Sandra Baindl

Nachdem Sie schon zweimal beim Theo, dem Berlin-Brandenburgischen Preis für Junge Literatur, erfolgreich waren, wurden Sie nun auch zum zweiten Mal beim Treffen der jungen Autor:innen, dem Literaturwettbewerb der Berliner Festspiele, mit 20 weiteren Autoren aus 354 Einsendungen ausgewählt. Herzlichen Glückwunsch! Wie kam es dazu?

Bei diesem Wettbewerb winkt als Preis ein Treffen der jungen Schriftsteller mit Lesungen, Workshops und Textwerkstätten. Vor zwei Jahren hatte ich dort zum ersten Mal gewonnen. Leider fand das Treffen damals wegen Corona nur online statt. Weil ich das einmal live erleben wollte, habe ich mich nochmal beworben.

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Bei Ihrem letzten Wettbewerb waren Sie mit einem Text über eine zwischenmenschliche Entfremdung erfolgreich. Was für Texte haben Sie dieses Mal eingereicht?

Dieses Mal standen wieder eher gesellschaftskritische Texte im Vordergrund. Das macht mir doch am meisten Spaß, da sehe ich das meiste Spannungspotenzial. Mein Text „Ströme“ spielt in einer Stadt in Kamerun, der Heimat meines Vaters. 2017 waren wir dort zu Besuch. Die Stadt hat mich extrem beeindruckt. Afrika ist einfach so grundverschieden von Europa. Das war eine Reise, von der ich noch immer sehr zehre. Beim Text „Schuhe“ spielten sowohl der zwischenmenschliche als auch der gesellschaftskritische Aspekt eine Rolle.

Blick Richtung Zukunft: Die Autorin möchte die ersten 40 bis 80 Seiten ihres ersten Romans als Bachelorarbeit schreiben.
Blick Richtung Zukunft: Die Autorin möchte die ersten 40 bis 80 Seiten ihres ersten Romans als Bachelorarbeit schreiben. | Bild: Nina Marschner

Was zeichnet Ihre Texte aus?

Ich habe mittlerweile einen eigenen Stil gefunden und mag es, mit eindringlichen bis ekelerregenden Bildern zu arbeiten. Es gibt Motive, die immer wieder auftauchen. Das möchte ich weiter vertiefen.

Ihr Traum, am Deutschen Literatur-Institut einen der raren Studienplätze zu bekommen, ist in Erfüllung gegangen. Sie wurden von mehreren hundert Bewerbern gemeinsam mit 19 anderen ausgewählt und studieren nun in Leipzig Literarisches Schreiben. Neben einem Abiturschnitt von 1,3 konnten Sie Ihre Literaturpreise in Ihrer Bewerbung anführen. War das entscheidend, um dort einen Studienplatz zu bekommen?

Für die Aufnahme am Institut waren die Textproben das Allerwichtigste, der Abiturschnitt hatte praktisch keinen Einfluss. Wir wurden noch zu einem einstündigen Eignungstest eingeladen und richtig ausgequetscht.

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Was darf man sich unter Literarischem Schreiben vorstellen?

Zum einen gibt es praktische Schreibwerkstätten, wo wir handwerkliche Dinge lernen und unsere Texte besprechen, zum anderen haben wir noch Theorieseminare. Dort geht es zum Beispiel um Literaturwissenschaften. Für die Seminare müssen wir extrem viel lesen, und dann brauche ich noch Zeit, um meine eigenen Texte zu schreiben. Wir arbeiten mit drei festen Professoren und wechselnden Gastdozenten. Das sind Literaturkritiker, Lektoren oder Autoren, die neue Impulse bringen.

Haben Sie im Studium auch andere Autoren wiedergetroffen, die Sie schon von den Wettbewerben kannten?

Ja, in der Tat. Generell sind in diesem Studiengang viele Teilnehmer der Wettbewerbe. Allein in meinem Jahrgang sind wir zu viert, die beim Treffen der jungen Autor:innen dabei waren.

Wie soll es nach dem Studium bei Ihnen weitergehen?

Viele fangen schon während des Studiums an, sich um Stipendien zu kümmern, damit sie nach Ende des Studiums gleich einen Anschluss haben, oder versuchen schon während des Studiums Kontakte zum Literaturbetrieb zu knüpfen. Wir lernen in den drei Jahren auch schon viele Autoren kennen. Jeder in diesem Studiengang hat eigentlich das Ziel, vom Schreiben leben zu können.

Ihr Traum war es ja, einen Roman zu schreiben. Wie sieht es damit aktuell aus?

Ich möchte die ersten 40 bis 80 Seiten meines Romans als Bachelorarbeit schreiben. Das ist ein guter Ansporn für mich. Diesen Anfang kann ich dann an Agenturen schicken. Wenn diese die Idee gut finden, kann ich das weiter verfolgen. Man sollte nicht gleich einen ganzen Roman fertig schreiben. Wenn man einen kompletten Roman schreibt, und die Idee ist nicht richtig ausgereift, dann ist da auch nichts mehr zu retten. Da verschwendet man einfach zu viel Zeit.

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Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?

Dass ich mein Schreiben weiterentwickle und meine Angst vor dem leeren Blatt überwinde. Das Institut ist ein guter Rahmen, denn jeder schreibt hier, dadurch schreibt man automatisch auch selbst mehr. Denn wenn man nichts schreibst, kann man nichts veröffentlichen und dann auch kein Geld damit verdienen.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute im Studium!