Radolfzell will sich auf den Weg machen, eine Radfahrstadt zu werden – schließlich trägt die Stadt das Wort Rad im Namen. Doch bis es soweit ist, bedarf es noch ein ganzes Stück Arbeit, wie die Sitzung des Ausschusses für Planung, Umwelt und Technik deutlich zu Tage brachte. Dabei drückt die Stadtverwaltung auf das Tempo. Statt sich auf eine gemächliche Radtour zu begeben, wollen die Stadtverwaltung und die Ausschussmitglieder diverse Teile im neuen Radverkehrsnetz gleich einer Sprintstrecke auf dem Rennrad realisieren. „Um zeitnahe Verbesserungen der Radverkehrsführung in Radolfzell zu erhalten, liegt der Fokus dieser ersten Details auf kurzfristig umsetzbare Maßnahmen“, betonte Manuel Jobi, Radverkehrsbeauftragter der Stadt. Größere Straßenumbaumaßnahmen stehen deshalb nicht an. Das hat die Stadtverwaltung vor:

Überführung in der Böhringer Straße

Mit einer einfachen Überführung des Radweges im Bereich der Glascontainer soll die Situation für Radfahrer entschärft werden. Eine größere Variante, die laut OB Martin Staab allerdings dieses Jahr nicht mehr umsetzbar gewesen wäre, werde damit nicht kommen. Diese hätte die vollständige Schließung des Rechtsabbiegeverkehrs aus Richtung Böhringen kommend und die Verlegung des Radweges vorgesehen. Was nach Angaben von Jobi allerdings zu einer Mehrbelastung des Knotenpunktes Haselbrunnstraße/Friedhofstraße von bis zu 18 Prozent geführt hätte. „Das ist jetzt schon eine der frequentiertesten Straßen“, sagte er. Christof Stadler von der CDU bezeichnete eine Abnabelung der Straße als fatal: „4000 Fahrzeuge mehr bringen noch längere Staus.“

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Parklücken müssen in der Konstanzer Straße weichen

Die bisher geplanten Längsstreifen für parkende Autos wird es nach Beschluss des Ausschusses nicht mehr geben. Zumindest auf der östlichen Seite der Konstanzer Straße. Aus Sicherheitsgründen, wie Manuel Jobi erklärte: „Diese haben Einfluss auf die erforderlichen Sichtfelder, insbesondere die der vorfahrtsberechtigten Radfahrer.“

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Ein entsprechender Antrag von Norbert Lumbe (SPD) wurde vom Gremium bewilligt. „Eine Änderung der bisherigen Planung ist denkbar, sonst müssen die Radfahrer immer um die Autos herumkurven“, sagte er. Auf Nachfrage teilte die städtische Pressestelle mit, dass zehn Parkplätze zwischen der Uhland-und der Goethtestraße wegfallen werden.

Mehr Abstellplätze in den Ortsteilen

Laut Jobi fehlt es gerade in den Ortsteilen an abschließbaren Fahrradgaragen und -boxen. Gerade in Böhringen sei die Situation unübersichtlich. „Der Auslastungsgrad der Fahrradabstellanlagen in Böhringen liegt bei 200 Prozent“, so Jobi.

Weil zu wenig Abstellplätze am Bahnhof Böhringen zur Verfügung stehen, stellen die Radfahrer ihr Gefährt am Geländer der Bahnunterführung ab.
Weil zu wenig Abstellplätze am Bahnhof Böhringen zur Verfügung stehen, stellen die Radfahrer ihr Gefährt am Geländer der Bahnunterführung ab. | Bild: Jarausch, Gerald

Bernhard Diehl (CDU) pflichtete ihm bei: „Die Situation ist chaotisch. Die Räder werden zum Teil am Brückengeländer angekettet.“ Gerade durch die Pendler sei der Böhringer Bahnhaltepunkt stark frequentiert. Auch in Markelfingen seien kaum Plätze zu bekommen, auch dort liege die Auslastung bei 100 Prozent. Um die Situation zu entschärfen, sollen zeitnah nun neue Abstellplätze geschaffen werden. Jobi rechnet mit Ausgaben von rund einer Millionen Euro. 320 000 Euro werden vom Land gefördert, der städtische Eigenanteil belaufe sich somit auf 680 000 Euro, rechnete Manuel Jobi im Ausschuss vor.

Einheitliche Fahrradbügel in der Stadt

14 verschiedene Modelle gibt es in der Stadt. Dieser Umstand soll sich ändern: In naher Zukunft sollen alle Fahrradbügel in Radolfzell dem gleichen Model entsprechen. Laut Manuel Jobi sollen insgesamt 600 Stück an den Eingängen zur Altstadt sowie am Rathaus aufgestellt werden. Er rechne mit Kosten von 300 Euro pro Stück. Zusätzliche Standorte sind zudem am Milchwerk vorgesehen.

Edelstahlbügel wie am Seebad sollen künftig der Standard in Radolfzell werden.
Edelstahlbügel wie am Seebad sollen künftig der Standard in Radolfzell werden. | Bild: Jarausch, Gerald

„Diese Maßnahme soll Radfahrern ermöglichen, ihre Räder am Rande der Altstadt geordnet und bequem abzuschließen“, so Jobi. Für OB Staab sei zudem ein Fahrradparkhaus am Bahnhof denkbar.

Eine neue Beschilderung soll es richten

Neben den größeren Veränderungen im Radverkehrskonzept wurde auch eine ganze Reihe an kleineren Maßnahmen im Ausschuss für Planung, Umwelt und Technik diskutiert.

  • Die Beschilderung: „Wir wollen keine verirrten Fahrradfahrer mehr auf der Mettnau haben, die eigentlich nach Konstanz wollen“, betonte Siegfried Lehmann (FGL). Deshalb soll das städtische Wegweissystem, das laut Stadtverwaltung bisher unsystematisch erfolgte, erneuert werden. Auch das Land wird seine Beschilderung entlang des Routenplaners „RadNETZ BW“ optimieren.
  • Die Höristraße: Die Höristraße bekommt einen größeren Schutzstreifen. Auf Empfehlung eines Sicherheitsauditors wird er von 1,25 auf 1,50 Meter verbreitert. Er sei damit so breit, wie der Schutzstreifen in der Konstanzer Straße, so Jobi. Die Planung sieht auch eine Bevorrechtigung der Höristraße vor. Soll heißen: Rechts vor Links wird dort aufgehoben. „Wenn wir dort einen roten Streifen schaffen und Sicherheit suggerieren, dann müssen wir mit einer entsprechenden Beschilderung diese auch gewährleisten“, sagte OB Staab. Thilo Sindlinger (FGL) sprach sich für die „Ausbreitung des roten Teppichs“ aus, um den Radverkehr in der Stadt attraktiver zu machen.