In gewisser Weise hatte Claudia Heitzer, die Leiterin des Berufsschulzentrums Stockach, es im vergangenen Jahr bereits vorausgesagt. Damals verkündete sie, zum 30. Geburtstag des Karrieretags der Schule werde man sich „etwas Besonderes einfallen lassen“. Dazu kam es nun tatsächlich – allerdings gezwungenermaßen und vermutlich anders als damals gedacht. Schüler, die am Berufsschulzentrum Stockach von einem Ausstellungsstand zum nächsten gehen, sich über Ausbildungsberufe, Studiumsangebote oder ein Freiwilliges Soziales Jahr informieren und Geräte in den Schulräumen ausprobieren, das wird es in diesem Jahr nicht geben. Wegen der Corona-Pandemie kann der Karrieretag, der am Freitag, 5. Februar, stattfindet, nicht als Präsenzveranstaltung ausgerichtet werden.

Dennoch sollen Schüler die Möglichkeit erhalten, sich darüber zu informieren, wo es für sie in Zukunft hin gehen soll. Zu diesem Zweck hat das Berufsschulzentrum sich eine Alternativ-Gestaltung des Karrieretags überlegt – und diesen kurzerhand ins Internet verlegt.

Der Ablauf im Internet

Anstatt ihre Stände im Berufsschulzentrum aufzubauen, registrieren sich die Aussteller nun über eine Internetseite (siehe Infokasten) und stellen und ihre Ausbildungsangebote dort vor. Neben Unternehmen sind unter anderem auch Hochschulen vertreten. Die Schüler sollen aber auch allgemeine Informationen und Tipps zu Bewerbungen, Studiumsvorbereitungen oder ähnlichen Themen bekommen, wie Lehrer Andreas Maier, der zum Organisationsteam gehört, berichtet. Auch Informationen zu Auslandsaufenthalten oder einem Freiwilligen Ökologischen oder Freiwilligen Sozialen Jahr soll es geben.

Die Schüler können sich am Karrieretag auf der Internetseite einwählen und etwa über Chats an Beratungen teilnehmen, Videovorträge zu Ausbildungsangeboten ansehen und auf digitalem Weg Fragen stellen. Auch spielerisch geht es zum Teil zu: Während es beim Karrieretag bisher etwa Glücksräder oder Lose gab, werden im Internet Quizze präsentiert.

Besonderer Höhepunkt: Zu Beginn findet um 10 Uhr eine Talkrunde mit Landrat Zeno Danner, dem Bundesabgeordneten Andreas Jung und Matthias Schalk vom Organisationsteam zum Thema Berufswegeplanung und Karriere statt. Durchgeführt wird dieses vom Schulradio des Berufsschulzentrums, dem RadioActive unter Leitung von Christine Angele.

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Unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Voraussetzungen

Damit der Ablauf vorab klar ist, hat sich das Organisationsteam vorab schon mit den Teilnehmern verständigt: „Die Schulen und auch unsere eigenen Klassen haben wir instruiert“, erklärt Andreas Maier. So sollen zum Beispiel alle Schüler am Morgen des Karrieretags zunächst einmal eine Einführung erhalten, bevor sie sich selbst bei den Ausstellern informieren. Und auch im Anschluss sollen sie sich mit ihren Lehrern noch einmal austauschen. Das Berufsschulzentrum bietet dafür extra Begleitmaterial auf der Internetseite zum Karrieretag an. „Den Schülern soll aber ein großes Zeitfenster gegeben werden, damit sie sich informieren können“, sagt Maier.

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Dennoch gibt es von Schule zu Schule Unterschiede. So werden sich laut Maier an manchen Bildungseinrichtungen – darunter auch das Berufsschulzentrum Stockach – am Karrieretag alle Schüler zuhause befinden. Anderswo seien etwa Abschlussklassen an diesem Tag in den Schulen. Und auch die technische Ausstattung sei unterschiedlich. Das Berufsschulzentrum will darauf mit verschiedenen Angeboten begegnen. Falls in einer Schule etwa nicht genug Endgeräte zur Verfügung stehen, gibt es laut Maier etwa Angebote, die sich an ganze Klassen wenden – in so einem Fall können die Schüler sich also als eine Einheit informieren und nicht jeder braucht ein eigenes Gerät.

Die Vorbereitung war eine große Aufgabe

Für das Organisationsteam, zu dem neben Andreas Maier und Matthias Schalk auch Elisa Wielandt, Steffen Hahn und Saskia Metzler gehören, war die Vorbereitung des digitalen Karrieretags „eine große Aufgabe“, so Andreas Maier. „Das war für uns Neuland.“ Dennoch sei es ihnen ein Anliegen gewesen, den Karrieretag nicht ausfallen zu lassen. Die Abschlussklassen würden schließlich wissen wollen, wie es für sie weitergeht, zudem habe das Berufsschulzentrum als Schule selbst auch die Aufgabe, seine Schüler bestmöglich zu unterstützen.

„Den Karrieretag digital zu organisieren war für uns Neuland.“ – Andreas Maier, BSZ
„Den Karrieretag digital zu organisieren war für uns Neuland.“ – Andreas Maier, BSZ | Bild: BSZ

Die Vorbereitungen laufen laut Maier seit Herbst, zunächst hätten Besprechungen innerhalb des Organisationsteams noch in der Schule stattgefunden, später habe man auf Videokonferenzen ausweichen müssen. „Aber das hat gut funktioniert.“ Und nicht nur die fünf Lehrkräfte seien in die Vorbereitungen eingebunden gewesen. Stattdessen hätte sich das gesamte Kollegium etwa an der Präsentation zum Berufsschulzentrum beteiligt und werde auch am Tag des Karrieretags zur Betreuung der Klassen eingesetzt.

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Zudem arbeitet das Berufsschulzentrum mit einer Agentur zusammen, die sich um die Internetseite kümmert. Auch am Karrieretag steht vonseiten der Agentur ein Mitarbeiter bereit, um etwa mögliche technische Fehler zu beheben – eine Erleichterung für das Berufsschulzentrum, wie Andreas Maier schildert. „Das gibt uns Rücksicherung.“ Denn: „Es steht und fällt natürlich alles mit der Technik.“ Funktioniere die Internetseite nicht, könne der Karrieretag nicht wie geplant stattfinden.

Fehlender Anfahrtsweg als großer Vorteil

Bei den Ausstellern kommt die digitale Form des Karrieretags laut Andreas Maier übrigens gut an: „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv.“ Wie er erzählt, werden mehr als 80 Aussteller sich den Schülern digital präsentieren, darunter auch SÜDKURIER Medienhaus, das mit einem virtuellen Live-Messestand teilnimmt. „Das ist für uns ein riesiger Erfolg“, so Maier.

Schon 2020 war der SÜDKURIER am Karrieretag vertreten. 2021 wird der Stand ins Internet verlegt.
Schon 2020 war der SÜDKURIER am Karrieretag vertreten. 2021 wird der Stand ins Internet verlegt. | Bild: Julian Widmann

Und dass der Karrieretag nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden kann, habe auch seine Vorteile: So falle der Anfahrtsweg zum Berufsschulzentrum weg, damit werde auch Zeit und Aufwand eingespart – dadurch habe man mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten und der Technischen Hochschule Ulm auch Aussteller gewinnen können, die bisher noch nie teilgenommen haben. Und auch die Schüler müssen nicht aus dem Umfeld des Berufsschulzentrums kommen, um vom Karrieretag zu profitieren – was zu einem ganz besonderen Umstand führt: Wie Andreas Maier mitteilt, nehme ein ehemaliger Lehrer des Berufsschulzentrums, der mittlerweile stellvertretender Schulleiter an der Deutschen Schule im finnischen Helsinki sei, mit einigen seiner Schülern aus der Ferne am Karrieretag teil.

Die Planung für die Zukunft

Trotz der Vorteile soll die digitale Form des Karrieretags die in normalen Jahren eigentlich stattfindende Präsenzveranstaltung nicht dauerhaft ersetzen. Der persönliche Kontakt fehle schließlich doch, so Andreas Maier, zudem sei es für die Aussteller möglicherweise doch einfacher, Schüler für sich zu interessieren, wenn sie direkt mit ihnen in Kontakt kommen und sie mit Angeboten vor Ort locken können. „ Etwas will das Berufsschulzentrum laut Maier aber in Zukunft doch aus diesem Jahr mitnehmen: „Möglicherweise wird es eine hybride Form geben“, stellt er in Aussicht. Vorstellbar sei etwa, dass Vorträge digital zugeschaltet werden.