Marie-Luise Weber vom Gesundheitsamt im Landkreis hat es vorausgesehen: Anfang der vergangenen Woche erklärte sie mit positivem Blick in die Zukunft: „Wenn wir diese Woche keinen neuen bestätigten Fall mehr bekommen, sind wir mit etwas Glück kommende Woche coronafrei.“ Dieser Fall ist nun tatsächlich eingetreten: Nachdem der letzte bestätigte Covid-19-Patient keine Symptome mehr zeigte, gab es im Landkreis Konstanz laut Landratsamt zum gestrigen Stand keine bekannten aktuellen Infektionsfälle mehr.

Allerdings: Nur weil keine neuen Fälle mehr nachgewiesen wurden, bedeutet das nicht, dass das Corona-Virus wirklich vollständig aus dem Landkreis verschwunden ist. Denn die offiziell angegebenen Infektionszahlen müssen die Realität nicht zwingend vollständig widerspiegeln – es gibt eine Dunkelziffer, da etwa Menschen, die keine oder nur milde Symptome zeigen und daher auch nicht getestet werden, zumeist nicht erfasst werden.

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„In Sicherheit wiegen können wir uns nicht“

Und die aktuelle Situation bedeutet daher auch nicht, dass im Kreis Konstanz keine Gefahr mehr besteht, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Das Landratsamt Konstanz will den Kreis darum bewusst nicht offiziell für „coronafrei“ erklären. Laut Jens Bittermann von der Pressestelle von der Behörde handelt es sich um einen „kleinen Etappensieg„, dass derzeit keine aktuellen Krankheitsfälle bekannt sind. Er betont aber auch: „In Sicherheit wiegen können wir uns aber nicht, denn die aktuellen regionalen Beispiele in Deutschland, zum Beispiel Gütersloh und Göttingen, zeigen die Unberechenbarkeit des Corona-Virus.“ In den Städten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen war es zu großen Ausbrüchen des Virus gekommen.

Göttingen in Niedersachsen: Weil es zu einem Ausbruch des Corona-Virus gekommen ist, wurde ein Wohnhaus unter Quarantäne gestellt.
Göttingen in Niedersachsen: Weil es zu einem Ausbruch des Corona-Virus gekommen ist, wurde ein Wohnhaus unter Quarantäne gestellt. | Bild: Swen Pförtner

Und dass schon innerhalb kürzester Zeit neue Infektionen bekannt werden können, zeigt sich auch am Landkreis Waldshut und dem Bodenseekreis, die beide Ende Mai als „coronafrei“ galten. Nur wenige Tage nach Verkündung der guten Nachricht gab es in den Kreisen wieder neue an Covid-19 erkrankte Personen.

Regeln weiter beachten

Am 6. März war der erste Infektionsfall im Landkreis Konstanz bekannt geworden. Seitdem sind laut Landratsamt 505 Personen an dem Coronavirus erkrankt, 15 davon sind verstorben. Insgesamt wurden rund 17.700 Tests seit Beginn der Pandemie durchgeführt, derzeit sind es laut Jens Bittermann zwischen 300 und 400 pro Woche.

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Weil die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen immer weiter abgenommen hat, sind das Hegau-Bodensee-Klinikum in Singen und das Klinikum Konstanz wieder langsam zum Normalbetrieb zurückgekehrt, wie die Pressesprecherin des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz, Andrea Jagode, erklärt. Allerdings – so betont sie – spricht der Gesundheitsverbund von einer „neuen Normalität“, die an die aktuellen Umstände angepasst ist und darum nicht genau der Situation an den Kliniken vor Ausbruch der Pandemie entspricht. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Corona-Stationen verkleinert wurden und wieder ambulante Sprechstunden angeboten werden. Allerdings werden die geltenden Corona-Auflagen strikt beachtet und darum etwa Abstands- oder Hygieneregeln eingehalten.

Kliniken können schnell reagieren

Sollte es aber wieder zu einem Ausbruch des Corona-Virus kommen, so können die Kliniken ihre Notfallpläne wieder umsetzen und die Corona-Stationen wieder einrichten. „Die Strukturen werden dann in einem halben bis einem Tag wieder aufgenommen“, sagt Andrea Jagode. Damit es dazu aber gar nicht erst kommen muss, appelliert Jagode an die Vernunft der Bevölkerung: „Wichtig ist, dass die Leute jetzt nicht leichtsinnig werden.“ Die geltenden Maßnahmen sollten weiterhin tunlichst eingehalten werden.

Nicht in falscher Sicherheit wiegen

Das betont auch Jens Bittermann vom Landratsamt Konstanz. Wie er erklärt, bestehen regelmäßig Verdachtsfälle, denen das Gesundheitsamt nachgeht. „Wir rechnen daher weiterhin mit neuen Infektionen, bis ein Wirkstoff gegen das Virus auf dem Markt ist.“ Und er sagt weiter: „Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit wiegen und unsere bisherigen Fortschritte bei der Eindämmung des Virus mit einem zu lockeren Umgang riskieren.“ Nach wie vor sollten die wichtigsten Auflagen wie die Abstandsregeln eingehalten, die eigene Hygiene beachtet und ein Mund-Nasen-Schutz, soweit vorgeschrieben, konsequent getragen werden. Vor allem in geschlossenen Räumen sei Vorsicht geboten.

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Sollte es aber in Zukunft wieder zu einem Anstieg der Zahlen kommen, sieht sich ebenso wie der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz auch das Landratsamt in der Lage, schnell zu reagieren und entgegen zu steuern. Laut Jens Bittermann ist man „sehr gut vorbereitet“.

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