Beim Blumberger Einzelhandel herrscht Freude und Erleichterung. Seit Montag dürfen die Geschäfte wieder öffnen, und es herrschte auch gleich wieder Kundenbetrieb. Viele Kunden seien aber noch verunsichert, was sie nun erlaubt sei und was nicht, hieß es.

Stimmung unterschiedlich

Die Stimmung ist gleichwohl unterschiedlich. „Was soll ich sagen, nach zwei Monaten und drei Wochen Schließung“, erklärte Birgit Greitmann, Inhaberin des Schuhhauses Greitmann. Sie zweifelt inzwischen an vielem. Im Herbst habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, wenn er gewusst hätte, wie sich alles entwickle, hätte er die Geschäfte im Frühjahr 2020 nicht geschlossen. „Und dann machen sie grad wieder alles zu“, schimpft Birgit Greitmann.

Birgit Greitmann vom Schuhhaus Greitmann hofft auf Kunden: Damit das älteste Einzelhandelsgeschäft in Blumberg weiter existieren kann.
Birgit Greitmann vom Schuhhaus Greitmann hofft auf Kunden: Damit das älteste Einzelhandelsgeschäft in Blumberg weiter existieren kann. | Bild: Lutz, Bernhard

Auch der jetzige Informations-Ablauf war für sie unbefriedigend. Am Mittwochabend habe Bundeskanzlerin Angela Merkel angedeutet, dass der Einzelhandel wohl öffnen dürfe. „Und dann brauchen sie bis Sonntagmittag, bis man Rechtssicherheit hat.“ Sie benötige ja auch ein bisschen Zeit, um die Öffnung vorzubereiten. Nun hofft sie, „dass wir weiter geöffnet haben dürfen“ und dass die Infektionszahlen niedrig bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Die ersten Kunden hatte sie gestern Vormittag schon. Wichtig ist ihr, dass die Kunden weiter kommen, „dass ich etwas verkaufen kann, damit ich existieren kann.“ Nach Aussage von Birgit Greitmann ist das 1862 gegründete Schuhhaus Greitmann das älteste Einzelhandelsgeschäft in Blumberg.

Eine große Bitte

Am Herzen liegt ihr noch eines: Wenn die Leute krank seien und Schnupfen oder Husten hätten, sollten sie nicht mehr zum Einkaufen gehen. Und wenn ihre Kinder husteten, sollten sie sie nicht in die Schule schicken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kerstin Metzger vom Wäschegeschäft Popcorn stahlt: „Ich freue mich, heute wieder zu öffnen.“ Es sei aber auch Zeit, fügt sie hinzu. Dass sie aufmachen dürfe, habe sie gewusst, unklar war nur, ob mit Termin oder ohne Termin. Sie habe für alle Fälle schon Termine vereinbart. Sie habe zwei geschlossene Kabinen, wo sich die Kunden nicht zu nahe kämen und die Geschäftstüre oft offen. Metzger bietet beides an, Einkäufe mit und ohne Termin. Maximal zwei Kunden dürften gleichzeitig ins Geschäft. Und sie habe mehr Personal, sie seien jetzt stets zu zweit, sagte Metzger, deren Geschäft auch Annahmestelle für eine Reinigung ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Am Montag hatte sie gleich um neun Uhr die ersten Kundinnen, doch die Leute seien verunsichert. Das Telefon läutet fast ständig. „Ja, Sie dürfen ins Geschäft kommen“, versichert Mitarbeiterin Sybille Crispi einer Anruferin. Das Fazit nach dem halben Vormittag: „Ich bin einfach froh. Jeder Euro, den man einnimmt, ist Gold wert“, sagt die Inhaberin, die das Geschäft seit mehr als 14 Jahren führt.

Kundin Radmilla Djuric (rechts) schenkt Asra Mitrovic vom Geschäft A. Mode zur Wiedereröffnung und zum Weltfrauentag einen Strauß roter Rosen.
Kundin Radmilla Djuric (rechts) schenkt Asra Mitrovic vom Geschäft A. Mode zur Wiedereröffnung und zum Weltfrauentag einen Strauß roter Rosen. | Bild: Lutz, Bernhard

Auch Asra Mitrovic strahlt. Sie darf ihr Modegeschäft seit Montag ebenfalls wieder öffnen und hatte schon Stammkundschaft. „Natürlich bin ich froh“, schildert sie. Bis Samstag sei sie sich nicht gewesen, ob sie öffnen dürfe, dann habe die Stadt dies im Internet bekannt gemacht. Aber sie habe sich vorbereitet. sie habe schon Frühjahrsware erhalten und sie ausgepackt. „Ich hoffe, die Leute haben keine Angst und kommen.“

Kundin Rita Band (rechts) freut sich, dass Asra Mitrovic ihr Modegeschäft wieder geöffnet hat.
Kundin Rita Band (rechts) freut sich, dass Asra Mitrovic ihr Modegeschäft wieder geöffnet hat. | Bild: Lutz, Bernhard

Von der Bundesregierung habe sie eine kleine finanzielle Hilfe erhalten, die müsse sie wieder zurückzahlen mit der Begründung, sie habe diese Hilfe nicht nötig, schildert die Unternehmerin. Ihr Ehemann habe sie finanziell unterstützt, und ihre Vermieterin habe ihr eine ganze Monatsmieter erlassen, wofür sie sehr dankbar ist.

Kundin schenkt rote Rosen

Ihr Geschäft hat mehr als 100 Quadratmeter, sie werde aber nie mehr als drei bis vier Kundinnen reinlassen. Und die Kundinnen kommen. Rita Band freut sich, dass Asra Mitrovic wieder geöffnet hat. „Was wären wir ohne sie“, zollt eine andere Kundin Lob. Kundin Radmilla Djuric bringt der Geschäftsfrau einen Strauß roter Rosen mit. Das passt gleich doppelt: zur Wiedereröffnung und zum Weltfrauentag. Sie freue sich sehr, dass das Modegeschäft wieder geöffnet habe, „das hat uns einfach gefehlt.“