130 Jahre sind vergangen, seit am 20. Mai 1890 die feierliche Einweihung der strategischen Bahn Immendingen-Waldshut im Streckenabschnitt bis Weizen stattfand. Bereits vor der offiziellen Eröffnung informierte sich der Großherzog von Baden, Friedrich I., im Juli 1889 über die neue Bahnstrecke.

Die an der Bahnlinie liegenden Orte, so auch Immendingen, boten ihm einen herzlichen Empfang. Im „Höhgauer Erzähler“, dem Amtsblatt des ehemaligen Bezirksamtes Engen, ist über das Ereignis überliefert, dass der Großherzog mit Gefolge kurz nach 18 Uhr unter den begeisterten Hochrufen der Versammelten, Glockengeläute, Böllerschüssen, Salven und Klängen der örtlichen Musikkapelle in Immendingen eintraf.

Triumphbögen und ein herzlicher Empfang

Am Eingang des Ortes war ein Triumphbogen mit Willkommensgruß errichtet. Längs der Bahnhofstraße bildeten der Krieger-, Gesang- und Turnverein sowie die Schuljugend ein Spalier. Den Eingang dieser Straße zierte ebenfalls ein Triumphbogen. Bei diesem verließ seine Königliche Hoheit den Wagen. Bürgermeister Heizmann hieß den Landesfürsten herzlich willkommen. Hierauf wurden die einzelnen Gemeinderatsmitglieder, der Ortsgeistliche sowie der evangelische Pfarrer von Tuttlingen vorgestellt.

Alsdann wandte sich der Regent an den Dirigenten der Musikkapelle, begrüßte den Arzt Dr. Steger und schritt an den spalierbildenden Vereinen entlang. Der Gemeindebehörde und den einzelnen Vereinsvorständen gegenüber drückte der Großherzog in warmen Worten seinen Dank für den herzlichen Empfang aus.

Gesang- und Musikverein unterhalten Gäste

Recht geschmackvoll war der Bahnhof dekoriert. Rings von Tannenbäumen umgeben, prangte das Gebäude in reichstem Flaggenschmuck. In der Bahnrestauration war für seine Königliche Hoheit und dessen Begleitung ein Essen bestellt. Der Oberamtmann Dr. Grems (Anmerkung: heute Landrat) wurde von seiner Königlichen Hoheit ebenfalls zu dem Essen geladen.

Der Wartesaal und die Restaurationen 1. und 2. Klasse, in dessen Räumen die Tafel gedeckt war, hatte durch den Kunstsinn des Gärtners Mohr von Engen eine prachtvolle Ausstattung erhalten. Während der Tafel trugen auf dem Peron (Bahnsteig) der Gesang- und Musikverein abwechselnd Stücke vor. Unter nicht enden wollenden Hochrufen der dicht gedrängt stehenden Menge fuhr seine königliche Hoheit mit dem Zug um 19.20 Uhr nach Karlsruhe ab.

„Uns kann nur retten die Sauschwänzle-Bahn“

In seinem letzten Streckenabschnitt von Weizen nach Hintschingen konnte der Bau der Bahn in nur zwei Jahren abgeschlossen werden. Ein Dichter reimte die Beweggründe für den Bahnbau so: „Kaum war der 70er-Krieg vorbei, fürchtete Bismarck französisches Blei, weil er den Elsass einstens klaute, er dem Nachbarn nicht mehr traute und wegen Rache der Franzosen sich beinahe machte in die Hosen, bis ihm mal der Gedanke kam: uns kann nur retten die Sauschwänzle-Bahn“.

In Zeiten größter Bautätigkeit waren 6500 ausländische Arbeiter, von denen viele aus Italien, Ungarn, Österreich und der Schweiz kamen, beschäftigt. Es kam mehrfach zu Unfällen, wodurch das Krankenhaus Stühlingen so überlastet war, dass es keine Verletzten mehr aufnehmen konnte.

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Es wurde deshalb in Immendingen im Armenhaus, dem einst gegenüber dem heutigen Kindergarten gestandenen Gebäude ein Krankenhaus eingerichtet. Der behandelnde Arzt erhielt aus der Gemeindekasse halbjährlich eine Vergütung von 300 Mark und 200 Mark Wohngeld. Der Tagessatz im Krankenhaus belief sich auf 60 Pfennig.

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