Die Zahl der an Covid-19-Erkrankten im Kreis ist nicht so hoch wie in vielen Nachbarlandkreisen. Doch sie steigt und es ist nicht anzunehmen, dass sich dieser Trend in naher Zukunft umkehrt.

1. Wie hoch sind die Fallzahlen im Kreis?
Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Landkreis momentan bei 149. Die Zahl der aktuell Infizierten beträgt 674, 27 mehr als am Vortag (Stand: 8. November). „Die Lage spitzt sich zu“, sagt Landrat Zeno Danner in der Corona-Konferenz des Landratsamts. „Die Fallzahlen steigen überall, auch bei uns.“

2. Wie steht es um die Belegung der Kliniken?
Noch ist die Lage in den Kliniken des Landkreises nicht dramatisch. Derzeit sind in den HBK-Kliniken Singen und Radolfzell zwölf Patienten in Isolation, drei davon liegen auf der Intensivstation in Singen, fünf Patienten sind in Radolfzell auf der Allgemeinstation. Dort würden aber bereits andere Stationen für Corona-Patienten freigeräumt, erläutert Frank Hinder, Ärztlicher Direktor des Singener Klinikums. Am Konstanzer Klinikum gibt es aktuell vier Covid-19-Patienten, alle auf der Normalstation, berichtet Ivo Quack, Leiter der Zentralen Notaufnahme. „Allerdings haben wir sehr viele Patienten mit anderen Erkrankungen“, sagt Quack. Warum die Zahl der stationären Corona-Patienten noch verhältnismäßig niedrig ist, ist schwer zu sagen. „Wir wissen auch nicht, warum wir so ein Glück haben“, formuliert Hinder es. Der Mediziner vermutet aber, dass die Impfquote im Landkreis deutlich über den dokumentierten 64 Prozent liegt, möglicherweise, weil sich relativ viele Bewohner in der Schweiz impfen ließen und diese Zahlen in der Statistik bislang noch fehlen.

3. Welche Erkrankungen sorgen sonst für eine Belastung der Krankenhäuser?
Es seien im Moment nicht nur die Corona-Erkrankten, die die Aufmerksamkeit der Mediziner erforderten. Es gebe viele Atemwegsinfekte, daneben etliche Freizeit- und Sportverletzungen; zudem Hochbetagte, die nach Stürzen versorgt werden müssten, berichtet Ivo Quack. Außerdem gebe es etwa zehn Prozent mehr psychiatrische und Suchterkrankungen als vor der Pandemie.

4. Ist damit zu rechnen, dass die Intensivstationen im Kreis an ihre Grenzen stoßen?
Ja. Voraussichtlich wird in Baden-Württemberg in den kommenden Tagen, um den 13. November, die Alarmstufe erklärt. Sie tritt ein, wenn die Zahl der von Covid-19-Patienten belegten Intensivbetten landesweit mehr als 390 beträgt (oder bei einer Hospitalisierungsinzidenz von 12). Es wird für den Landkreis kein Vorteil daraus entstehen, dass die Hospitalisierungsquote hier geringer ist als anderswo in Baden-Württemberg. Es werde dann zunehmend Verlegungen von Patienten aus anderen Krankenhäusern in den Kreis Konstanz geben, sodass auch hier die Intensivstationen voll werden dürften. „Ich denke nicht, dass sich das vermeiden lässt“, glaubt Danner. Aktuell seien bereits Corona-Patienten aus dem Allgäu aufgenommen worden, berichtet Hinder.

5. Was ist dran am Gerücht, dass auf den Intensivstationen mehr Geimpfte als Ungeimpfte liegen?
So gut wie nichts. Frank Hinder ärgert sich über „Meinungsmache“ in dieser Form. Richtig sei, dass es auch bei zweifach geimpften Personen zu einer Corona-Infektion kommen könne. Sofern der Patient vorerkrankt sei, etwa durch ein geschwächtes Immunsystem, könne diese auch schwer verlaufen: „Das ist aber die absolute Ausnahme.“ Am GLKN lägen noch nicht ausreichend Fallzahlen vor, um klare Aussagen über den Anteil der Impfdurchbrüche an der Gesamtzahl der Covid-19-Patienten zu treffen, sagt Stefan Bushuven, Chefarzt der Krankenhaushygiene. Es bestehe aber Grund zur Vermutung, dass die Zahlen den Berechnungen des RKI entsprächen. Demnach waren rund zehn Prozent der Corona-Intensivpatienten in Deutschland geimpft, dies galt für August und September. Seither steige der Prozentsatz der geimpften Intensivpatienten allerdings – was aber mit der gestiegenen Zahl an Geimpften zusammenhänge. Zur Erinnerung: Der Impfstoff schützt vor einer Erkrankung nicht zu 100 Prozent, sondern zu 80 bis 90 Prozent.

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6. Wie steht es um den Fachkräftemangel am GLKN?
Wie überall in Deutschland machen sich die Belastungen des Pflegepersonals auch im Kreis Konstanz bemerkbar. Es gebe nur wenige Kündigungen, berichtet der Konstanzer Notaufnahme-Leiter Ivo Quack. „Aber alle Krankenpfleger sind nach fast zwei Jahren Pandemie müde, alle hofften, die vierte Welle würde nicht so schlimm.“ Viele reduzierten ihre Arbeitszeit, um sich Erholung zu verschaffen, und der Krankenstand sei hoch. „Etwa 20 Prozent der Betten sind dadurch bei uns nicht betriebsbereit.“