Blumberg Luchs hinterlässt Spuren auf der Baar

Hegeringchef berichtet von gerissenen Rehen und gibt stabiler Luchs-Population keine Chance

Im Film „Rettet die Länge“, der vor kurzem von den Windkraftgegnern in der Riedöschinger Kompromissbachhalle gezeigt wurde, kommt auch Bernhard Keller zu Wort. Der Jäger und stellvertretende Leiter des Blumberger Hegerings beschreibt den Artenreichtum des bewaldeten Bergrückens. „Auch den Luchs habe ich dort oben schon bestätigt“, erzählt er. Ein Luchs auf der dicht besiedelten Baar? Kann das sein und müssen Nutztierhalter jetzt um ihre Tiere bangen?

Eine berechtigte Frage, denn im nahen Oberen Donautal hat ein Luchs im vergangenen Winter auf einer Weide innerhalb von zwei Nächten drei Schafe und zwei Ziegen gerissen. Die Spurensuche vor Ort sowie die Untersuchung der getöteten Tiere im Rahmen des landesweiten Luchsmonitoring durch Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) ergaben eindeutige Hinweise auf einen Luchs als Verursacher. Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler, dass Nutztiere nur selten Opfer dieses scheuen Waldbewohners werden. Dies belegten auch Erfahrungen aus anderen Ländern. Sehr ungewöhnlich sei es, dass der Luchs innerhalb zweier Nächte Nutztiere gerissen habe. Normalerweise reiße ein Luchs immer nur ein einzelnes Wildtier und halte sich von Nutztieren eher fern. Dem betroffenen Landwirt sei der Schaden aus Mitteln des "Entschädigungsfonds Luchs" ersetzt worden.

Rehkadaver in einem Baum

Manfred Bouillon, der Chef des Blumberger Hegerings, hat zwar selbst noch keinen Luchs in den Wäldern rund um Blumberg mit eigenen Augen beobachtet, er kennt aber Geschichten von Jagdkollegen, die dieses Glück hatten. Schon Ende der 70er-Jahre habe ihm sein Freund Egon Dörr berichtet, einen Luchs bei der erfolgreichen Jagd auf ein Rehkitz gesehen zu haben. Er selbst sei vor ungefähr drei Jahren von einem Angler ins Wutachtal gerufen worden. Der Mann hatte den Kadaver eins Rehs in vier Meter Höhe in einem Baum entdeckt. „Das kann nur ein Luchs gewesen sein“, sagt Bouillon, der das Gewicht des Rehs auf 12 bis 15 Kilo schätzt. Nur ein Luchs habe die Kraft, das tote Tier auf einem Baum vor Fressfeinden in Sicherheit zu bringen.

Vor zwei Jahren dann wieder ein Hinweis auf einen Luchs. Ein Landwirt, der einen Aussiedlerhof bei Fützen bewirtschaftet, entdeckte ein gerissenes Reh auf einer Wiese und informierte Bouillon darüber. Der fuhr auch sofort hin, fotografierte den Kadaver. „Ich bin mir aufgrund der Bissspuren und Pfotenabdrücke absolut sicher, dass das die Tat eines Luchses war und wollte dann sofort die zuständigen Stellen informieren. Es war aber ein Sonntag und ich habe niemanden erreicht.“ Am Tag drauf sei der Kadaver verschwunden gewesen. Bouillon geht davon aus, dass ihn der Luchs in Sicherheit gebracht hat.

Und wie denkt der Jäger über die Rückkehr des Luchses auf der Baar und in den Schwarzwald? Auf der einen Seite würde sich Bouillon sehr darüber freuen, einen Luchs auf Wanderschaft in seinem Fützener Revier einmal vors Fernglas zu bekommen oder mit einer Wildkamera aufnehmen zu können. „Wenn ein oder zwei Luche sich hier wohlfühlen, dann sind sie willkommen.“ Andererseits, so Boullion, benötige der Luchs zur Aufzucht von Jungen ein riesiges Revier. Außerdem sei der Schwarzwald von heute nicht mit dem Schwarzwald vor 150 Jahren zu vergleichen. „Denken Sie doch nur an die vielen Touristen und die Mountainbiker. Im Winter gibt’s geführte Schneeschuhtouren und im Sommer rennen sie durch den Wald und machen Geocaching" – für einen größeren Luchsbestand sieht Bouillon im Schwarzwald und auf der Baar keine Chance.

Und er gibt noch etwas zu bedenken: „Als das Schwarzwild zurückkam, haben wir uns alle gefreut. Und als der Biber sich wieder angesiedelt hat, auch.“ Heute verusachten diese Tiere sehr große Probleme.

 

Eleganter Räuber mit Pinselohren

  • Porträt: Luchse haben eine Schulterhöhe zwischen 50 und 60 Zentimeter und sind damit etwa so groß wie ein Schäferhund und wiegen um die 20 bis maximal 30 Kilogramm. Die Fellfarbe ist beige, hellbraun oder grau. Durch ihre unauffällige Färbung sind Luchse in ihren Lebensräumen perfekt getarnt. Gemeinsam ist allen Luchsen die schwarze Spitze ihres Stummelschwanzes und die Haarpinsel an den Ohren. Wissenschaftler glauben, dass die Ohrenpinsel die Funktion einer Antenne haben, um genau lokalisieren zu können, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Der Luchs ist reiner Fleischfresser. Seine wichtigste Nahrung sind Rehe, gelegentlich auch schwache Rotwild-Kälber, in den Alpen auch Gämsen. Daneben erbeutet er Feldhasen, junge Wildschweine, Füchse, Dachse, Marder sowie sonstige Kleintiere und Vögel. Sein Lebensraum sind wald- und wildreiche Gebiete, die Territoriumsgrößen liegt bei Männchen zwischen 150 und 400 Quadratkilometern, bei Weibchen zwischen 50 und 200 Quadratkilometern.
  • Bestand: Der Luchs gilt seit rund 200 Jahren in Mitteleuropa als ausgerottet. In den 1970er-Jahren wurden erste Wiederansiedlungsversuche unternommen, auch in der Schweiz. Seit 1988 existieren Hinweise auf die Anwesenheit im Schwarzwald und auf der Baar, die laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg seit 1998 als gesichert gelten. Im Pfälzer Wald wurden 2016 drei Luchse ausgewildert.
  • Luchs-Point: Seit vergangenem Sommer gibt es an der Burg Wildenstein (bei Beuron) im Donautal einen Luchs-Point. Initiator ist der World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland. An der Info-Stelle sind neben einer Dauerausstellung zum Luchs auch aktuelle Informationen zu den Luchsen in Baden-Württemberg zu finden.
  • Luchspfad: An der Schwarzwaldhochstraße zwischen Baden-Baden und Freudenstadt ist vor einiger Zeit ein Luchspfad ausgewiesen worden. Start und Zielpunkt ist der Parkplatz Plätting. Auf einem vier Kilometer langen Rundweg wird über die Lebensweise des Luchses informiert. Der Pfad führt durch Wälder, in denen sich der Luchs wohlfühlen würde und animiert zu schleichen, springen, spähen und hören wie ein Luchs. Der Pfad richtet sich vor allem an Familien mit Kindern. (hon)

 

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