Neben vielen Geschäften und Dienstleistern mussten auch die Friseure Mitte Dezember schließen. Damit traf sie der Lockdown zum zweiten Mal und das kurz vor dem erhofften und eingeplanten Weihnachtsgeschäft. Wann sie wieder Kunden bedienen dürfen, ist unklar. Birgit Grießhammer, Inhaberin des Salons „Symphonie der Haare“ in Ludwigshafen, hat jetzt eine Petition zum sofortigen Öffnen der Friseursalons gestartet. In den sozialen Medien, über Berufskollegen und im privaten Umfeld macht sie darauf aufmerksam und bittet um Unterschriften. Je mehr Menschen ihr Anliegen unterstützen, umso größer schätzt sie die Aussicht auf Erfolg ein.

Vor fünf Jahren machte sich Birgit Grießhammer selbstständig. In dieser kurzen Zeit habe sie keine Chance gehabt, große Rücklagen zu bilden, erzählt sie. Im ersten Lockdown ab März habe sie die Hilfen vom Staat noch selbst beantragen können, nachdem das Portal vorhanden war. Diesmal sei das nicht so unbürokratisch möglich, das müsse ein Anwalt oder Steuerberater übernehmen. „Und der muss jeden einzelnen komplett prüfen, deshalb geht es nicht voran“, beklagt sie.

Alle Kredite habe sie schon stunden lassen. Wenn jetzt für sie Hilfe beantragt werden könne, diene als Grundlage der Umsatz, den sie zur gleichen Zeit vor einem Jahr hatte. Davon könne sie bis zu 90 Prozent erhalten. Diese bezögen sich allerdings nur auf die aktuellen Fixkosten. „Ich bin aber nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch Privatperson. Ich muss wohnen und essen, habe Kinder, die studieren. Es geht nur über Rücklagen. Und woher soll ein Betrieb nach zwei Lockdowns innerhalb eines Jahres große Rücklagen haben?“, fragt sie. Die Friseurin befürchtet, dass viele Kollegen wieder bei null anfangen müssen – wenn sie die Pandemie überhaupt überstehen.

Birgit Grießhammer (links) und Jeanett Ramin hoffen, dass sie bald wieder in ihrem Salon in Ludwigshafen arbeiten dürfen.
Birgit Grießhammer (links) und Jeanett Ramin hoffen, dass sie bald wieder in ihrem Salon in Ludwigshafen arbeiten dürfen. | Bild: Peter Ballnus

In dem Online-Forum „Friseure unter sich“, dem inzwischen über 12.000 Friseure beigetreten sind, tauschen sich die Kollegen aus. Birgit Grießhammer sagt: „Jeder schimpft, aber keiner tut etwas. Alle denken, sie ändern nichts. Einer muss anfangen. Ich mache das jetzt, dann kann ich zumindest sagen, ich habe es versucht.“ Sie ist überzeugt: „Von uns geht keine Gefahr aus. Wir empfangen jeden Kunden nur mit Termin. Der Computer zeigt, wann die Person gekommen ist und wann ich sie abgerechnet habe. Keiner betritt den Raum ohne Maske. Die Hände werden beim Herein- und Herausgehen desinfiziert. Jeder füllt zusätzlich einen Zettel aus und bestätigt, beschwerdefrei zu sein. Wir haben alle Angaben.“

Die Zettel würden vier Wochen aufgehoben und dann im Aktenvernichter entsorgt. Sogar den Bewegungsradius von 15 Kilometern, der in anderen Bundesländern gilt, könne sie einhalten, so Grießhammer. „Wir halten uns wirklich an alles, wir sind kein Problem. Meiner Ansicht nach fehlt die rechtliche Grundlage für die Zwangsschließung. Die bricht vielen Friseuren das Genick. Das Geld ist – wenn es irgendwann kommt – ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Es geht beim Friseurbesuch nicht nur um den Haarschnitt

Die engagierte Friseurin sieht ihren Berufsstand als durchaus als systemrelevant an. Es gehe längst nicht nur um einen ordentlichen Haarschnitt. „Die Menschen genießen das Wellnessprogramm und die Kommunikation. Beides trägt zum Wohlbefinden bei und hebt die Stimmung.“ Dabei bewegten Friseure auch keine Massen, sondern hätten nur ganz wenige Kunden gleichzeitig. Die Abstände seien jederzeit gegeben und während des Schneidens sprächen sie und der Kunde oder die Kundin in eine Richtung.

Birgit Grießhammer setzt große Hoffnung in die Petition. „Im Portal wird diskutiert, ich spreche jetzt die drei anderen Friseure im Ort persönlich an und nehme Kontakt zu meinen früheren Arbeitsstellen auf. Jeder hat andere Kontakte, wir müssen die Informationen möglichst breit streuen.“ Je mehr Unterschriften zusammenkämen, umso sichtbarer würden die Friseure, betont sie. Ihr Lebenspartner Peter Ballnus hat die Online-Petition bis zum 31. Januar eingerichtet. „Wenn genug Stimmen vorhanden sind, werde ich einen Petitionseilantrag stellen“, erklärt er.