In einem Punkt sind sich Stadträte und Stadtverwaltung schon länger einig: Der Parksuchverkehr in der Singener Innenstadt soll verringert werden. Doch wie dies geschehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während die einen einen Lösungsteilansatz in einem neuen Parkhaus in der Bahnhofstraße sehen, setzen andere auf den Faktor Zeit und wollen erst ein abschließendes Mobilitätskonzept abwarten. Fest steht aber: Der ansteigenden Parksuchverkehr nervt, und zwar alle, wie in der jüngsten Doppelsitzung der Ausschüsse der Stadtwerke und für Stadtplanung, Bauen und Umwelt deutlich wurde.

Zwei Arbeiter auf dem Weg zu ihren Wägen. Diese stehen in der Tiefgarage unter dem Herz-Jesu-Platz, mitten in der Singener Innenstadt.
Zwei Arbeiter auf dem Weg zu ihren Wägen. Diese stehen in der Tiefgarage unter dem Herz-Jesu-Platz, mitten in der Singener Innenstadt. | Bild: Tesche, Sabine

Auf einen Schlag 319 Stellplätze in der Stadt schaffen, könnte das neue Parkhaus in der Bahnhofstraße westlich des Obdachlosenheimes. Laut Architekt Volkmar Schmitt-Förster liege das Parkhaus strategisch gesehen günstig. In etwa 200 Meter Entfernung sei das Cano, an dessen Höhe sich das Objekt mit rund 20 Metern laut Schmitt-Förster orientieren werde. Auf 13 Ebenen soll parken möglich sein, die Zu- und Ausfahrt für Autos soll auf der Nordseite der Bahnhofstraße liegen.

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Schmitt-Förster rechnet mit Kosten von rund 5,8 Millionen Euro für das Bauprojekt. Bauherr sollen die Stadtwerke Singen sein. Laut Planer Schmitt-Förster sollen die Außenfassade und das Dach komplett begrünt werden. Fünf bis sieben Jahre werde es laut dem Planer dauern, bis das Grün dann am höchsten Punkt angelangt ist.

Die Abrissarbeiten am Parkhaus in der Julius-Bührer-Straße, Ecke Rielasinger Straße, haben begonnen. Es soll mit einem Neubau aufgestockt werden. Bild: Albert Bittlingmaier
Die Abrissarbeiten am Parkhaus in der Julius-Bührer-Straße, Ecke Rielasinger Straße, haben begonnen. Es soll mit einem Neubau aufgestockt werden. Bild: Albert Bittlingmaier | Bild: Bittlingmaier, Albert

Wichtiger Teil des Stadtentwicklungsprozesses ist ein entsprechendes Parkraumkonzept. Wolfgang Rapp vom Unternehmen Rapp Trans AG stellte dies in der Sitzung vor. Haupttenor des mehrseitigen Werkes ist: Mehr Lebensraum in der Innenstadt soll durch eine Reduzierung des oberirdischen Parkraums geschaffen werden. Dadurch soll auch der Umstieg auf alternative Mobilitätsformen erfolgen. „Singen weist eine hohe Motorisierung auf“, sagte Rapp.

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Zudem sei Singen die einzige Stadt in der Region, in der das oberirdische Parken etwa in Parkbuchten billiger sei als in unterirdischen Parkhäusern. Ein weiterer Baustein des Parkraumkonzeptes: Langzeitparker wie etwa Berufspendler sollen in die städtischen Außenbereiche verlagert werden. „Man kann nicht erwarten, dass Berufspendler ihren Parkplatz direkt vor der Arbeitsstelle haben“, so Rapp. Ein Fußweg von zehn bis 15 Minuten, sei seiner Aussage nach, angemessen.

Beschluss soll im kommenden Jahr fallen

Das geplante Parkhaus in der Bahnhofstraße bezeichnete Rapp als wichtigen Bestandteil des Parkkonzeptes. Auch weil das neue Cano-Parkdeck mit rund 500 Plätzen dem Eigenbedarf des Centers diene. Im Detail soll das Parkkonzept in einer Klausurtagung des Gemeinderates im Januar 2021 diskutiert werden, im März soll ein abschließender Entscheid fallen. Beide Ausschüsse stimmten sowohl dem Parkkonzept als auch dem Bau des Parkhauses mit einer knappen Mehrheit zu.

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Die Meinungen bei den Ausschussmitglieder gehen auseinander

In der abschließenden Diskussion zum Parkkonzept und dem geplanten Parkhaus in der Bahnhofstraße spaltete sich der Ausschuss in zwei Lager. Zu teuer und nicht das, was man wolle, sagen die Gegner. So günstig wie zum jetzigen Zeitpunkt bekomme man ein neues Parkhaus nie wieder, entgegnen die Befürworter.

  • Das sagen die Befürworter: Gleich zu Beginn der Sitzung machte OB Bernd Häusler seinen Standpunkt deutlich: „Dieses Parkhaus ist dringend erforderlich, um uns im innerstädtischen Bereich von Parkplätzen zu verabschieden.“ Einen Großteil der Kosten werde die Stadt den Stadtwerken zur Verfügung stelle, so Häusler. Auch Dirk Oehle (Neue Linie) sprach sich für das Parkhaus aus: „Wir wollen den Verkehr in der Innenstadt reduzieren, aber irgendwo müssen die Leute ja parken.“ Langfristig brauche man das Parkhaus, um weitere Projekte in der Innenstadt anzupacken. Zustimmung gab es auch von Klaus Niederberger (CDU): „So günstig wie jetzt kommen wir nie wieder an ein Parkhaus. Das liegt auch an den Fördersummen.“ Mit dem Parkhaus würde man den Parksuchverkehr eindämmen. Michael Burzinski (FW) erklärte, wer heute für einen Bau des Parkhaus stimme, sei ein Visionär. „Eine lebenswerte Innenstadt erhalten wir nur, wenn wir Autos an einem Ort zentrieren – und das kann nicht die Innenstadt sein“, sagte er.
  • So sehen es die Gegner: Walafried Schrott befürchte, dass man mit dem Parkhaus in der Bahnhofstraße den dritten vor dem ersten Schritte mache. „Das Parken ist Teil eines Mobilitätskonzeptes und dies fehlt uns nach wie vor“, betonte er. Ein Bedarf für das Parkhaus sei für ihn ohne ein Mobilitätskonzept noch nicht erwiesen. Eberhard Röhme (Grüne) kritisierte den Zeitpunkt der Entscheidung. Man habe keinen Zeitdruck und wisse noch nicht, was sonst in der Stadt noch alles in Sachen Mobilität realisiert werden soll. „Ein neues Parkhaus wird den Parksuchverkehr nicht reduzieren“, so Röhm. Sein Antrag, den Beschluss nicht zu fassen, fand im Gremium allerdings keine Mehrheit. Kirsten Brößke (FDP) gab zu bedenken, dass es ein Irrglaube sei, dass sich die Autos, die jetzt da seien, durch ein Parkhaus in Luft auflösen werden. (mgu)

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