Sommer. Das ist normalerweise die Zeit, in der man von einem Konzert zum nächsten Fest eilt, um mit Freunden etwas Leckeres zu essen oder zu trinken. Nicht so 2020, denn in diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders und Veranstaltungen sind sehr spärlich gesät. Dennoch können am Wochenende hunderte Menschen auf dem Rathausplatz sein und Essen aus aller Welt probieren: Das Streetfood-Festival kündigt sich an. Mit einem Hygienekonzept wollen die Veranstalter sicher stellen, dass die Infektionsgefahr gering ist. Das bedeutet weniger Stände, weniger Besucher, aber mehr Aufwand. Andere Veranstaltungen haben sich nicht gerechnet oder stehen wegen der hohen Auflagen noch auf der Kippe.

Viele Festivals mussten ausfallen, doch das in Singen findet statt – nur anders

Es ist eine Zeit des Abwägens: Ist eine Veranstaltung rechtlich möglich und lohnt sie sich überhaupt noch, wenn alle Auflagen erfüllt sind? Stefanie Keller kann das mit Ja beantworten. Sie arbeitet für den Veranstalter Rocking High, der von Bayern aus Streetfood-Festivals in Süddeutschland organisiert. Zum dritten Mal sind sie in Singen – und das trotz Corona planmäßig. „Viele Festivals mussten ausfallen“, erklärt Keller dem SÜDKURIER, doch inzwischen konnten sie verspätet in die Saison starten.

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„Ab 17. Juli ging es für uns wieder so richtig los, wir brauchten ein bisschen Vorlaufzeit“, sagt sie. Ab Freitag (16 bis 22 Uhr) sind sie dann mit voraussichtlich 14 Wagen in Singen präsent. Im Angebot sind auch am Samstag (12 bis 22 Uhr) und Sonntag (11 bis 20 Uhr) beispielsweise niederländische Poffertjes, schwäbische Dinnete, asiatische Bowls oder spanische Churros. Es sind weniger Wagen als sonst, damit Besucher Abstand halten können. Außerdem muss das Gelände eingezäunt werden, um den Besucherstrom überblicken können.

Zaun, Eintritt und eine App helfen bei Hygienekonzept

Denn das Virus bedeutet hohe Auflagen für die Veranstalter: Sie müssen zum Beispiel sicher stellen, dass höchstens 500 Menschen auf dem Rathausplatz sind. Das soll mit einer App gelingen, die Mitarbeiter am Ein- und Ausgang bedienen. Damit soll außerdem online abrufbar sein, wie viele Menschen es sich momentan schmecken lassen. „So können Besucher selbst schauen, ob sie direkt vorbeikommen können“, sagt Stefanie Keller. Mit diesem System hätten sie bereits gute Erfahrungen gemacht, lange Wartezeiten habe es nicht gegeben.

Allgemein beobachtet sie, dass Menschen die Gelegenheit nutzen, mal wieder etwas zu unternehmen – auch wenn das bedeutet, Abstand zu halten und einmalig seine Kontaktdaten anzugeben. Doch das seien viele schon gewohnt.

Im vergangenen Jahr war das Coronavirus noch kein Thema: Es gab keinen Zaun, keinen Eintritt, dafür einen Alleinunterhalter und Kinderschminken.
Im vergangenen Jahr war das Coronavirus noch kein Thema: Es gab keinen Zaun, keinen Eintritt, dafür einen Alleinunterhalter und Kinderschminken. | Bild: Rocking High

Mehr Aufwand für weniger Besucher: Es braucht Eintritt, damit sich das für die Veranstalter rechnen kann

Für die Veranstalter bedeutet das Festival mehr Arbeit, denn ein Sicherheitsmann wird die Einhaltung der Corona-Verordnung prüfen und Mitarbeiter werden regelmäßig die Tische reinigen. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei Euro, Kinder bis 14 Jahren sind frei. Letztere müssen allerdings auf Kinderschminken verzichten, auch der Alleinunterhalter darf nicht auftreten. Dennoch würden sie gerne in den Hegau kommen, betont Stefanie Keller: „Singen war bisher mit eine der besten Locations.“

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Weinfest hätte sich mit Restriktionen nicht gelohnt

Solche Restriktionen haben unter anderem dazu geführt, dass es Anfang Juli kein Weinfest in Singen gab: „Nur mit 500 Personen würde sich das für uns wirtschaftlich nicht darstellen lassen“, erklärt Tommy Spörrer, Geschäftsführer von der Agentur Event Promotions. Er hadert allerdings mit dieser pauschalen Regelung des Landes: „Uns ist klar, dass Veranstaltungen nicht mehr so sein werden, wie sie mal waren,“ sagt er. Sie würden viele Konzepte erarbeiten, um Besucher beispielsweise zu lenken und Abstand zu ermöglichen.

Für Spörrer ist aber fraglich, warum ein großer Freizeitpark mit tausenden Besuchern öffnen darf und das lokale Weinfest auf 500 Besucher begrenzt wäre. „Ein Weinfest lebt auch davon, dass dort viele Besucher zusammen kommen können“, sagt er nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr.

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Verschieben? Auch das war schwer

Zwischenzeitlich hätten sie überlegt, die Veranstaltung in den September zu verlegen, doch auch dann sei die Begrenzung problematisch. Und ab Mitte September seien die Winzer ohnehin mit der Weinernte beschäftigt. Laut der Stadtverwaltung Singen ist das die Regel: Die Stadt hätten keinen ablehnenden Bescheid erteilt. Das heißt, dass Veranstalter selbst die Notbremse ziehen. Den Kollegen vom Streetfood-Festival drückt Tommy Spörrer die Daumen: Es sei zu begrüßen, wenn wieder Veranstaltungen stattfinden.

Burger sind ein klassisches Streetfood, die Singener Firma Büffel Bill ist auch beim Festival am Wochenende in Singen dabei. Im Bild Alica Kayersberg und Martin Jaser.
Burger sind ein klassisches Streetfood, die Singener Firma Büffel Bill ist auch beim Festival am Wochenende in Singen dabei. Im Bild Alica Kayersberg und Martin Jaser. | Bild: Büffel Bill

„Lichtblick, dass es wieder los geht“

Das findet auch Martin Jaser. Er ist mit Büffel Bill einer von zwei lokalen Anbietern auf dem Streetfood-Festival und freut sich darauf – nicht nur, weil es ein Heimspiel sein wird. „Wir haben diese Festivals schmerzlich vermisst, weil wir im direkten Kontakt auch unsere Idee erklären können.“ Zu Jahresbeginn waren noch zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche geplant, im Rückblick auf das bisherige Jahr waren es insgesamt kaum ein Dutzend. Vergangene Woche waren sie in Krumbach bei Günzburg, die Besucher dort waren laut Martin Jaser noch vorsichtig. „So soll es ja auch sein. Für mich ist es aber ein Lichtblick, dass es wieder los geht.“

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