Das inszenierte Drumherum bei der konzertant fantastisch gestalteten Matinee der Stadtmusik im Pausenhof der Grundschule hatte zunächst etwas Surrealistisches: die aufs Musizieren brennenden Stadtmusiker wirkten beim geschäftigen Eintreffen in der leicht nebelverhangenen Morgenkühle mit ihrem Mund-Nasen-Schutz und zum Teil von der Atemluft beschlagenen Brillengläsern wie wuselige Gespenster.

„Mir freuet uns alle, dass wir heute vor großem Publikum spielen dürfen“, strahlte Jochen Fischer, der später bei Rob Wiffins Mambo „Tiptoe Tune“ nach beachtlichen Riffs aus der Perkussions-Landschaft mit einem grandios brillierenden Trompetensolo glänzte. Corona-bedingt in großzügig gelockerter Form auf roten Stühlen sitzend, spielten die städtischen Blech- und Holzbläser nebst Schlagwerk und Kontrabass zwischen fetzig mitreißenden Klängen eine gefühlvolle Ballade.

Endlich wieder musizieren

Die leidenschaftliche Begeisterung des sich unter der Leitung von Musikdirektor Helmut Hubov auf höchsten Touren bewegenden symphonischen Blasorchesters übertrug sich vom ersten bis zum letzten Ton auch auf die rund 200 begeisterungsfähigen Zuhörer, unter denen sich auch viele Kinder befanden.

„Sie glauben gar nicht, wie froh wir sind, endlich mal wieder vor Ihnen musizieren zu dürfen“, betonte auch die Querflötistin Nadine Heinzle im Rahmen ihrer Moderation. Schon die ergreifende und erhabene Wirkung der kraftvollen Eröffnungsfanfare aus der Feder von John Williams machte die Herzen warm und ließ die kalten Füße vergessen.

Feldherr Dracula auf dem Podestle

Berührte Glückseligkeit, sich überschlagender Übermut, munteres Taktklatschen und eine Prise Herzschmerz prägten später die von Alan Parsons produzierte Pop-Ballade. Köpfe und Füße des überwiegend stehenden Publikums wippten im Takt bei Alice Mertons Superhit „No Roots“, und dramatische Paukenschläge eröffneten das unter die Haut gehend spannend inszenierte Thema aus Leonard Bernsteins „West Side Story“.

Nein, das ist nicht Graf Dracula, sondern Grandseigneur MD Helmut Hubov höchstpersönlich, mit Dirigierstäben im Etui und Heißgetränk in der Thermoskanne.
Nein, das ist nicht Graf Dracula, sondern Grandseigneur MD Helmut Hubov höchstpersönlich, mit Dirigierstäben im Etui und Heißgetränk in der Thermoskanne. | Bild: Gabi Rieger

Musikdirektor Helmut Hubov, der auf seinem Mini-Podestle wirkte wie ein Feldherr, der heroisch strahlend und präzise seine Armeen dirigiert, erinnerte immer dann, wenn er das Feld der Moderation überließ, mit seinem Gesichtsschutz und übergeworfenem Mantel ein wenig an den Grafen Dracula.

Viel Beifall und eine Zugabe

Intime Instrumental-Soli bildeten den Auftakt zum dynamisch anschwellenden irischen Folk-Stück „Lough Erin Shore“, in das sich nach einer Stunde das volle Glockengeläut der benachbarten Kirche Sankt Oswald mischte. Schluchzend trillernde Klezmer-Klänge, die durchpulst waren von feurigem ungarischem Csárdás, beschlossen eine beschwingt und schön gestaltete Matinee im Schulhof. Anerkennender Beifall, per se im Stehen, bescherte als Zugabe ein farbiges, von „Berliner Luft“ gerahmtes Medley.

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