, als kurz vor Weihnachten 1975 das Bildungszentrum eingeweiht wurde. Das lag auch an der Planung mit den Sportanlagen gleich nebenan: „Etwa ein Hallenbad war damals für eine Stadt in der Größe von St. Georgen ein Novum – und das wussten die Leute zu schätzen.“

Einer, der sich noch sehr gut an die Bauprojekte der 70er-Jahre erinnern kann, ist Altbürgermeister Günter Lauffer. Auch er findet sie allerdings architektonisch, das betont er, nicht besonders schön. „Ich habe mich damals stark dagegen gewehrt“, sagt er. Seine Lieblingsvariante, die auch von der Expertenjury ausgewählt worden war, hätte weit mehr alte Gebäude erhalten. Es kam anders. Demokratische Mehrheiten, das müsse man akzeptieren.

Zur Eröffnung im Dezember 1975 veröffentlichte der SÜDKURIER eine Sonderbeilage.
Zur Eröffnung im Dezember 1975 veröffentlichte der SÜDKURIER eine Sonderbeilage. | Bild: Rolf Hohl

„Stolz“, so sagt Lauffer, sei er aber darauf, dass in seiner Amtszeit ein sehr wichtiger Baustein für eine moderne Schullandschaft gelegt wurde. „Es ist heute noch anerkannt, dass es damals eine richtige Entscheidung war, das Bildungszentrum, die Stadthalle und das Hallenbad auf dem Roßberg zu bauen.“ Und das, obwohl das Projekt und die Entscheidung für den Standort am höchsten Punkt der Stadt damals nicht ganz unumstritten waren.

Anstehende Stadtkernsanierung und marode Schullandschaft

Die Stadt stand damals in den 70er-Jahren vor einer ganz ähnlichen Situation wie heute: eine kostspielige Stadtkernsanierung und eine marode Schullandschaft, die jeweils hohe Millionenbeträge kosten werden. „Durch erhebliche Zuschüsse ist es damals gelungen, diese Projekte umzusetzen“, sagt Lauffer.

Für ihn, der zuvor Richter am Amtsgericht war, sind es Meilensteine wie diese, die ihn sagen lassen, dass er sehr gerne auf die Zeit als Bürgermeister zurückblickt. Das sei viel abwechslungsreicher gewesen als die Tätigkeit im Justizwesen, sagt Lauffer. „Ich wollte mich nicht die ganze Zeit mit den negativen Seiten des Lebens befassen.“

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Chronik eines wegweisenden Projekts

Der Ablauf des Baus des Bildungszentrums auf der Roßberghöhe. Es war eines der teuersten und größten Bauvorhaben in der Stadtgeschichte:

  • 25. Mai 1971: Der Gemeinderat St. Georgen entscheidet sich für die Roßberghöhe als Standort für das Bildungszentrum.
  • 27. Januar 1972: Der Konstanzer Architekt Georg Birkle gewinnt den Wettbewerb mit seinen Entwürfen für den Gebäudekomplex und beginnt mit der Planung.
  • 21. Juni 1972: Der Gemeinderat entscheidet sich für eine separate Veranstaltungshalle, die heutige Stadthalle, beim Bildungszentrum.
  • 19. Juli 1972: Der Gemeinderat beschließt einstimmig die Grundplanung für das Bildungszentrum.
  • 3. Juli 1973: Die Erdarbeiten für das Bildungszentrum auf dem Roßberg beginnen.
  • 4. März 1974: Der zweite Bauabschnitt des Bildungszentrums mit der benachbarten Großsporthalle beginnt.
  • 3. Mai 1974: Es wird das Richtfest für den ersten Abschnitt des Bildungszentrums gefeiert, der Schultrakt ist damit im Rohbau fertiggestellt.
  • 14. August 1974: Der Gemeinderat beschließt, dass auch die Wirtschaftsschule im neuen Bildungszentrum untergebracht werden wird.
  • 4. September 1974: Der geänderte Entwurf für die Veranstaltungshalle wird vom Gemeinderat angenommen.
  • 13. Februar 1975: Der Gemeinderat vergibt für 1,7 Millionen D-Mark Arbeiten für das Bildungszentrum.
  • 3. Mai 1975: Eltern der Gymnasiumsschüler stiften ein Turmuhrwerk für das Innere des neuen Bildungszentrums.
  • 18. August 1975: Der Schultrakt des Bildungszentrums nimmt seinen Betrieb auf.
  • 20. Dezember 1975: Der nun ebenfalls fertiggestellte Sportteil wird mit einer großen Feier offiziell eingeweiht.