Montag, 3. August, im Büro: Berlin ist nicht fern, das Fehlen von Anstand und Abstand ist kein Alleinstellungsmerkmal von Demos auf der Straße des 17. Juni. Das gibt es auch in Radolfzell. Auf dem Schreibtisch liegt der Ausdruck einer Mail. Darin beklagt sich der Verfasser eines Leserbriefs, dass er nach der Veröffentlichung wütende Anrufe und ein anonymes Schrei­ben bekam. Es ging nicht um Corona, es ging ums Baden im See. Auch das ist kein Grund, allen Anstand fahren zu lassen und eine Erörterung unterschiedlicher Argumente jenseits der Benimmregeln zu suchen. Der Leserbriefschreiber bittet uns: „Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie einen Kommentar in Ihrer Zeitung anbringen könnten, dass es nicht in Ordnung ist, auf Leserbriefe in solch einer Art und Weise zu reagieren.“ Was wir hiermit tun. Es ist ganz und gar nicht in Ordnung. Hier unserer Appell: Bitte rufen Sie Autoren eines Leserbriefs nicht an und beschimpfen sie, falls Sie anderer Meinung sind. Gerne können Sie ihre Ansicht zu einem lokalen Thema in einen Leserbrief fassen. Schicken Sie ihn an die Mail-Adresse radolfzell.redakt­ion­@suedkurier.de mit der Angabe einer Telefonnummer, damit wir die Echtheit des Briefs überprüfen können. Bitte verzichten Sie auf beleidigende Inhalte, sie werden nicht veröffentlicht. Vielen Dank für das Verständnis.

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Donnerstag, 6. August, auf dem Marktplatz: Kurz vor 14 Uhr huscht Stadtpfarrer Heinz Vogel vom Münster zurück ins Pfarrhaus. Eigentlich hätte er Mittagspause, doch von seiner Küche aus im zweiten Obergeschoss hat er entdeckt, dass die Seitentüre der Kirche offen steht. Das ist schlecht. Dreck und Staub werden hereingeweht, warme Luft tut dem Inventar wie Orgel und Gebälk nicht gut. Also spurtet der brave Kirchenmann von seiner Küche zur Kirche und wird beim Zurückspurten mit einem freundlichen „Grüß Gott Herr Pfarrer“ gestoppt. Aber kaum dreht er sich um und beschreibt, warum er so schnell des Weges sei, sieht er: Schon wieder steht die Kirchentüre offen. „Wahrscheinlich könnte ich den ganzen Tag hin und her wetzen“, seufzt Pfarrer Vogel. Also auch hier ein Appell: Offene Kirchentüren heißt nicht, die Türen zum Münster offen stehen lassen.

Trotz der Marke „Corona“: Keine Angst vor diesem Zweirad.
Trotz der Marke „Corona“: Keine Angst vor diesem Zweirad. | Bild: Jarausch, Gerald

Freitag, 7. August, in der Scheffelstraße: Der neue Trend zum Fahrradfahren hat einen Beschleuniger – Corona. Das leibhaftige Virus-Radel ist immer wieder mal in der Scheffelstraße zu besichtigen. Doch bitte nicht den, die Fahrer*in beschimpfen, er, sie kann nichts dafür. Die Zweirad-Einkaufsgenossenschaft (ZEG) hat Räder mit dem Namen „Corona„ auf die Straße gebracht, lange bevor das Virus uns das Leben so schwer gemacht hat.

Zur Kolumne: Das Corona-Tagebuch der Redaktion Radolfzell begreift sich als hoffentlich vorübergehende Erscheinung.

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