Kommt sie nun oder kommt sie nicht, die Reaktivierung der Ablachtalbahn von Stockach nach Mengen? Dass es in der Region einen Bedarf an Bahnverkehr gibt, zeigt ein Blick auf die Fahrgastzahlen des Seehäsle zwischen Radolfzell und Stockach – also auf dem südlichen Ende der Ablachtalbahn. Der Nahverkehrszug, der von der Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG (SWEG) betrieben wird, verzeichne immer mehr Fahrgäste, wie Ralf Bendl, Leiter des Amtes für Nahverkehr und Straßen beim Konstanzer Landratsamt, erklärt.

Zuletzt habe man auf der Strecke etwa 3500 Fahrgäste täglich gezählt, „eine überdurchschnittliche Steigerung im Landesvergleich“, so Bendl. Deswegen gehe er auch davon aus, dass die häufig geforderten Spätverbindungen spätestens mit der Neuausschreibung des Vertrags im Jahr 2023 kommen werden. Angefangen habe das Seehäsle in den 1990er-Jahren mit 1500 bis 2000 Fahrgästen am Tag, so Bendls Schätzung.

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Etwa 1000 Fahrgäste pro Tag sollte man haben, um eine Bahnstrecke rentabel zu betreiben, lautet die Faustregel, die Bendl nennt. Doch die möglichen Fahrgastzahlen müsse man im Gesamtzusammenhang sehen, es gebe immer viele Aspekte, die man genau betrachten müsse. Bei der Ablachtalbahn stünden beispielsweise große Investitionen dahinter. Der Landkreis Konstanz, dem die Gleise der Ablachtalbahn zwischen Radolfzell-Stahringen und Stockach gehören, presche in Sachen Ablachtalbahn nicht voran, unterstütze aber, so umreißt Ralf Bendl die Haltung des Kreises. Und das Landratsamt werde immer darauf schauen, dass die Seehäsle-Verbindung nicht unter der Reaktivierung der Ablachtalbahn leidet.

Beim Seehäsle hat man laut Ralf Bendl vom Landratsamt mit 1500 bis 2000 Fahrgästen am Tag angefangen. Derzeit seien es etwa 3500 Fahrgäste täglich.
Beim Seehäsle hat man laut Ralf Bendl vom Landratsamt mit 1500 bis 2000 Fahrgästen am Tag angefangen. Derzeit seien es etwa 3500 Fahrgäste täglich. | Bild: Freißmann, Stephan

Bahnfans wie die Initiative Bodensee-S-Bahn betonen die Chancen, die eine Reaktivierung für die Fahrgäste hätte – etwa durch Touristen- oder Nahverkehr, aber auch durch Fernverbindungen, die vom westlichen Bodensee bis nach Stuttgart reichen könnten. Aus der Landespolitik kommen positive Signale, wenn auch wenig Konkretes. Und die meisten Bürgermeister der Gemeinden entlang der Strecke äußern sich befürwortend oder zumindest nicht ablehnend. Nur Stefan Bubeck, der Bürgermeister von Mengen, das den nördlichen Endpunkt der Ablachtalbahn bildet, hat kürzlich für die nächsten 30 bis 40 Jahre ausgeschlossen, dass seine Gemeinde sich beteiligen könnte – aus finanziellen Gründen.

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Verschiedene Akteure in Sachen Ablachtalbahn haben in der Folge darauf hingewiesen, dass allein dadurch das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Zu ihnen gehört Andrea Bogner-Unden (Grüne), die den Wahlkreis Sigmaringen im Landtag vertritt. Und auch Ralf Derwing von der Initiative Bodensee-S-Bahn, die eine Reaktivierung stark befürwortet, möchte die Bemühungen nicht beenden. Er könne die Befürchtungen verstehen, dass eine Gemeinde langfristig einen finanziellen Klotz am Bein haben könnte: „Doch es gibt Möglichkeiten, dass das nicht so ist. Daran arbeiten wir“, sagt Derwing.

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Und er verweist darauf, dass sich Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bei einem Besuch in Mengen sehr positiv über die Strecke geäußert habe. In einer Pressemeldung des Ministeriums ist von „vielversprechenden Potentialen“ für Schüler-, Pendler- und Güterverkehr die Rede. Hohe Landeszuschüsse für Investitionen sind angekündigt, doch das Ministerium setze auch „ernsthaftes Interesse von kommunaler Seite an einer Reaktivierung voraus“, heißt es in der Meldung weiter.

Ob die Ablachtalbahn zu den Strecken gehört, die das Land für eine Wiederbelebung auswählt, hängt allerdings noch von einer Potenzialanalyse ab. Deren erste Ergebnisse stellt das Land für das erste Quartal 2020 in Aussicht, wie Pressesprecherin Kathleen Bärs vom Landesverkehrsministerium auf Anfrage mitteilt. Der Abschluss der Untersuchung ist demnach für das erste Quartal 2021 geplant.

Die Initiative selbst sehe nach wie vor gute Chancen für eine Neubelebung der Strecke, erläutert Derwing. Entscheidend sei nun, ein geeignetes Betreibermodell zu finden. Und er schreibt: „Ideal wäre es, wenn alle Kommunen entlang der Strecke ein deutliches Signal senden, dass sie gemeinsam zu einer Reaktivierung der Strecke stehen.“

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