Gespannt erwarteten alle Seiten – darunter auch einige Bürger – die Sitzung des Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses am vergangenen Donnerstag, sollte es doch um die Weiterentwicklung und neue Vorschläge in Bezug auf das Gebiet Hofen II gehen. Die neuen Pläne wurden erstmals in der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Sure-Hotel (Bildmitte links) und das Hotel Solegarten (nicht auf dem Bild) sollen als ein Gesundheitsresort zusammengefasst werden. ...
Das Sure-Hotel (Bildmitte links) und das Hotel Solegarten (nicht auf dem Bild) sollen als ein Gesundheitsresort zusammengefasst werden. An dem Platz in der Bildmitte unten soll ein Therapiezentrum entstehen, das über Fußwege mit beiden Hotels verbunden ist. Oberhalb davon sind nun direkt am Johanniterweg vier Einfamilienhäuser geplant. Der Kirchenbuckel zwischen Sure-Hotel und evangelische Kirche (Bildmitte) bleibt bestehen, wie er ist. Dort war nie eine Bebauung irgendeiner Art geplant. Bilder: SK-Archiv Götz

Allerdings gab es nicht wie ursprünglich vorgesehen einen Beschluss oder eine Empfehlung des Ausschusses an die Verwaltung und den Gemeinderat, sondern die von den Investoren ausgearbeitete Variante wurde vorgestellt und zur Kenntnis genommen. Sie wird später weiter diskutiert und entwickelt werden und dann zum Beschluss in den Gemeinderat kommen.

Mit der Beschlussempfehlung sei er zu schnell gewesen, erklärte Bürgermeister Jonathan Berggötz, der eingangs zum Vorgang Stellung nahm, weil immer wieder kritisiert wurde, dass Gespräche nichtöffentlich stattfinden. „Manche Gespräche müssen nicht in der Öffentlichkeit stattfinden“, so Berggötz. Es sei bewusst entschieden worden, die neue Planung erst jetzt der Öffentlichkeit vorzustellen.

Zum kürzlich veröffentlichten Leserbrief der Anwohner um Hofen II erklärte Berggötz: Er schätze die Personen, die geschrieben haben, alle sehr. Was ihm nicht gefallen habe, sei die Überschrift gegen einen „faulen Kompromiss“ gewesen. Deutlich müsse er auch einen weiteren Punkt hervorheben, nämlich dass das was die Mitwirkenden des Bürger-Workshops gesagt haben wie es im Leserbrief zitiert wurde, so nicht stimme. Er habe aufgrund des Leserbriefes auch mit Beteiligten Rücksprache gehalten, deren Rückmeldung so ausgefallen sei, wie es veröffentlicht wurde. Sehr irritierend seien für ihn die unterschiedlichen Wahrnehmungen, so Berggötz.

Themenresort als Kompromiss

Joachim Limberger, einer der beiden Geschäftsführer der B.E.S.T.-Holding, ging auf die ursprüngliche Planung und den bisherigen Ablauf ein und stellte dann „einen Kompromissvorschlag, von dem wir glauben, dass sehr sehr viele Punkte berücksichtigt wurden“, vor.

Limberger: „Warum haben wir gesagt, einem solchen Verkauf des Geländes wie von der Stadt gewünscht, können wir nicht zustimmen?“

Die Erklärung: „Für uns elementar ist weniger das Gebiet oben am Johanniterweg, für die Projektentwicklung elementar ist der südliche Bereich, weil wir auf jeden Fall Parkplatzflächen für die entstehenden Gebäulichkeiten, in welcher Nutzung auch immer, brauchen werden. Also war klar – dieses gesamte Areal, das von der Stadt für den Kauf vorgeschlagen wurde, steht für uns auf keinen Fall zur Disposition und wird von uns so gebraucht. Und wir hatten auch immer dargelegt von Anfang an, dass wir einen Teil des Areals hier für eine Gegenfinanzierung benötigen. Das waren die Themen, weshalb wir gesagt haben, aus diesen Aspekten heraus funktioniert das nicht.“

Bezüglich Hofen II gab es in der Bürgerbefragung 115 Beiträge. 55 sprachen sich klar und deutlich für den Erhalt der Grünflächen aus, 21 sagten eine Wohnraumnutzung sei denkbar, 19 davon war für eine nur lockere Bebauung mit Einfamilienhäusern. Als problematisch wurde auch die Verkehrssituation im Johanniterweg und der Luisenstraße angesprochen.

Es wurde ferner die Etablierung eines Themenhotels gewünscht. „Das ist natürlich sozusagen das Sahnehäubchen, denn wer im Tourismus tätig ist, weiß – Thema schlägt Destination“, so Limberger. Gelänge es also, ein schlagkräftiges und gutes Thema hier zu etablieren, dann hätte man einen Vorteil gegenüber möglicherweise stärker anziehenden Destinationen. Alpen, Nord- und Ostsee zögen allein schon wegen ihrer Lage Touristen an, so Limberger. „Hier müssen wir uns unsere Themen selber schaffen, damit Gäste nach Bad Dürrheim kommen.“

2019 begann die Bürgerbeteiligung, im Frühjahr 2020 hat sich etwas ereignet, was die Welt nachhaltig verändert hat und auf Jahre verändern wird: Man müsse die Corona-Pandemie mit ins Kalkül einbeziehen. Die Menschen wollen wissen, wo sie ihren Urlaub verbringen, wollen wissen, wer mit ihnen in Kontakt tritt und wie er ihre Sicherheit sicherstellt. Gäste suchen Resonanz und Transformationserlebnisse, wollen mehr für sich und ihr Leben aus dem Urlaub mitnehmen. Diese Erkenntnisse basierten auf Forschungen des Zukunftsinstituts in Frankfurt. Gute Ernährung, Bewegung, weniger Stress, gesunder und guter Schlaf, ein Gleichklang in der Lebensordnung. All das sind Dinge, die Pfarrer Sebastian Kneipp früher schon erkannt habe und die Bad Dürrheim jetzt mit dem Thema Biohacking aufgreife.

„Hier können wir Pioniere sein in Deutschland. Wenn wir den Kurort modern und neuzeitlich interpretieren und in die Zukunft bringen wollen, dann müssen wir tun, was wir können – und Kneipp können wir gut“, verdeutlicht Limberger. „So planen wir, ein Gesundheitsresort zu etablieren.“ Die Idee sieht so aus, dass das Hotel am Solegarten und das jetzige Sure-Hotel in Schritten zu einem mit einander verbundenen Gesundheitsresort aufgebaut werden sollen, mit einer Wegeverbindung und einem Therapiezentrum hinter den Hotels im Bereich der Grünfläche.

Nach einem Teilabriss und Neuaufbau soll das Hotel Solegarten in ein Vier-Sterne-Hotel umgewandelt werden.
Nach einem Teilabriss und Neuaufbau soll das Hotel Solegarten in ein Vier-Sterne-Hotel umgewandelt werden. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Der Solegarten soll in ein Vier-Sterne-Hotel umgebaut werden. Das jetzige Sure-Hotel mit 60 bis 80 Einheiten sehe man in einem hochpreisigen Fünf-Sterne-Niveau, mit größeren Suiten, einem hausinternen Restaurant. Der alte, sich Sure-Hotel befindliche Therapiebereich mit Schwimmbad könne eventuell reaktivierbar sein.

Das ehemalige Hotel Soleo, jetzt Sure by Best Western-Hotel, soll auf ein Fünf-Sterne-Niveau mit 60 bis 80 Zimmern umgebaut werden.
Das ehemalige Hotel Soleo, jetzt Sure by Best Western-Hotel, soll auf ein Fünf-Sterne-Niveau mit 60 bis 80 Zimmern umgebaut werden. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Der Erhalt der Kapelle (sie stand nie zur Disposition und steht mittlerweile unter Denkmalschutz) und des Badhaus sind gegeben. Die geplante Wohnbebauung auf Hofen II wurde reduziert auf vier Einfamilienhäuser auf einer Fläche von 4000 bis 5000 Quadatmetern.

Die Verkehrssituation sollte Thema des städtebaulichen Wettbewerbs sein. Klar sei, dass ein Gesundheitsresort bedingt durch die Aufenthaltsdauer weniger Anfahrten habe. Das Thermenhotel ist aktuell nicht in die Planungen einbezogen.

Möglicher Zeitablauf: Zuerst würde der Teilrückbau des Hotels Solegarten erfolgen und eventuell der Neubau des Therapiezentrums im Gebiet Hofen II. Sanierung und Umbau des Sure-Hotels werden erst nach Inbetriebnahme des neuen Solegartens in Angriff genommen. Wir berichten weiter.