Einmal in der Woche den Tag anders beginnen, durch Lieder und Gebete Kraft schöpfen und die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen. Das sind einige Aspekte, unter denen seit 25 Jahren jeden Donnerstag um 8.15 Uhr in der evangelischen Johanneskirche in Wahlwies eine etwa halbstundige Morgenandacht stattfindet.

Konzept für Morgenandacht

Doris Reinacher erinnert sich, wie die Idee des Morgenlobs Gestalt annahm. „Damals war der Gottesdienstbesuch in Wahlwies sehr überschaubar. Es wurde sogar daran gedacht, die Kirche zu schließen. Das wäre ein Riesenverlust gewesen.“ Wahrend der Friedensdekade im Herbst 1995 habe sie zusammen mit dem damaligen Pfarrer Jochen Plagge und dessen Frau ein Konzept fur eine Morgenandacht entwickelt. „Das konnte eine Lösung für die Gemeinde sein, wenn im Alltag regelmäßig eine kleine Feier stattfindet, an der auch Berufstätige teilnehmen können.“ Der Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden. Doris Reinacher formuliert es so: „Aus dem Senfkorn ist ein Baum gewachsen, der jetzt Früchte trägt. Ich bin sehr berührt, dass es so weitergeht.“

Katholische Gemeinde unterstützt das Morgenlob

Seither gehört das Morgenlob zum festen Bestandteil des Wahlwieser Gemeindelebens. Zunächst wurde es abwechselnd von Doris Reinacher und Angelika Frost vorbereitet und durchgeführt. Man begann in kleiner Runde, oft nur zu viert oder fünft. Nach dem Weggang von Doris Reinacher nach Lörrach im Jahr 2002 übernahm Angelika Frost die alleinige Verantwortung. Dabei wurde sie jedoch immer wieder von anderen Teilnehmerinnen des Morgenlobkreises, besonders von Johanna Lehmann von der katholischen Gemeinde Wahlwies, unterstützt.

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Als Angelika Frost im Oktober 2011 nach Berlin zog, fand sich eine ökumenische Gruppe zusammen, die den tiefen Wunsch hatte, das Morgenlob weiterzuführen. Diese Gruppe bestand aus Hella Diederichs, Lioba Lempp und Henriette Steyer. Die drei Frauen sind bis heute gemeinsam für die Gestaltung des Morgenlobs verantwortlich. Inzwischen ist auch Christine Kazmeier ein festes Mitglied dieses Teams. Hella Diederichs erzählt: „Die Liturgie ist bewusst einfach gehalten und die Andachten folgen so gut wie immer demselben Ablauf: Musik, Lieder, Psalm, Gebet, Textlesung, Stille, Raum für freies Gebet, Vaterunser und Segen.“ An diesem besonderen Tag ist die Andacht musikalisch von Pfarrer Matthias Sehmsdorf am Cello, Wolfgang Eißer an der Violine und Jakob Siecke an der Orgel begleitet worden.

Ökumenische Offenheit

Angelika Frost, die wie Doris Reinacher zum Jubiläum anreiste, ist ergriffen von der Feier. Sie sagt: „Es ist erstaunlich, dass das Morgenlob noch immer fast unverändert stattfindet. Viele neue Menschen sind hinzugekommen, geblieben ist die ökumenische Offenheit und Gemeinsamkeit.“ Im Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin fühle sie sich ähnlich geborgen wie in der kleinen Johanneskirche in Wahlwies. Sie überreicht ein Glasröhrchen mit Splittern der blauen Fenstersteine – für sie ein Bild für die Menschen, die durch das Morgenlob miteinander verbunden sind.

Gemeinschaft am Frühstückstisch

Neben dem Feiern der Andacht ist allen Beteiligten die regelmäßige Gemeinschaft ganz wichtig. „Deshalb frühstücken wir am ersten Donnerstag im Monat nach der Andacht zusammen. Leider ging das Corona bedingt ganz lange nicht, was wir alle sehr bedauern“, so Hella Diederichs. Einmal im Jahr wird ein großes ökumenisches Morgenlob mit anschließendem Frühstück gefeiert, zu dem ausdrücklich auch diejenigen eingeladen sind, die nicht regelmäßig kommen können. Diese Feier findet im jährlichen Wechsel in der evangelischen und der katholischen Gemeinde statt.

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An diesem Donnerstagmorgen versammeln sich die Teilnehmer im Foyer der Roßberghalle, wo ehrenamtliche Helfer ein Frühstücksbüffet aufgebaut und die Tische feierlich eingedeckt haben. Pfarrer Sehmsdorf dankt allen für ihr Engagement und betont: „Kirche lebt vom Ehrenamt.“