Sein Alter sieht man Wolfgang Bangert nicht an, erst vor Kurzem feierte er seinen 85. Geburtstag. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat der gebürtige Hamburger in Überlingen am Ried verbracht, wo er 1972 eine Heimat fand und sich im Dorfleben engagierte.

„Heimat hat für mich immer etwas mit Menschen zu tun, und die habe ich hier gefunden“, erklärt Bangert. Er sei auf der Suche nach Heimat gewesen, denn bedingt durch den Beruf des Vaters lebte die Familie zeitweise in Innsbruck, Mülhausen im Elsass und in Singen.

Das Bedürfnis, sich im Dorf einzubringen

„Es war mir immer ein Bedürfnis, mich für die verschiedenen Bereiche in unserem Dorf einzubringen“, sagt er mit Blick auf seine ehrenamtlichen Tätigkeiten im kirchlichen und sozialen Bereich. Auch in der politischen Gemeinde war er 20 Jahre lang als Ortschaftsrat aktiv und übernahm anschließend für fünf Jahre das Amt des Orstvorstehers in Überlingen.

Die Liste seines Engagements ist lang, Wolfgang Bangert meint schmunzelnd: „Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht Nein sagen kann.“ Nach Orden und Auszeichnungen, darunter ein Kreuz von Papst Benedikt XVI, wurde ihm auch die Stauffermedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen.

Gründungsmitglied der Singener Tafel

Heimat beinhaltet für ihn, auch Menschen eine Heimat zu ermöglichen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Das war sein Gedanke als Gründungsmitglied der Singener Tafel, die einen Ort der Begegnung schafft, und während seiner Tätigkeit als Aufsichtsrat beim Familienheim Bodensee, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Noch heute ist Bangert in drei Vereinen engagiert, er ist Pfarrgemeinderat in der Seelsorgeeinheit Aachtal und Vorsitzender im Perukreis.

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Seine Ehefrau Roswitha Bangert sagt: „Es gibt immer wieder etwas Neues, wo man sich angesprochen fühlt und einbringen kann.“ Als 2015 die Flüchtlingswelle auch in diese Region schwappte und sich Helferkreise bildeten, fühlten sich beide angesprochen. Im SÜDKURIER lasen sie über den Unterstützerkreis in Rielasingen-Worblingen und nahmen Kontakt auf.

Emotionale Begegnung mit Flüchtlingsfamilien

Es blieb nicht bei einem Besuch: „Wir waren emotional so stark berührt, dass wir spontan unsere Mitarbeit zusicherten“, denkt Bangert an die erste Begegnung mit Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft Rosenegg zurück. Viele bürokratische Hürden mussten überwunden werden, das Schwierigste jedoch sei für sie beide die Wohnungssuche für zwei Familien gewesen.

„Es ist uns gelungen“, sagt Roswitha Bangert erleichtert, für die fünfköpfige Familie Moustafa und die Familie Aitah mit vier Personen hätten sie mit großem Einsatz eine Wohnung gefunden. Daraus erwuchs eine freundschaftliche Beziehung, die bis heute gepflegt wird.

Engagement für verarmte Dörfer in Peru

Bangerts Blick ging auch über Grenzen hinweg. Als 1987 in der damaligen Pfarrgemeinde Überlingen eine Gruppe den Perukreis gründete, übernahm er von Anfang an den Vorsitz. Dieses Projekt galt einer Dorfgemeinschaft mit 700 Familien, die im Andenhochland auf 3780 Meter Höhe lebt.

Nach vier Perureisen und Gegenbesuchen verknüpft Bangert mit den Menschen dort viele schöne Erinnerungen, er sagt sogar: „Peru ist meine zweite Heimat geworden.“ Noch heute steht er telefonisch und über WhatsApp in Kontakt mit Padre Facundino und dem Lehrer aus dem Ort, zu seinem 85. Geburtstag erhielt er von ihnen auch Glückwünsche.

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Menschen eine Heimat schaffen war auch hier sein besonderes Anliegen. „Um die Abwanderung in die Großstadt Lima zu stoppen, wollten wir Hilfestellung zur Selbsthilfe geben und Lebensbedingungen schaffen, die in ihrer Heimat möglich sind“, erläutert Bangert. Begonnen mit einer Suppenküche folgten Nähmaschinen und Webstühle, mittlerweile liege der Schwerpunkt auf Bildung. Dank der Spenden und Aktivitäten der Perukreismitglieder konnten Computer angeschafft werden, das Schulgebäude erweitert, ein Kindergarten eingerichtet und Stipendien vergeben werden.

Hilfe zur Selbsthilfe leisten

Er erinnert sich gut an seine erste Reise nach Peru im Jahr 2000. Roswitha Bangert reiste mit und war wie ihr Mann berührt von der Herzlichkeit der Menschen. Das sei für sie der Auslöser gewesen, Spanisch zu lernen, um die Verständigung zu verbessern. Ihren Einsatz für Peru sehen beide als große Bereicherung: „Man erhält einen Blick auf das Weltgeschehen, die Menschen dort stehen auf der Schattenseite des Lebens, sie sind mit wenig zufrieden und fröhlich“, man lerne seine eigene Situation zu schätzen.

„Armut vor Ort nicht außer acht lassen“

„Uns macht es glücklich, Menschen zu unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, freut sich Bangert, dass das Projekt sehr befriedigend abgeschlossen werden konnte.

Aber es geht weiter, seit 2017 wird eine andere Gemeinde in den Anden unterstützt. Neben dem Perukreis liegen ihm die Singener Tafel und die Flüchtlingshilfe besonders am Herzen: „Man darf die Armut vor Ort nicht außer Acht lassen“, meint Wolfgang Bangert.

Zur Serie

An die 5000 Leser aus dem Landkreis Konstanz haben an der SÜDKURIER-Umfrage „Jetzt mitreden“ teilgenommen und dabei die Wichtigkeit verschiedener Themen bewertet. Dabei wurde immer wieder der Wunsch geäußert, mehr über Menschen zu erfahren, die sich für andere engagieren. In der Serie „Der gute Geist“ stellen wir solche Menschen vor.