Der frühe Vogel fängt den Wurm, heißt es so schön. Aktuell kann man aber eher sagen: Der frühe Vogel findet am Wochenende einen Platz am See. Denn Temperaturen über 30 Grad und Ferienzeit machen vor allem die schattigen Plätze am Ufer heiß begehrt. Ich selbst gehöre ja eher zur Kategorie „Der frühe Vogel kann mich mal“, denn Ausschlafen gehört für mich am Wochenende dazu. Aber wer in Ruhe ein paar Bahnen schwimmen möchte und sein Handtuch lieber unter einen Baum legen will, muss sich entscheiden: Schlafen oder Baden?

Früh aufstehen und einen Platz im Schatten sichern

So begann der Badeausflug mit meiner Schwester am Samstag recht früh. Um 10 Uhr betraten wir das Radolfzeller Seebad und waren bei Weitem nicht die ersten Gäste. Der als Kontaktformular-Behälter umfunktionierte Mülleimer fühlte sich recht voll an. Und auch etliche begehrte Schattenplätze waren bereits belegt. Dennoch fanden wir einen Platz nah am Wasser, nah am Kiosk, mit vorbildlichem Abstand zu den übrigen Besuchern – perfekt.

Techno für die gesamte Wiese

Weniger perfekt war ein junger Mann, der in der prallen Sonne lag und über sein Handy-Lautsprecher uns und alle anderen auf der Wiese mit Techno-Musik beschallte. Im Internet wird Männern gerne „mansplaining“ vorgeworfen, also dass Männer Frauen ungefragt Dinge erklären, die diese bereits längst wissen. Gibt es das auch umgekehrt? Gibt es auch „womansplaining“? Ich hätte den jungen Mann nämlich gerne über die Existenz von Kopfhörern aufgeklärt. Manchmal sind selbst die zwei Meter Corona-Abstand nicht genug.

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Mit den Stunden füllte sich das Seebad zusehends und im Schatten wurde es enger. Aus den zwei Metern Abstand wurden 1,5 Meter, dann ein Meter. Am Ende quetschte sich jeder auf jeden noch so kleinen Schattenplatz. Die Angst vor einem Sonnenbrand wiegt mehr als die vor Corona. Für uns, die wir seit dem Morgen dort lagen, wurde es Zeit zu gehen.

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Die Lücke, die wir auf der Wiese hinterließen, löste einen regelrechten Nachbarschaftskrach zwischen zwei Handtuchparteien aus. Auf der linken Seite Vater, Mutter, Kind und Oma. Auf der rechten Seite eine junge Mutter mit Kleinkind. Blitzschnell zog die ältere Dame das Familienhandtuch in die Mitte, die junge Frau protestierte. Die Kinder brauchen Platz, argumentierte die Jüngere, die Erwachsenen auch, hielt die Ältere dagegen. Wie der Streit ausging, haben wir nicht mehr mitbekommen.

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Wir haben in der aufgehitzten Situation lieber das Weite gesucht. Zumindest übertönt so eine Diskussion Techno-Musik aus dem Handy.

Zur Kolumne: Das Corona-Tagebuch der Redaktion Radolfzell begreift sich als hoffentlich vorübergehende Erscheinung.

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