Das gab es in Überlingen noch nie: Die Freiwillige Feuerwehr hat zum ersten Mal überhaupt ein Feuerlöschboot. Im Osthafen Überlingen, wo es auch in Zukunft stationiert sein wird, hat das Aluminiumboot am Donnerstag um 16.30 Uhr erstmals angelegt – unter Aufsicht von Vertretern der Wasserschutzpolizei und der Landespolizei.

Die Wasserschutzpolizei wartet vor dem Osthafen auf das Feuerlöschboot.
Die Wasserschutzpolizei wartet vor dem Osthafen auf das Feuerlöschboot. | Bild: Julian Widmann

Eingewassert wurde das Feuerlösch- und Arbeitsboot, wie es korrekt bezeichnet wird, in der vergangenen Woche in der Schweizer Hafenstadt Romanhorn. Vor der Ankunft in Überlingen war es dann noch einige Tage in Konstanz: „Da wurden die finalen Arbeiten erledigt“, sagt Daniel Dillmann, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen.

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Bei einem Blick auf die technische Ausstattung, Herstellung und Eigenschaften wird deutlich: Das Spezialschiff hat es in sich. „Das ist ohne Zweifel ein tolles Boot“, stellt Dillmann fest. Gebaut wurde es von „Kewatec Aluboat“, einem finnischen Unternehmen, der Kaufpreis betrug rund 1,7 Millionen Euro.

Höchstgeschwindigkeit von bis zu 46 Stundenkilometern

Alleine in die Elektronik mussten 80 000 Euro investiert werden, für die Beladung sogar 200 000 Euro. Mit zwei 550-PS-Antriebsmotoren ausgestattet – bei einer Länge von rund 17, einer Breite von knapp fünf, einem Tiefgang von gut einem Meter und einem Eigengewicht von von 20 000 Kilogramm – erreicht es eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 46 Stundenkilometern. Schnell und gleichzeitig wendig ist es also. Zudem ist es an die Gegebenheiten des Bodensees angepasst.

Das neue Feuerlöschboot ist mit modernster Technik, wie zum Beispiel einer Wärmebildkamera, ausgestattet.
Das neue Feuerlöschboot ist mit modernster Technik, wie zum Beispiel einer Wärmebildkamera, ausgestattet. | Bild: Julian Widmann

Christian Gorber, der in den kommenden Wochen und Monaten bei der Feuerwehr Überlingen die Übungseinsätze mit dem neuen Arbeitsboot koordinieren wird, freut sich. Er stellt fest, dass das rot-weiße Wasserfahrzeug eine ganz neue Größenordnung sei: „Das Boot hat viele wertvolle Eigenschaften“, sagt der erfahrene Feuerwehrmann.

Er zählt zwei Beispiele auf: „Für die Brandbekämpfung hat es die neueste Technik. Und auch die Scheinwerfer sind sehr gut. Dadurch ist es auch nachts möglich, Menschen aus der Ferne zu erkennen“, sagt er.

Christian Gorber mit den Vertetern der Wasserschutz- und Landespolizei beim Rundgang auf dem Boot.
Christian Gorber mit den Vertetern der Wasserschutz- und Landespolizei beim Rundgang auf dem Boot. | Bild: Julian Widmann

Es sind viele Aufgaben, die die Feuerwehr mit dem neuen Boot in Angriff nehmen wird. Neben dem Schutz des Trinkwasserspeichers vor Verunreinigungen, der Öl- und Schadensabwehr sowie Lösch- und Rettungseinsätzen werde der Schwerpunkt die technische Hilfeleistung sein: „Such- und Seenoteinsätze, das ist die wahrscheinlich wichtigste Anforderung an uns“, so Gorber. Mit der Ausstattung sei es beispielsweise auch möglich, bei einem Herzinfarkt bereits auf dem Boot adäquate Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten.

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Das Gefährt mit dem Kennzeichen FN 1178 ist also, wie Pressesprecher Dillmann erklärt, alles andere als nur ein teures Spielzeug. Denn für die Freiwillige Feuerwehr bedeute es „wahnsinnig viel“ ehrenamtliches Engangement. „Bis das Boot zielführend eingesetzt werden kann, dauert es noch eine Weile“, so Dillmann. Realistisch sei in seinen Augen, dass die ersten Einsätze zum Jahreswechsel stattfinden.

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Christian Gorber ergänzt in dieser Hinsicht: „Für die kommende Saison sind wir tiptop gerichtet.“ In den nächsten Monaten gehe es nun darum, Routine zu entwickeln: „Das Boot muss nachts um drei bei Sturm und Regen sicher beherrscht werden. Zudem müssen wir uns auf Hilfeleistungen aller Art einstellen können“, erklärt Gorber.

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Der Organisator rechne etwa mit einem Vorlauf von drei Monaten, bis die Feuerwehr bereit für Einsätze sei. Fest steht für ihn: Die Anforderung, das „schwimmende Hilfeleistungsfahrzeug“ (Gorber) zu beherrschen, sei enorm hoch.

Bootsführer Thomas Schnell von der Überlinger Feuerwehr.
Bootsführer Thomas Schnell von der Überlinger Feuerwehr. | Bild: Julian Widmann

Ein erstes Boot vor 30 Jahren

Gab es da nicht schon einmal ein Feuerwehrboot in Überlingen, vor etwa 30 Jahren? Mancher feuerwehrinteressierte ältere Einwohner mag da eine Erinnerung haben. „Ja, das stimmt“, bestätigt Feuerwehrmann Gorber, „etwa ein halbes Jahr war das Boot damals in Überlingen.“

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Dieses Schiff sei aber kein Feuerlöschboot gewesen, sondern eher eine schwimmende Arbeitsplattform. „Weil es damals keinen vernünftigen Liegeplatz hatte, kam es dann aber recht schnell nach Konstanz.“

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