Zwei Tage Ausnahmezustand, dutzende Polizeibeamte im Dauereinsatz und Tatverdächtige in Handschellen – was sich seit Montagnachmittag in der Rielasinger Straße abgespielt hat, würde sich als Basis für einen Kriminalroman eignen. Für viele Augenzeugen hat es am Montagnachmittag gegen 15 Uhr am Friedrich-Ebert-Platz in der Singener Südstadt begonnen. „Dort sind die Insassen eines Kleinbusses von mehreren Personen attackiert und zum Teil schwer verletzt worden“, berichtet Andreas Mathy von der Staatsanwaltschaft Konstanz am Tag nach der Tat in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Polizei. Womöglich ist der VW Bus von einem Kleinwagen, der später in einer Worblinger Werkshalle gesichert werden konnte, ausgebremst worden. Diese Vermutung legen die Markierungen der Spurensicherung auf der Rielasinger Straße nahe. Anwohner in den angrenzenden Häusern konnten beobachten, wie die Angreifer ihre Opfer aus dem Kleinbus zerrten und auf sie einschlugen. Laut Polizei kam auch mindestens ein Messer zum Einsatz.

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Die Familienfehde hat am Montag und Dienstag zu mehreren Großeinsätzen der Polizei in Singen geführt. Unklar ist laut Polizei bislang noch, weshalb es zu den Auseinandersetzungen kam. Aus dem Kreis der Familie hört man, dass es um Eifersüchteleien gehen soll. Klar ist, dass die Aggressionen, bei denen mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, an diesem Tag gegen 14 Uhr am Herz-Jesu-Platz begonnen haben und etwa eine Stunde später am Friedrich-Ebert-Platz ihre Fortsetzung fanden.

Spuren der Polizeiarbeit am Friedrich-Ebert-Platz.
Spuren der Polizeiarbeit am Friedrich-Ebert-Platz. | Bild: Biehler, Matthias

Bereits zuvor soll es bei der Herz-Jesu-Kirche zu einer Auseinandersetzung der Mitglieder einer syrischen Großfamilie gekommen sein. Kurz vor 14 Uhr sei der Notruf bei der Polizei eingegangen. An der Schlägerei seien bis zu 20 Personen mit Knüppeln und Steinen beteiligt gewesen. Mehrere Polizeistreifen mussten eingreifen, um die Situation zu klären. Zwei 15-Jährige seien leicht verletzt worden, ein 20-Jähriger schwer. Zwei Verdächtige im Alter von 15 und 31 Jahren seien vor Ort festgenommen worden.

Polizeieinsatz am Dienstag in der Rielasinger Straße in Singen.
Polizeieinsatz am Dienstag in der Rielasinger Straße in Singen. | Bild: Arndt, Isabelle

Eine Stunde später kam es zum Angriff am Friedrich-Ebert-Platz, bei dem ein 42-Jähriger so schwer verletzt wurde, dass er laut Polizei im Krankenhaus notoperiert werden musste. „Zwei Mitfahrer im Alter von 28 und 53 Jahren erlitten durch die Attacke schwere Verletzungen“, berichtet Polizeisprecherin Tatjana Deggelmann in der gemeinsamen Pressemitteilung. Beide Personen seien stationär aufgenommen worden, befänden sich inzwischen aber außer Lebensgefahr.

Spuren der Polizeiarbeit am Friedrich-Ebert-Platz.
Spuren der Polizeiarbeit am Friedrich-Ebert-Platz. | Bild: Biehler, Matthias

Zwar sei den Angreifern zunächst die Flucht gelungen. Bei der daraufhin eingeleiteten Fahndung konnte kurze Zeit später laut Polizei aber eines der Fluchtfahrzeuge gestellt und die fünf Insassen vorläufig festgenommen werden. Das zweite Fahrzeug wurde in der Nacht in einer Worblinger Halle aufgefunden. Zudem sei es den Kollegen der Kantonspolizei Schaffhausen gelungen, einen 53-jährigen Tatverdächtigen in seiner Schaffhauser Wohnung festzunehmen.

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Als direkt nach dem brutalen Angriff Filme des Geschehens in den sozialen Medien auftauchten, begann sofort auch die Diskussion um die soziale Verantwortung, da auf einem Video zu sehen ist, wie mehrere Autos einfach vorbeifahren. Auch die Frau, die die Aufnahmen gemacht hat, musste reichlich Kritik einstecken. „Warum dumm filmen, statt zu helfen“, fragen sich die Nutzer des SÜDKURIER-Facebookportals Hegau-Echo. Dabei habe die Frau – wie Marcel DaRin von der Kriminalprävention in Singen gegenüber dem SÜDKURIER erläutert – fast alles richtig gemacht. „Eigenschutz geht in solchen Fällen immer vor“, betont er. Sie habe schnell die Polizei informiert, den Sachverhalt dokumentiert und den Betroffenen Hilfe zukommen lassen. Falsch sei höchstens gewesen, ihren Film im Netz zu veröffentlichen.

Mehrere Festnahmen im Verlauf von 24 Stunden

Rund 24 Stunden nach der Attacke kam es in der Rielasinger Straße in Singen erneut zu einer vielbeachteten Polizeiaktion. Unterstützt von Kollegen der Bundespolizei stürmten teilweise schwer bewaffnete Ermittler das Gebäude des orientalischen Restaurants Palmyra in den Räumen des einstigen Café Erika. Laut Zeugenberichten sollen dabei Personen abgeführt worden sein. Auch in Worblingen sollen die Ermittler Tatverdächtige festgenommen haben. Dass die Polizei fürchtete, es mit gefährlichen Gegnern zu tun zu haben, machte die Zahl der beteiligten Beamten und schwerer Waffen deutlich.

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