Den Gespannfahrern mit ihren Vierspännern bei ihrer Arbeit im Schlosspark zuzuschauen, ist eine Leidenschaft für Frühaufsteher. Stunden bevor sich das Reitstadion füllte, pilgerten am Sasmstagmorgen ganze Ströme von Besuchern mit Kind, Kamera und Hund in Richtung der begehrtesten Hindernisse.

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Der Magnet war, wie in den Vorjahren zweifelsohne die Wasserdurchfahrt durch die Brigach. Gerade im Bereich der Ausfahrt standen die Zuschauer dicht an dicht und belohnten mit Beifall und aufmunternden Zurufen die rasante Fahrt durch die gut einen halben Meter tiefe Brigach. Wobei es den 41 teilnehmenden Gespannen in diesem Jahr nicht darum ging, möglichst schnell durch die Brigach zu breschen.

Die Brigachdurchfahrt ist einmal mehr der wichtigste Zuschauer-Anziehungspunkt beim Marathon der Gespannfahrer.
Die Brigachdurchfahrt ist einmal mehr der wichtigste Zuschauer-Anziehungspunkt beim Marathon der Gespannfahrer. | Bild: Wursthorn, Jens

Im EM-Jahr war am Samstagmorgen vieles anders. Die Brigachdurchfahrt lief als Hindernis außerhalb der Zeitwertung. So konnten die Zuschauer – etwa im kurzen oder im langen Bogen bei der Ausfahrt – ganz verschiedene Taktiken beobachten.

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Für Irritationen sorgte der gegenüber den Vorjahren geänderte Streckenverlauf, der so hieß es aus Helferkreisen, zudem vier Gespanne gleichzeitig auf die Strecke brachte. Für die Sicherung der Hindernisse waren etwa 50 Angehörige der Donaueschinger Feuerwehr – Abteilung Stadt und Ortsteilwehren – zuständig.

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Im Fünfminutentakt galt es für diese Teams, die Zuschauer mit Rufen, Pfeife oder energischen Gesten hinter die Absperrungen zu drängen. Was an den Hindernissen selbst, wie jedes Jahr, ohne brenzlige Situationen funktionierte, gestaltete sich zu Beginn der Veranstaltung rund 50 Meter nach der Brigach-Ausfahrt im vermeintlich freien Gelände kritisch.

 

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Ob sich dort nun Besucher mutwillig nicht um die Absperrungen kümmerten, oder der Verlauf der Schutzvorrichtungen nicht schlüssig erkennbar war, wird sich zeigen müssen: Tatsache war jedoch, dass sich Zuschauer auf der Gespannstrecke befanden.

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Ein Security-Mitarbeiter und ein Polizist verhängten daraufhin strengere Absperrungen und drängten das Publikum immer weiter hinter die orangen Schutzzäune zurück. Er sei von außen auf die gefährliche Situation hingewiesen worden. Es hätte schon zwei Beinahe-Unfälle zwischen Passanten und Gespannen gegeben, ordnete der Security-Mann in gelber Weste sein zügiges Eingreifen ein, das seitens mancher Feuerwehraktiver ruppig daher kam.

Gelände-/Marathonfahrt für Vierspänner-Pferde beim Reitturnier Donaueschingen 2019
Gelände-/Marathonfahrt für Vierspänner-Pferde beim Reitturnier Donaueschingen 2019 | Bild: Wursthorn, Jens

Dabei beharrten die freiwilligen Reitturnierhelfer gegenüber dem bezahlten Sicherheitsmann auf ihren vom Einsatzleiter definerten Aufgaben: Eben die Betreuung der Hindernisse mit Zeitnahme und zeitweiligen Sperrungen, aber nicht die Steuerung der Besucherströme.

So ist es richtig: Zuschauer verfolgen den Wettbewerb hinter dem Absperrzaun.
So ist es richtig: Zuschauer verfolgen den Wettbewerb hinter dem Absperrzaun. | Bild: Wursthorn, Jens

Mitbekommen hat die kurzzeitig etwas hitzige Kontroverse auch der Amtsleiter Öffentliche Ordnung, Andreas Dereck. Die neue Streckenführung samt zusätzlichem Hindernis dürfte in der Nachbesprechung sicher ein Thema sein, meinte er.

Gegen Mittag füllt sich die „Allee“ mit den Ständen.
Gegen Mittag füllt sich die „Allee“ mit den Ständen. | Bild: Wursthorn, Jens

 

Rundum erfreulich dabei die eigentlich wichtigere, die sportliche Komponete. Das EM-Ranking ist nach der zweiten Teilprüfung nochmals durcheinander gewirbelt worden. Das deutsche Trio mit Georg von Stein (Modautal), Michael Brauchle (Aalen) und Anna Sandmann (Laehden) lag nun vor der dritten und letzten Teilprüfung in der Nationenwertung vor Belgien, Frankreich und den Niederlanden auf Goldkurs.

In der Einzelwertung führt Bram Chardon aus der Niederlanden vor Benjamin Allaud aus Frankreich. Auf den Rängen fünf und sechs folgen die besten deutschen Gespannfahrer Michale Brauchle aus Aalen und Anna Sandmann aus Laehden. Die dritte und entscheidende Konkurrenz, das Hindernisfahren, beginnt am Sonntag um 8.30 Uhr.

Während sich der Schlosspark nach der Konkurrenz zügig leerte, konzentrierte sich das Besucherinteresse mehr und mehr auf die Springprüfungen im Stadion und das quirlig-geschäftige Durcheinander neben- und hinter dem Tribünengebäude. Das Flanieren zwischen den Ständen, ein Schwätzchen hier, ein Hallo dort und natürlich die kurzen Wege, dem Hunger auf exotischste Weise nachkommen zu können, gehörten zu den Annehmlichkeiten des Samstagnachmittags.

 

 

Manche reisen mit eigenen Pferden an, andere mit dem eigenen Stuhl.
Manche reisen mit eigenen Pferden an, andere mit dem eigenen Stuhl. | Bild: Wursthorn, Jens

Das schöne Wetter nutzend, tummelten sich während der Sprungwettbewerbe viele Besucher auf der Gegentribüne. Angenehmerweise beschränkte sich der Himmel auf mitunter dunkle Wolken. Es blieb trocken.

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Von der Gegentribüne aus hat man die Springprüfungen gut im Auge.
Von der Gegentribüne aus hat man die Springprüfungen gut im Auge. | Bild: Wursthorn, Jens

Am Ende dieses „langen Samstags“ sprach der Veranstalter Escon in einer Pressesmitteilung von einem hochspannenden Tag. Rund 19 000 Zuschauer habe allein allein dieser Tag mit Fahrsport, Springen und Dressur angezogen.