Umzüge sind ein Anlass, den angesammelten Bestand zu begutachten und sich von manchen Sachen zu trennen. So erging es auch dem Künstler Gerold Miller, der vor einiger Zeit sein Atelier in Berlin räumen musste. In seinem Fall waren die „Sachen“ Kunstwerke, zu denen eigene Arbeiten und die von Kollegen zählten. Auf die Frage: „Wohin damit?“ lag die Idee nahe, die Arbeiten als Schenkung an Museen zu vergeben. Ein Glücksfall für Museumsleiter Christoph Bauer, 16 Werke von acht Künstlern vermachte Gerold Miller dem Singener Kunstmuseum.

Wie aus heiterem Himmel kam die Schenkung nicht, Bauer und Miller haben sich schon 1993 kennengelernt. „Damals war er Student der Klasse Jürgen Brodwolf und nahm beim Symposium im Umspannwerk teil“ erzählt Christoph Bauer. Seitdem blieb der Kontakt bestehen, Miller avancierte zum erfolgreichen Künstler. Auch Bauer erwarb Arbeiten, und wie er sagt: „Wir sind auch eines der Museen, die eine große Arbeit angekauft haben.“

Schenkungen an das Kunstmuseum sind nicht ungewöhnlich

Gerold Miller war einer der Künstler des Kunstprojektes „Hier Da und Dort“ zur Landesgartenschau 2000, im Jahr darauf zeigte das Kunstmuseum Arbeiten von ihm in einer Ausstellung. Mit der Schenkung erweitert sich der Sammlungsbestand um Werke zeitgenössischer Künstler aus der Euregio Bodensee, die neben den Höri-Künstlern den zweiten Schwerpunkt der Sammlung bilden. Gerold Miller stammt aus Althausen im süddeutschen Raum und hält von seinem Wohnort Berlin bis heute intensive Kontakte in die hiesige Region.

Schenkungen an das Kunstmuseum sind nicht ungewöhnlich, aber wie Christoph Bauer sagt, handle es sich dabei überwiegend um Arbeiten von Höri-Künstlern. „Sie kommen von Leuten aus der Region, die sich der Heimat verpflichtet fühlen und ihre Bilder dem Museum überlassen.“ Es sei schon toll, wenn ein Künstler zeitgenössische Kunst als Schenkung abgibt. Zudem hatte Bauer die Wahl, er konnte in Berlin aus dem Bestand Millers die Werke selbst aussuchen.

Für das Museum ist es auch eine Verpflichtung

„Die Arbeiten müssen in die Sammlung passen und einen Bezug zur Kunst am Bodensee und darüber hinaus einen Stellenwert im Kunstbetrieb haben“, erläutert Bauer. Und er fügt hinzu: „Ich bin froh und dankbar, denn ich könnte nie auf einen Schlag 16 Bilder ankaufen“. Damit befinden sich zur Freude des Museumsleiters im Depot weitere gute Arbeiten: „Je mehr wir haben, umso abwechslungsreicher kann eine Ausstellung mit Werken aus dem Bestand sein.“ Schenkungen wie auch Dauerleihgaben bedeuten für das Museum auch eine Verpflichtung: „Für jedes Kunstwerk, das ins Haus kommt, übernehmen wir die konservatorische und restauratorische Bearbeitung“, weiß Christoph Bauer, dass damit auch Kosten verbunden sind.

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