Die Schulen im ganzen Land sind geschlossen, doch der Unterricht geht weiter. Die Zinzendorfschulen waren auf die Umstellung gut vorbereitet: Sie arbeiten bereits im zweiten Jahr mit Office 365, das zur digitalen Teamarbeit, für Chats und Videoanrufe eingesetzt werden kann. Die Schüler haben alle ein eigenes Konto, sodass beinahe nahtlos auf digitalen Unterricht umgestellt werden konnte. Über das Office-365-Programm Teams, das auch viele Unternehmen für das Home-Office nutzen, sind die Schüler mit ihren Lehrern und Mitschülern verbunden. „Es ist die einfachste und unkomplizierteste Lösung“, meint Philipp Hudek, der an den Zinzendorfschulen für die Digitalisierung verantwortlich ist. „Es klappt gut und wir bekommen viele positive Rückmeldungen auch von den Eltern.“

Wo sich sonst den ganzen Tag in den Pausen junge Menschen tummeln, herrscht gähnende Leere.
Wo sich sonst den ganzen Tag in den Pausen junge Menschen tummeln, herrscht gähnende Leere. | Bild: Zinzendorfschulen

Insgesamt gibt es 465 Teams

Bereits am Donnerstag vor der Schulschließung gab es eine Dienstbesprechung, sodass die Lehrer ihren Schülern am Freitag noch einmal erklären konnten, wie sie sich in Teams einloggen und ihnen sagten, dass sie vorsichtshalber ihre Bücher mitnehmen sollten. Es wurde pro Fach und Klasse jeweils ein Team gebildet. Insgesamt gibt es an den Zinzendorfschulen 465 Teams. Alle Lehrer haben sich schnell eingearbeitet. „Besonders schön finde ich, dass sich auch die Kollegen, die kurz vor der Pensionierung stehen, richtig reinhängen“, so Hudek. Natürlich fehle die soziale Komponente, denn „deswegen sind wir ja Lehrer geworden. Ich verbringe gerade viel Zeit am Schreibtisch. Aber nachher werde ich die Klassenlehrerstunde in der 7. Klasse als Video-Konferenz abhalten.“

Bei schönem Wetter können die Schüler auch im Freien lernen, sofern sie Abstand halten.
Bei schönem Wetter können die Schüler auch im Freien lernen, sofern sie Abstand halten. | Bild: Zinzendorfschulen

Hoher Korrekturaufwand und andere Unterrichtsplanung

Die Möglichkeit, die Aufgaben im Heft zu lösen und ein Foto zu schicken, wird vor allem in der Unterstufe genutzt. In den höheren Klassen erledigen die Schüler ihre Aufgaben meist direkt in Word. Der Korrekturaufwand ist enorm: „Die Nachbereitung einer Unterrichtsstunde dauert genauso lange wie die Vorbereitung.“ Der Unterricht muss anders geplant werden, und das nicht nur in den Hauptfächern. „Auch Sportlehrer stellen zum Teil Aufgaben oder geben ihrer Klasse Ernährungstipps.“

7314 Chat-Nachrichten an einem Tag

Die Schüler können ihre Fragen entweder der Lehrkraft direkt in einer Chat-Nachricht oder in der Öffentlichkeit ihres Teams als Kanal-Nachricht stellen – eine Möglichkeit, die sie rege nutzen. Am 17. März beispielsweise wurden in den Teams der Zinzendorfschulen 7314 Chat-Nachrichten und 1531 Kanal-Nachrichten verschickt.

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Aufgaben über das Handy erledigen

Philipp Hudek hat festgestellt, dass es in vielen Familien nur einen PC oder Laptop gibt. „Wenn die Eltern den selbst benötigen, um im Home-Office zu arbeiten, dann erledigen viele Kinder ihre Aufgaben per Handy.“ Das funktioniert, denn für Android- und IOS-Systeme gibt es Teams auch als App. Allerdings erfordert auch das von den Lehrern ein Umdenken: „Weil ich in der Statistik gesehen habe, dass 70 Prozent der Schüler ihre Aufgaben vom Tablet oder dem Smartphone erstellen, muss ich die Arbeitsblätter so gestalten, dass sie auch gut vom Handy aus zu lesen sind.“

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Schüler brauchen Disziplin

Auch für die Schüler ist es eine ganz neue Erfahrung. Die Zehntklässlerin Katharina Hattler berichtet darüber in einem Blog, der auf der Website der Zinzendorfschulen zu lesen ist. „Die Bearbeitungszeit der einzelnen Aufgaben waren ungefähr so lang wie eine Unterrichtsstunde plus Hausaufgaben“, schrieb sie am ersten Tag. „Es war heute eine ganz andere Lernatmosphäre als normalerweise. Es forderte mir sehr viel Disziplin ab, die ganze Zeit konzentriert an den Aufgaben zu bleiben. Ich muss mich noch daran gewöhnen.“ Am zweiten Tag stellte sich bei ihr eine gewisse Routine ein. Seit Mittwoch vermisst sie die Schule. „Ich bin ja Einzelkind und habe sonst von morgens, wenn ich in den Bus steige, bis abends Gesellschaft. Dafür telefoniere ich zurzeit viel mit meinen Freundinnen und Freunden, außerdem lege ich Puzzles.“ Ihr Fazit nach fünf Tagen: „Die erste Woche ist überstanden. Das Arbeiten mit Teams ist mir von Tag zu Tag leichter gefallen.“