Mumps, Läuse, Masern, Pocken, Aids, Hepatitis, Syphilis und Tuberkulose sind nur eine Auswahl an Krankheiten, mit denen sich das Gesundheitsamt befasst. Wegen der Corona-Pandemie sind diese in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich in den Hintergrund getreten, aber sie gibt es trotzdem. Für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes keine leichte Aufgabe, dies alles unter einen Hut zu bringen.

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Laut Stefan Basel, Sozialdezernent im Landratsamt, gibt es im Landkreis inzwischen keine Corona-Verdachtsfälle mehr. Zwar ist damit etwas Druck von den Mitarbeitern genommen, aber der Arbeitsaufwand bleibt nach wie vor hoch. Hannes Winterer, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes und Leiter des Sachgebiet Gesundheitsschutz, beschreibt das so: „Statt um zehn Uhr abends gehe ich um halb sieben nach Hause.“

Großes Engagement

Gestemmt werden konnte die zusätzliche Arbeit nur durch das große Engagement der Mitarbeiter, bekräftigen Basel und Winterer. „Die meisten der zu 50 oder 70 Prozent Beschäftigten haben auf 100 Prozent aufgestockt. Zwei Ärzte sind aus dem Ruhestand zurückgekommen“, erläutert Winterer.

Das Amt für Gesundheit und Versorgung befindet sich seit dem Jahr 2005 in der Scheffelstraße 15 in Radolfzell.
Das Amt für Gesundheit und Versorgung befindet sich seit dem Jahr 2005 in der Scheffelstraße 15 in Radolfzell. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Die so langsam eintretende Ruhe ist jedoch nur scheinbar. Zwar werden die unmittelbaren Aktivitäten rund um Corona weniger und die vorgehaltenen Einrichtungen zurückgefahren, andererseits bedarf es geeigneter Pläne und Strukturen, falls es zu einem erneuten Aufflammen der Corona-Pandemie kommt. Darauf ist das Gesundheitsamt vorbereitet. Schnell können die Kapazitäten im Landkreis Konstanz, die in den vergangenen Wochen geschaffen wurden, wieder hochgefahren werden – wie zum Beispiel die Corona-Testzentren in Konstanz und Singen. Diese werden bald außer Betrieb genommen, können aber rasch wieder aktiviert werden. In Hochzeiten wurden dort innerhalb einer Woche 1200 Tests durchgeführt. „Im Zeitraum vom 15. Juni bis zum 21. Juni wurden landkreisweit 710 Tests durchgeführt, in der Vorwoche waren es 740“, sagt Winterer.

Alte Aufgaben warten

Aber auch die viele liegengebliebene Arbeit muss in den kommenden Wochen und Monaten aufgearbeitet werden. Hannes Winterer benennt drei Sachgebiete, die im Gesundheitsamt angesiedelt sind. Das öffentliche Gesundheitswesen umfasst unter anderem die Überwachung von Hygienevorschriften in Krankenhäusern und Pflegereinrichtungen, Schwimmbädern und Badegewässern, Camping- und Zeltlagerplätze und Tattoo- und Nagel-Studios. Hebammen und Heilpraktiker müssen sich beim Gesundheitsamt anmelden. Kritisch beobachtet wird auch die Entwicklung multiresistenter Keime, also Bakterien, die widerstandsfähig gegen viele verschiedene Antibiotika sind.

„Gestemmt werden konnte die zusätzliche Arbeit nur durch das große Engagement der Mitarbeiter“ – Stefan Basel, Sozialderzent Landratsamt Konstanz, über die Hochzeit der Corona-Pandemie
„Gestemmt werden konnte die zusätzliche Arbeit nur durch das große Engagement der Mitarbeiter“ – Stefan Basel, Sozialderzent Landratsamt Konstanz, über die Hochzeit der Corona-Pandemie | Bild: Nikolaj Schutzbach

Dann gibt es auch den Bereich Kinder und Jugend. Dieser kümmert sich beispielsweise um Kinder im Vorschulalter. Die Mitarbeiter erörtern, ob der Nachwuchs Förderbedarf etwa in Sachen Sprache benötigt, erstellen Gutachten bei behinderten Kindern und Schulverweigerern, haben einen Blick auf sogenannte Hauskinder, die nicht in einen Kindergarten oder Kita gehen, und auf die Kinder, bei denen möglicherweise eine Vernachlässigung droht.

„Gesundheitsförderung, Berichterstattung und Prävention ist der dritte Bereich, der seit Jahren an Wichtigkeit gewinnt“, erklärt Winterer. Stefan Basel erklärt, was unter anderem angeboten wird: Krebsleitfaden, Händewaschkurse für Kinder und die Sonnenschutztage, bei denen das richtige Eincremen vermittelt wird. Es soll Kindern, pädagogischen Fachkräften und Eltern zu einem gesunden Umgang mit der Sonne motivieren. Unter der Bezeichnung „Daten für Taten“ wird fortlaufend die Gesundheitssituation und das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung erhoben. „Diese Daten sind Grundlage für Maßnahmen zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit und zur Überprüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen“, schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Homepage.

„Die meisten der zu 50 oder 70 Prozent Beschäftigten haben auf 100 Prozent aufgestockt. Zwei Ärzte sind aus dem Ruhestand zurückgekommen.“ – Hannes Winterer, Gesundheitsamt Konstanz, über das Arbeitsvolumen in Corona-Zeiten
„Die meisten der zu 50 oder 70 Prozent Beschäftigten haben auf 100 Prozent aufgestockt. Zwei Ärzte sind aus dem Ruhestand zurückgekommen.“ – Hannes Winterer, Gesundheitsamt Konstanz, über das Arbeitsvolumen in Corona-Zeiten | Bild: Franz Domgörgen

Sorgen ernst nehmen

Laut Stefan Basel gibt es noch einen klassischen vierten Bereich im Gesundheitsamt, der jedoch zurückgehe, weil etwa niedergelassene Ärzte Gutachten erstellen dürfen. Eine große Rolle spiele das Amt weiterhin im psychiatrischen Bereich, etwa wenn es um die gesetzliche Betreuung gehe, beispielsweise nach einem Schlaganfall. „Das ist ziemlich aufwendig“, betont Basel.

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Großen Aufwand bedarf es auch für die Beantwortung der vielen Fragen, die an die Fachleute herangetragen werden. „Wir möchten die Sorgen der Menschen ernst nehmen“, bekräftigt Hannes Winterer. Basel erzählt von einem Anruf wegen Geruchsbelästigung durch einen Marihuana rauchenden Nachbarn, der dies aus medizinischen Gründen durfte. Der Belästigte wollte wissen, ob er es sich damit einer Gesundheitsgefahr aussetze.

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