Auf der Ablachtalbahn zwischen Stockach und Mengen könnten schon im nächsten Jahr die ersten Personenzüge fahren. Und der politische Druck bleibt hoch, den Haltepunkt im Stockacher Stadtteil Espasingen an der Bodenseegürtelbahn neu zu beleben. Was es bei den Strecken rund um Stockach Neues gibt:

Ablachtalbahn: Erste Züge ab Mai

Von 1. Mai bis Mitte Oktober 2020 könnten an Sonn- und Feiertagen die ersten Personenzüge auf der Ablachtalbahn fahren. Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) „hat in Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium für das Jahr 2020 bei der Deutschen Bahn fristgemäß Reisezugverkehre über die Ablachtalbahn bestellt“. Das teilte Heiko Focken von der NVBW der SÜDKURIER-Redaktion kürzlich mit. Die Züge sollen auf der ganzen Strecke von Stockach nach Mengen fahren und sogar darüber hinaus (siehe Text unten).

Das könnte Sie auch interessieren

Focken reagierte damit auf den jüngsten Bericht dieser Zeitung zum Thema. Darin ging es darum, dass die Eigentümerin der Strecke, die Ablachtal-Bahn GmbH, bereit sei, die Strecke zu verkaufen. Meßkirch Bürgermeister Arne Zwick will erreichen, dass die an der Strecke gelegenen Kommunen die Gleise kaufen und dass es später einen regulären Personenverkehr dort gibt. Das Stuttgarter Verkehrsministerium lässt derzeit unter anderem für die Ablachtalbahn prüfen, ob ein regulärer Bahnbetrieb sinnvoll ist. Mit der Ankündigung der NVBW nimmt die Sache jedenfalls deutlich Fahrt auf.

„Die Strecke ist interessant, wenn man Stockach an Zentren wie Ulm anschließen kann.“ Rainer Stolz, Stockacher Bürgermeister, über die Möglichkeiten der Ablachtalbahn
„Die Strecke ist interessant, wenn man Stockach an Zentren wie Ulm anschließen kann.“ Rainer Stolz, Stockacher Bürgermeister, über die Möglichkeiten der Ablachtalbahn | Bild: Arndt, Isabelle

Auch in Stockach beschäftigt die Bahnlinie, die die Stadt mit Meßkirch und der Donautalbahn verbindet, die Menschen. Zumindest sorgte die Bahn rund um Stockach – ebenfalls in Reaktion auf die Berichterstattung des SÜDKURIER – für eine längere Aussprache in der jüngsten Gemeinderatssitzung, die durch eine Nachfrage von Wolfgang Reuther (CDU) ausgelöst wurde.

Hoppetenzell: Die Ablachtalbahn zwischen Stockach und Mengen ist verwaist – wie hier am Bahnübergang in Hoppetenzell. Auf dieser Strecke könnte es schon im nächsten Jahr wieder Bewegung geben, zumindest an Sonn- und Feiertagen.
Hoppetenzell: Die Ablachtalbahn zwischen Stockach und Mengen ist verwaist – wie hier am Bahnübergang in Hoppetenzell. Auf dieser Strecke könnte es schon im nächsten Jahr wieder Bewegung geben, zumindest an Sonn- und Feiertagen. | Bild: Freißmann, Stephan

Eine Wiederbelebung der Ablachtalbahn halte er dann für interessant, wenn man Stockach an Zentren wie Ulm anschließen könnte, sagte Bürgermeister Rainer Stolz dazu. Die Voraussetzung dafür sei aber eine „gravierende Verringerung des Autoverkehrs in der Stadt“. Gemeint waren damit die Umfahrungsprojekte für den Straßenverkehr. Im Herbst solle es eine Vorlage dazu im Gemeinderat geben. Schon jetzt wurde die Diskussion unter den Räten grundsätzlich. Die Reaktionen reichten von Skepsis (Wolf-Dieter Karle, Freie Wähler) bis zur Forderung nach einem mutigen Zeichen, dass man die Strecke wirklich wolle, unabhängig von den praktischen Problemen, die man noch lösen müsste (Jürgen Kragler, CDU).

Bei Bodenseegürtelbahn und Ablachtalbahn gibt es hinter den Kulissen offenbar Bewegung.
Bei Bodenseegürtelbahn und Ablachtalbahn gibt es hinter den Kulissen offenbar Bewegung. | Bild: Orlowski, Birgit

Gürtelbahn: Wunsch nach Halt

In jeder zweiten Sitzung des Espasinger Ortschaftsrates würden Bürger nach dem Bahnhalt im Ort fragen, berichtete Espasingens Ortsvorsteher und Gemeinderatsmitglied Andreas Bernhart (CDU) am Rande der jüngsten Ratssitzung. Auch in dieser Sache gibt es hinter den Kulissen offenbar Bewegung, wie Stolz durchblicken ließ. Bei der Planung von Ausbau und Elektrifizierung der Strecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell seien derzeit zwei Betriebskonzepte im Rennen, sagte er. Die Untersuchungen dazu seien schon recht weit gediehen.

„Es ist den Bürgern schwer zu vermitteln, dass die Landkreise so viel Geld für die Planung ausgeben und der Zug am Ende wieder durchfährt.“ Wolfgang Reuther, CDU, zu einem möglichen Haltepunkt in Espasingen
„Es ist den Bürgern schwer zu vermitteln, dass die Landkreise so viel Geld für die Planung ausgeben und der Zug am Ende wieder durchfährt.“ Wolfgang Reuther, CDU, zu einem möglichen Haltepunkt in Espasingen | Bild: Lukas Maier

Bei der jüngsten Sitzung der Interessengemeinschaft habe er angebracht, dass man den Haltepunkt Espasingen noch einmal bedenken möge – und ließ durchblicken, dass dieser derzeit nicht Bestandteil der Berechnungen gewesen sei. DB Netz und NVBW hätten das Anliegen mitgenommen. Doch Stolz sagt auch: „Auch andere wollen Haltepunkte.“ Da würden sich die Fragen stellen, ob man die Fahrzeiten noch einhalten könne und ob es genügend Fahrgäste gebe. Erst Ende 2020 sei eine Entscheidung des Landes in Aussicht, welche Ausbauvariante weiter verfolgt werden soll und zu welchen Kosten.

Fragesteller Reuther forderte, weiter politischen Druck für den Haltepunkt Espasingen zu machen: „Es ist den Bürgern schwer zu vermitteln, dass die Landkreise so viel Geld für die Planung ausgeben und der Zug am Ende wieder durchfährt.“ Diese Meinung unterstützte Andreas Bernhart und fügte hinzu: „Öffentlicher Personennahverkehr ist ein wichtiges Thema.“

Diese Züge sollen auf der Ablachtalbahn fahren

  • Nutzungspläne: Zunächst sind an den Sonntagen ab 1. Mai zwei Personenzüge pro Richtung vorgesehen. Allerdings wird dabei nicht an einen autarken Betrieb zwischen Stockach und Mengen gedacht, sondern auch an eine Nutzung der Anschlussstrecken zwischen Ulm und Radolfzell. Damit soll auch die mehrmonatige Sperrung der Südbahn zwischen Ulm und Friedrichshafen ausgeglichen und eine direkte Verbindung zwischen Ulm und dem Bodensee erhalten werden. Daneben nimmt die Planung auch die Landesgartenschau (Laga) 2020 in Überlingen in den Blick. Über die Ablachtalbahn soll ab Krauchenwies mit einem Zubringerbus das Laga-Gelände direkt angefahren werden können. Auch für den Güterverkehr gibt es eine aktuelle Nutzungsoption. Während der baubedingten Sperrung der Gäubahn sollen aus der Schweiz in Richtung Balingen werktags zwei Güterzüge der Hohenzollerischen Landesbahn durch das Ablachtal rollen.
  • Aussagen der Landespolitiker: Die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (Grüne) unterstützt die Reaktivierung der Ablachtalbahn. Sie sieht darin eine Möglichkeit, den sanften Tourismus durch die Anbindung an den Bodensee zu beleben. Zugleich könnte ein Großteil der Kiestransporte auf die Schiene verlagert werden. Ihr Landtagskollege Klaus Burger (CDU) sagte: „Vermehrter Schienenverkehr ist Ressourcen schonend und nachhaltig.“ Für die touristischen Potentiale durch die Anbindung der Mittelalterbaustelle Campus Galli und der Heuneburg regte er ein Gesamtticket mit der Formel „Bahn + Bus + Verzehr“ an. Bürgermeister Wolfgang Sigrist aus Sauldorf hat die Kosten im Blick: „Eine hervorragende Sache, aber wir brauchen eine tragfähige Finanzierung“. Unklar ist noch die Rolle des Landkreises Sigmaringen. (stb)