Wer von Singen aus nach Radolfzell – oder anders herum – möchte, der steht aktuell auf der Radolfzeller Straße vor einem unüberwindbaren Hindernis. Denn die Bundesstraße 34 ist derzeit kurz nach dem Ortsschild Singen bis kurz vor dem Kreisverkehr zur Querspange zur Südstadt für den Verkehr komplett gesperrt. Kein Durchkommen, weder für Autos noch für Radfahrer.

Bild: Cornelia Müller/SK

Der Grund: Die Thüga Energienetze GmbH errichtet dort ein neues Schalthaus. Im Zuge dieser Maßnahme wird auch ein Kabelkanal unter der Bundesstraße 34 und dem Radweg verlegt. Die Vollsperrung soll bis zum 3. November dauern. Doch was wird dort eigentlich genau gemacht? Bei einem Baustellenbesuch des SÜDKURIER haben die beiden Projektleiter Stefan Filipic und Erwin Gräble Einblicke in die umfangreichen Arbeiten gegeben und erklärt, wieso eine temporäre Vollsperrung einer der Singener Hauptverkehrsachsen unumgänglich ist.

Morgens, halb zehn auf der Baustelle

Mit gelben Warnwesten und je einem Baustellenhelm auf dem Kopf wird der SÜDKURIER von Stefan Filipic und Erwin Gräble beim Baustellenrundgang begrüßt. Eine lange Aufwärmrunde zum Kennenlernen gibt es nicht, schließlich zählt auf der Baustelle jede Minute. „Wir wollen die Sperrung nicht länger aufrecht erhalten als unbedingt nötig“, sagt Filipic.

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Um auch in Zukunft eine zuverlässige und sichere Versorgung mit Strom zu ermöglichen, investiert die Thüga in Singen in ein neues Schalthaus, das neben der Kernstadt auch die Orte Beuren an der Aach und Friedingen versorgt. Die Leistung des bisherigen Schalthauses wird um mehr als die Hälfte auf dann über 60 Megawatt erhöht und es beinhaltet die neueste Schaltanlagentechnik. Filipic und Gräble rechnen mit einer Investition, die sich im mehrere Millionen-Euro-Bereich bewegen werde. Die genauen Kosten wollen sie nicht preisgeben.

Die Aushubarbeiten an der Bundesstraße 34 erfordern schweres Gerät und Fingerspitzengefühl. Im Hintergrund ist das alte Schalthaus der Thüga zu sehen. Es soll durch einen Neubau ersetzt werden.
Die Aushubarbeiten an der Bundesstraße 34 erfordern schweres Gerät und Fingerspitzengefühl. Im Hintergrund ist das alte Schalthaus der Thüga zu sehen. Es soll durch einen Neubau ersetzt werden. | Bild: Matthias Güntert

Was sie aber verraten: Die Baustelle ist keine gewöhnliche. Denn hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das hängt auch damit zusammen, dass eine der Hauptleitungen Singens unter der B34 verläuft. Und diese gelte es zum einen sehr sanft auszugraben, um sie dann später sehr behutsam gegen den neuen Kabelkanal auszutauschen. „Sonst steht Singen ohne Strom da. Wir bauen immer mit Versorgung und im Betrieb“, sagt Gräble. Dafür werden die alten Leitungen nach und nach auf die neuen umgestellt.

Die Bauarbeiten für den Kabelkanal sind in vollem Gange.
Die Bauarbeiten für den Kabelkanal sind in vollem Gange. | Bild: Matthias Güntert

Der neue Kabelkanal wird unter dem Radweg verlegt und nach seiner Fertigstellung rund 40 Meter Länge messen. Dafür werden etwa 20 zwei Meter lange Betonteile im Erdboden vergraben. Alternativ wäre auch eine Stahlrohrpressung möglich gewesen. Doch die Thüga habe sich laut Filipic gegen diese Variante ausgesprochen. Und dies aus gutem Grund: „Das bietet unter anderem den Vorteil, dass wir im Falle einer Störung auf dieser Kabelstecke ohne Beeinträchtigung der Bundesstraße arbeiten können und dadurch schnell und effizient Störungen beheben können“, erklärt Filipic.

Nichts geht mehr: Kurz nach dem Ortschild in Richtung Radolfzell ist die B34 gesperrt.
Nichts geht mehr: Kurz nach dem Ortschild in Richtung Radolfzell ist die B34 gesperrt. | Bild: Matthias Güntert

Aktuell laufen die Aushubarbeiten für den Kanal und das neue Schalthaus auf der Bundesstraße 34. Danach wird mit dem Rohbau des Schalthauses begonnen. Dieser soll Ende November starten. „Wir planen mit einer Fertigstellung bis zum Sommer 2022“, sagt Erwin Gräble.