Radolfzell – Von Anfang an stand für die Trachtengruppe Alt-Radolfzell fest, ihr 100-jähriges Bestehen nur in kleinem Rahmen zu feiern. „Wir wollten lieber etwas Bleibendes schaffen“, unterstreicht der Vorsitzende Wolfgang Weidele, zumal es ein glücklicher Zufall sei, dass das Jubiläum ins Heimatjahr falle, wo man zahlreiche Möglichkeiten habe, sich zu präsentieren.

So wurde die Idee geboren, das alte Bändchen „Iiszapfe zum Schlozze – vu me Seehas„ mit Mundartgedichten von Pfarrer Hermann Sernatinger, dem Gründer der Trachtengruppe Alt-Radolfzell, neu aufzulegen und ihm gleichzeitig einen moderneren Rahmen zu geben. „Nicht nur als Hommage an unseren Gründervater, sondern weil mir radolfzellerisch schwätzed und in unseren Gruppen den Dialekt aus dem Herzen heraus pflegen“, bekräftigt die stellvertretende Vorsitzende Romy Bromma. „Die Gedichte von Pfarrer Sernatinger haben einen ganz eigenen Humor und Charakter und sind es einfach auch würdig, dass man sie weiterleben lässt“, macht sie deutlich.

Sentimental-romantisch, humorig, ja sogar spitzfindig sind die in Radolfzeller Mundart verfassten Gedichte von Pfarrer Hermann Sernatinger (1870 – 1950). Im Jahr 1911 zunächst in der örtlichen Zeitung veröffentlicht, wurden sie später unter dem Titel „Iiszapfe zum Schlozze – vu me Seehas„ in einem Büchlein zusammengefasst, das erstmals 1938 unter diesem Titel und zuletzt 1989 in einfacher Form aufgelegt wurde. Damals noch illustriert mit zwölf Reproduktionen von Holzschnitten des Künstlers Wilhelm Müllerzell.

„Die Gedichte von Pfarrer Sernatinger haben einen ganz eigenen Humor und Charakter und sind es einfach auch würdig, dass man sie weiterleben lässt.“Romy Bromma, stellvertretende Vorsitzende von Alt-Radolfzell
„Die Gedichte von Pfarrer Sernatinger haben einen ganz eigenen Humor und Charakter und sind es einfach auch würdig, dass man sie weiterleben lässt.“Romy Bromma, stellvertretende Vorsitzende von Alt-Radolfzell

Doch nicht nur dem Radolfzeller Dialekt hatte sich Hermann Sernatinger verschrieben. Er war geradezu beseelt von der Idee, eine Trachtengruppe in seiner Heimatstadt zu gründen, was ihm 1921 tatsächlich gelang. Ein Vorhaben, das nicht nur mit dem sentimental-romantischen Gemüt Hermann Sernatingers harmonierte, sondern sehr gut in den damals vorherrschenden Zeitgeist passte, der auch andernorts zu Neugründungen von Trachtengruppen führte.

Hinleitungen in hochdeutscher Sprache

Für das neue Büchlein „Iizzapfe zum Schlozze – Gedichte und Geschichte(n)“ wurden die Mundartgedichte Hermann Sernatingers ergänzt durch hochdeutsche Hinleitungen zum besseren Verständnis für all jene, die nicht mit der Radolfzeller Mundart aufgewachsen sind. Unter dem Stichwort „no ebbes“ sind diese Hinleitungen versehen mit ergänzenden Informationen zur Radolfzeller Geschichte oder Begebenheiten, die sich in den Gedichten oft Anekdoten gleich finden.

Gleichzeitig hat das Buch gegenüber früheren Ausgaben eine deutliche inhaltliche Erweiterung erfahren durch ausführliche Texte zum Leben Hermann Sernatingers sowie der Geschichte der Trachtengruppe Alt-Radolfzell. Vorangestellt gibt ein Einführungstext nicht nur einen Ausblick auf das, was die Leser in dem Buch erwartet, sondern auch einen Einblick in den Dialekt sowie den gesellschaftlichen Umgang und Stellenwert der Mundart.

Die Trachten von Alt-Radolfzell im Video

Eine Wissenschaft für sich: Lesen und sehen Sie hier, was es mit den Trachten der weiblichen und männlichen Mitglieder von Alt-Radolfzell auf sich hat.

Die Macher der Neuauflage von „Iiszapfe zum Schlozze“

Ergänzt sind die überarbeiteten Texte durch die Illustrationen des Radolfzeller Malers und Grafikers Christian Dierks. In seiner unvergleichlichen Art zu zeichnen und zu malen lässt er Inhalte optisch lebendig werden. Für die Idee, Konzeption und Realisierung des Buches sowie für die Texte zeichnet die Radolfzellerin Brigitte Robers, Textmanufaktur Silben-Hain, verantwortlich. Das Vorwort stammt aus der Feder von Radolfzells Stadtpfarrer Heinz Vogel.