Vertriebsleiter Christian Saur sitzt an einem sonnigen Novembernachmittag im großzügigen Besprechungsraum der Werner Wohnbau Firmenzentrale in Niedereschach und fragt: „Wissen Sie, wie man einen Salamander fängt?“ Er weiß es. „Man stellt einen Plastikzaun auf und jeden Meter einen Eimer.“ Da fallen die Tiere dann rein. Und einmal die Woche kommt jemand vom Landratsamt und sammelt sie ein – wenn denn überhaupt welche drin sind.

Plötzlicher Baustopp möglich

Wahrscheinlich wäre es Saur lieber, er wüsste es nicht. Denn dann hätte er nicht miterleben müssen, wie sie nach monate- oder jahrelanger Planung mit der Baugenehmigung in der Hand und dem Bagger in den Startlöchern irgendwo in Deutschland stehen. Und dann kommt jemand von der Unteren Naturschutzbehörde vorbei und sagt: Hier könnte noch eine Fledermaus oder ein Salamander sein. Baustopp, Verzögerung, Mehrkosten.

Unverhältnismäßigkeit ärgert

Saur ärgert sich nicht über die Tiere. Die leben da nun mal. „Wir wollen keine Tiere töten oder den Lebensraum zerstören“, sagt Saur. Was ihn ärgert, ist die Unverhältnismäßigkeit. Warum nicht früher? Warum so kurz bevor es losgehen soll? Er wird es nicht ändern können. Das weiß er nur zu gut.

Der Hauspreis, oder: Lage, Lage, Bauantrag

Seit knapp 30 Jahren ist Christian Saur jetzt schon bei Werner Wohnbau – ein Bauträger mit Sitz in Niedereschach, spezialisiert auf Reihenhäuser. Sie bauen in ganz Deutschland: in Bräunlingen genauso wie im Nobelviertel in Hamburg.

Steigerung um 15 Prozent in einem Jahr

Saur war dabei, als sie 2008 die ersten Reihenhäuser in Niedereschach verkauft haben. Kaufpreis damals: 200.000 Euro. Da muss Sauer selbst fast schon ein bisschen lachen. „Heute könnten Sie das Haus locker für das Doppelte verkaufen.“

„Der Kaufpreis ist heute zwar höher, letztendlich stellen Sie sich aber, aufgrund der niedrigen Zinsen, besser als früher.“
Christian Saur, Werner Wohnbau

War früher also alles besser? Nein. „Der Kaufpreis ist heute zwar höher, letztendlich stellen Sie sich aber, aufgrund der niedrigen Zinsen, besser als früher.“ Etwa 400 Häuser verkaufen sie im Jahr. 2020 haben sie ein Haus noch für im Schnitt 475.000 Euro verkauft. Dieses Jahr sind es schon 550.000 Euro. Das entspricht einer Steigerung von rund 15 Prozent.

Modell einer Wohnanlage im bayerischen Memmingen.
Modell einer Wohnanlage im bayerischen Memmingen. | Bild: Anja Ganter

„Die Preissteigerung ist extrem“, sagt Saur. Das hat nicht zuletzt mit den Lagen zu tun. Denn: Das Haus selbst kostet immer gleich. Die Grundstückspreise, die Kosten für die Bauanträge, die Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, all das variiert von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt und im Zweifel auch von Straße zu Straße. In Hamburg kostet das Reihenhaus 850.000 Euro. In Villingen 440.000 Euro. Ohne Maler- und Bodenarbeiten, ohne Garage und ohne Keller, versteht sich.

Die Käufer, oder: Darmstadt ist nicht Bräunlingen

„Die Schicht der Hauskäufer hat sich nur wenig verändert“, sagt Saur. Wer sich in Hamburg, Frankfurt oder München ein Haus für eine Million kauft, der ist in der Regel Arzt, Unternehmer, Jurist. In Bräunlingen hingegen verkaufen sie ihre Häuser zu 70 Prozent an junge Familien.

Zwischen sechs und neun Monaten dauert es im Schnitt, bis die Häuser verkauft sind. Wohlgemerkt im Schnitt. In Darmstadt hatten sie jüngst acht Häuser zum Verkauf. 200 Anfragen bekamen sie innerhalb weniger Tage. Innerhalb von vier Wochen war alles verkauft. „Da stand noch nicht mal ein Bauschild“, sagt Saur. In Bräunlingen kann es auch schon mal ein Jahr dauern, bis alles verkauft ist.

Die Hürden, oder: Es geht nicht ohne die Kommunen

Wie könnte denn der Markt ein wenig entspannter werden, Herr Saur? Oder wollen Sie das nicht, weil es am Ende nicht gut fürs Geschäft wäre? Er lacht. Im Gegenteil, sagt er. „Wir würden uns freuen, wenn der Markt entspannter wäre.“

Wie das geht? Mehr bauen. Woran das scheitert? An zu wenig Personal bei den Behörden, zu komplizierten Verfahren – jedes Bundesland beispielsweise hat eine andere Bauordnung. Und auch daran, dass sich Landkreise und Kommunen zu wenig aktiv einbringen.

Ein Beispiel: Jüngst hatten sie ein Projekt, bei dem die Gemeinde den Kaufpreis der Häuser auf 399.000 Euro gedeckelt hatte. Jeder Bauträger konnte bieten, wie viel er dann noch für das Grundstück zahlen kann. Der Höchstbietende gewann. In dem Fall Werner Wohnbau. Von solchen Ideen bräuchte es mehr, findet Saur.

Der Hauptsitz der Firma Werner Wohnbau in Niedereschach. Insgesamt hat das Unternehmen Standorte deutschlandweit und 160 Beschäftigte.
Der Hauptsitz der Firma Werner Wohnbau in Niedereschach. Insgesamt hat das Unternehmen Standorte deutschlandweit und 160 Beschäftigte. | Bild: Anja Ganter

Die Preisentwicklung, oder: wo ist Schluss?

Und werden die Preise noch weiter steigen? „Ja“, sagt Saur. Jedenfalls in bestimmten Regionen. Denn: In den Ballungsräumen gehen die Preise bereits langsam wieder zurück – oder steigen zumindest nicht mehr. Anders in den ländlichen Gegenden. „Da explodieren die Preise“, sagt Saur. Auch in Villingen kann er das beobachten.

„Der Handwerksberuf war lange nicht anerkannt, dabei von so großer Bedeutung.“
Christian Saur, Werner Wohnbau

Lohnt es sich dann jetzt überhaupt noch, ein Eigenheim zu kaufen? „Auf jeden Fall“, sagt Saur ohne zu zögern. Auch wenn es nicht Werner Wohnbau ist? Saur lacht. „Das ist ganz egal, wer der Bauträger ist.“ „Solange die Zinsen unten sind, kann ich nur jedem raten, jetzt zu kaufen.“ Und wie ist das Ganze noch bezahlbar? „In ländliche Gegenden gehen und in jungen Jahren kaufen“, sagt Saur.

Die Handwerker, oder: hier fehlt‘s

47 Bauprojekte laufen aktuell parallel. Über 1000 Handwerker arbeiten auf all ihren Baustellen. Vor allem im Bereich Sanitär, Lüftung und Heizung fehlen ihnen Leute. „Der Handwerksberuf war lange nicht anerkannt, dabei von so großer Bedeutung“, sagt Saur.

Von den Materialengpässen waren auch sie betroffen. Nie so, als dass der letztmögliche Fertigstellungstermin nicht gehalten werden konnte. Aber schon so, dass es mal sechs Monate länger dauern konnte. Dämmstoffe konnten zum Beispiel nicht geliefert werden. „Das war ein riesen Problem“, sagt Saur. Nicht zuletzt, weil so eine Verzögerung immer auch Geld kostet.

Die Klimapolitik, oder: es wird immer teurer

Apropos Geld kosten. Ob er Angst hat vor einer Grünen-Regierung? „Angst habe ich keine“, sagt Saur. Den Mehrpreis bezahlt am Ende nicht der Bauträger. Den bezahlt der Kunde. Etwa 15.000 Euro wird das Haus teurer mit Solaranlage, die ab Mitte kommenden Jahres Pflicht wird. Kommt noch ein KfW-40Plus-Standard dazu, der einzige, der in Zukunft noch gefördert wird, kostet das Haus am Ende rund 50.000 Euro mehr. Saur zuckt mit den Schultern. Er kann es nicht ändern. Wie so vieles.