Es ist früh morgens vor der Eichendorffschule. Noch ist hier alles ruhig, doch in wenigen Minuten wird das Chaos ausbrechen. Dann nämlich, wenn die Elterntaxis angefahren kommen, um ihre Kinder hier aussteigen lassen. Gemeinsam mit den Strömen an Kindern und Jugendlichen, die dann dort unterwegs sind, und den Bussen, die hier auch durch müssen, entsteht eine unübersichtliche Situation. Und dadurch wird es gefährlich. Hat der Unterricht begonnen, ist alles wieder vorbei.

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Ein ungutes Gefühl

Das stört viele Eltern der Schule, deren Kinder ihren Weg dorthin meist alleine auf sich nehmen. So auch Silke Vosseler. Ihr siebenjähriger Sohn Mathis geht in die zweite Klasse. Wenn er sich morgens auf den Weg zur Schule macht, dann herrscht bei Silke Vosseler immer ein ungutes Gefühl. Sie ist berufstätig und kann Mathis daher nicht immer selbst hinbringen. „Vor der Schule passieren im Verkehr die wildesten Sachen“, erklärt sie. „Autos halten auf dem Zebrastreifen, müssen auf den Gehweg ausweichen, der Bus kommt nicht mehr durch und die ganze Straße wird verstopft.“ Am Donnerstagmorgen bleibt auch ein Rettungswagen mit Blaulicht stecken. Die Autos können nicht ausweichen. Sie stehen teilweise in den Buchten für die Busse. Es wird gehupt und auch geschrien.

Silke Vosselers Sohn Mathis besucht die zweite Klasse der Eichendorffschule. Für die Mutter ist die morgendliche Situation vor der Schule nicht mehr tragbar. Ein sicherer Schulweg sei so nicht mehr gewährleistet.
Silke Vosselers Sohn Mathis besucht die zweite Klasse der Eichendorffschule. Für die Mutter ist die morgendliche Situation vor der Schule nicht mehr tragbar. Ein sicherer Schulweg sei so nicht mehr gewährleistet. | Bild: Simon, Guy

„Nur schnell aussteigen“

„Ich habe auch schon Leute angesprochen“, sagt Vosseler. Zur Antwort habe sie dann bekommen, dass man nur schnell halten wolle und gleich wieder fort sei. „Laut ADAC sind Kinder erst mit neun Jahren auch verkehrsreif. Sie sind nicht in der Lage, mit einer verschärften Situation wie vor der Eichendorffschule umzugehen“, sagt die Mutter. Und das Risiko sei hier gewaltig. Einer der größeren Anwohner-Parkplätze werde als Wendeplatte benutzt, der Gehweg als Ausweichfläche. Staut sich der Verkehr, dann werden auch jene Autofahrer nervös, die den Weg nur passieren wollen. Da wird dann eben mal am Bus vorbeigezogen. Autos halten auf Zebrastreifen und gegen die Fahrtrichtung. Schüler werden in Richtung der Straße aus dem Fahrzeug gelassen. Die vorgegebenen zehn Kilometer pro Stunde fahre hier morgens keiner.

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Vieles schon versucht

Seitens der Schule habe man hier schon etliche Methoden versucht: Schülerlotsen, Lehrer, die aufpassen. Aus Vosselers Sicht habe hier jedoch die Stadt die Verantwortung, dass sich etwas tue. „Ich habe das schon an vielen Stellen besprochen und alle sehen das gleich“, sagt sie. Sie habe sich die Situation etwa eineinhalb Jahre angeschaut, wolle jetzt aber darauf aufmerksam machen: „Es stört viele Eltern, das hört man immer wieder. Wenn ihre Kinder dann aber auf die weiterführende Schule gehen, ist das für sie erledigt. Aber das Problem bleibt.“

Was dagegen unternehmen?

Eine Unterschriftenliste zu starten hält Vosseler nicht für sinnvoll: „Was hilft das? Das Problem ist bekannt und die Dringlichkeit spricht für sich.“ Sie könnte sich auch eine radikale Lösung vorstellen, zumindest zur Probe: „Ich weiß nicht was der Nachteil ist, wenn dort verkehrstechnisch eingegriffen wird“, sagt Vosseler. Vielleicht in der Form einer Einbahnstraße? Oder einer starken Kontrolle durch die Behörden über einen bestimmten Zeitraum? „Ich habe keine Lösung, aber das liegt auch nicht in meiner Verantwortung. Aber es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt sie. Bei der Polizei habe sie auch schon gemeldet, dass haltende Autos den Bus blockieren: „Das wurde allerdings halbherzig entgegengenommen, war mein Eindruck.“ Wie Vosseler findet, gehe es doch darum, den Fußverkehr zu stärken, auch jenen mit dem Fahrrad. Mit dem Rad darf ihr Sohn allerdings nur außerhalb der Stoßzeiten zur Schule.

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Das sagt die Stadt dazu

Das Problem, nicht nur vor der Eichendorffschule, ist der Stadtverwaltung durchaus bekannt, erklärt Beatrix Grüninger von der städtischen Pressestelle. Man habe bereits Halteverbotsschilder aufgestellt und Bedienstete des Gemeindevollzugsdienstes seien regelmäßig vor Ort. „Darüber hinaus hat das Amt für Öffentliche Ordnung aktuell Lösungsvorschläge erarbeitet, die es nun gilt, bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin mit der Schulleitung, den Elternvertretern, der Polizei, dem Gemeindevollzugsdienst und dem Straßenbauträger zu besprechen“, sagt Grüninger. Dabei soll etwa die Möglichkeit einer Elternhaltestelle erörtert werden. Dabei müssen jedoch Punkte berücksichtigt werden, wie etwa die Bemessung des Stellplatzbedarfs, die Abstimmung mit allen örtlichen Behörden sowie ein sicherer und komfortabler Weg von der Elternhaltestelle zur Schule.