Die Feuerwehr Radolfzell ist künftig mit einem der modernsten Rettungsboote am gesamten Bodensee ausgestattet. Das neue Feuerwehrboot wurde vergangene Woche in Romanshorn eingewassert und jetzt überführt. Es ist das letzte von vier Booten des gleichen Typs, die das Land Baden-Württemberg angeschafft hat. Die anderen Boote sind in Friedrichshafen, Überlingen und Konstanz stationiert. Das Radolfzeller Exemplar ist für den Untersee zuständig, kann aber bei Bedarf auch an den Obersee gesandt werden.

Mit dem neuen Boot ist die Feuerwehr Radolfzell in der Lage, verschiedenste Situationen zu bewältigen. Dabei kommt es der sprichwörtlichen eierlegenden Wollmilchsau schon sehr nahe: Denn mit der Technik an Bord sind zum Beispiel Brände zu löschen, Eis- und Wasserrettung möglich oder auch Öl- und Schadensabwehr kein Problem.

Ganz schön eng: Andreas Knäble zwischen den zwei 550 PS starken Dieselmotoren unter Deck des Rettungsbootes.
Ganz schön eng: Andreas Knäble zwischen den zwei 550 PS starken Dieselmotoren unter Deck des Rettungsbootes. | Bild: Jarausch, Gerald

Entsprechend erfreut zeigte sich Radolfzells Bürgermeisterin Monika Laule: „Wir freuen uns, dass Radolfzell einer der vier Standorte geworden ist“, sagte sie bei der offiziellen Übergabe an der Anlegestelle. Wo das immerhin 17,4 Meter lange und knapp fünf Meter breite Boot in Zukunft konkret liegen wird, ist allerdings noch nicht entschieden. In jedem Fall muss die Stelle noch ausgebaggert werden, denn mit 1,20 Meter Tiefgang gibt es in Radolfzell keinen Standort, der die nötige Wassertiefe über das gesamte Jahr garantieren kann.

Das Boot muss zudem rund um die Uhr einsatzbereit sein – dazu wird es am Liegeplatz permanent an das Stromnetz angeschlossen. Nur so können die zwei Dieselmotoren mit jeweils 550 PS sofort die volle Leistung erbringen.

Freuen sich über die neuen Möglicheiten des hochmodernen Rettungsbootes: Fachbereichsleiter Helmut Richter (rechts) mit seinen Kollegen Thomas Meinel (links) und Tobias Oechsle im Radolfzeller Hafen.
Freuen sich über die neuen Möglicheiten des hochmodernen Rettungsbootes: Fachbereichsleiter Helmut Richter (rechts) mit seinen Kollegen Thomas Meinel (links) und Tobias Oechsle im Radolfzeller Hafen. | Bild: Jarausch, Gerald

Auch sonst ist das Boot bis in das letzte Detail durchdacht: „Wir haben das Rad nicht neu erfunden, sondern uns nur von allen anderen das Beste abgeschaut und übernommen“, erklärte Andreas Knäble von der Feuerwehr Konstanz. Er war nicht nur bei der Entwicklung des Bootes dabei, sondern bildet aktuell die ersten vier Radolfzeller Feuerwehrleute auf dem Boot aus. Diese wiederum werden dann weitere Kameraden in der Bedienung anleiten und sie ausbilden.

Ausstattung für Einsätze an schwierigen Stellen

„Wir wollen 15 bis 20 Bootsführer haben“, erläuterte Helmut Richter, Leiter des städtischen Fachbereichs Feuerwehr und Bevölkerungsschutz. Diese können sich auf modernste Technik einstellen. „Das ist ein Quantensprung bei der Nautik“, betonte Andreas Knäble bei der Vorstellung und Übergabe des Bootes. Es besitzt unter anderem zwei Echolote, von denen eines nach vorne ausgerichtet ist, um auch bei schlechten Sichtverhältnissen Menschen oder Dinge finden zu können. Außerdem ermöglicht diese Ausstattung den Einsatz an schwierigen Stellen: „Wir fahren da hin, wo sonst keiner hingeht“, erklärte Knäble.

Ausbilder Andreas Knäble aus Konstanz im Führerstand des neuen Rettungsbootes.
Ausbilder Andreas Knäble aus Konstanz im Führerstand des neuen Rettungsbootes. | Bild: Jarausch, Gerald

Wichtige technische Dinge sind auf dem Boot mindestens zwei Mal vorhanden, um immer handlungsfähig zu sein. Zwei Motoren, zwei Kreiselpumpen, die die Wasserwerfer mit jeweils 2000 Liter versorgen können, Generatoren und viele andere Dinge, die die Rettung und den Schutz der Bevölkerung etwas leichter machen, als das bisher der Fall war. Denn das Rettungsboot ist „wie ein großes Hilfeleistungsboot ausgestattet“, erklärte Helmut Richter.

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Trotz der hohen Investitionskosten von 1,6 Millionen Euro pro Boot ist man beim Land Baden-Württemberg hochzufrieden mit den vier Exemplaren, berichtete Andreas Knäble. Man sei nicht nur innerhalb der Kostenberechnung geblieben, sondern habe qualitativ sehr hochwertige Boote erhalten. Diese wurden nach einer europaweiten Ausschreibung von einer Werft in Finnland gebaut.

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