Zwei Jahre Corona liegen hinter uns und es ist kein Ende in Sicht. Die Omikron-Variante verbreitet sich schnell. Die sich rasant ändernden Regeln zur Bekämpfung der Pandemie sind für die Menschen eine Herausforderung, ganz besonders im grenznahen Raum, wo der Austausch durch Verunsicherung gehemmt wird. Ein Blick in die Region zeigt jedoch auch, dass in vielen Bereichen schon eine gewisse Routine herrscht.

Das Handwerk musste erfinderisch werden

Viele Betriebe aus der Region pflegen rege Geschäftsbeziehungen in die Schweiz. Die waren im Frühjahr 2020 durch den harten Lockdown jedoch extrem erschwert.

Aktuell habe sich die Lage aber wieder entspannt, wie Laura Fischer, verantwortlich für Außenwirtschaft bei der Handwerkskammer Baden-Württemberg international, erklärt: „Weil die Schweiz Baden-Württemberg als Grenzregion eingestuft hat, entfallen die Auflagen für das Handwerk weitgehend“, sagt die Beraterin.

Anfänglich große Belastung

Anfangs seien viele deutsche Unternehmer frustriert gewesen, weil sie ihre Ware nicht ausführen konnten. Handwerker waren mit Materialkäufen für ihre Schweizer Kunden in Vorleistung gegangen und konnten diese nicht zeitnah auslösen. Das habe die Betriebe enorm belastet.

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Davon ist heute aber nicht mehr die Rede. Das Hauptproblem sei jetzt vielmehr, dass sich die Corona-Regeln auf beiden Seiten der Grenze sehr häufig und sehr kurzfristig änderten. Dennoch könnten deutsche Betriebe ihre Aufträge in der Schweiz weitgehend uneingeschränkt ausführen.

Das Problem seien eher die allgemeinen Aufenthaltsbestimmungen. „Ausländische Betriebe dürfen maximal 90 Tage in der Schweiz tätig sein“, so Fischer.

2G-Plus-Regelung belastet Handel und Gastronomie in Innenstädten

Lena Häsler ist Handelsreferentin bei der Industrie- und Handelskammer Konstanz (IHK) und vertraut mit der Lage in Handel, Gastronomie und Dienstleistung der Innenstädte. Sie spricht von zwei sehr herausfordernden Jahren, wenn sie zurückblickt.

Die Handeslreferentin der IHK, Lena Häsler, fordert ein Umdenken für die Innenstädte, damit das Einkaufen zum Erlebnis wird und ...
Die Handeslreferentin der IHK, Lena Häsler, fordert ein Umdenken für die Innenstädte, damit das Einkaufen zum Erlebnis wird und gegenüber dem Online-Handel bestehen kann. | Bild: Herbert Weniger

Handel und Gastronomie seien in den Innenstädte extrem stark verwoben. „Die Kauflaune bricht mit jeder neuen Regel ein“, hat sie beobachtet. Die Gastronomie tue sich sehr schwer mit den 2G-Plus-Regeln und leide zudem unter Personalmangel. Viele Betriebe hätten ihre Öffnungszeiten anpassen müssen. Das schrecke auch die Besucher ab, die ihren Einkaufsbummel mit einem Restaurantbesuch verbinden wollen.

Das Erlebnis fehlt

„Die Menschen kommen nicht in die Städte, um ihren Bedarf zu decken, sondern weil sie das Erlebnis suchen“, sagt Häsler. „Unter Corona-Bedingungen ist die Freizeit für die Besucher mit Maske nicht mehr so schön.“

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Dass der Einkaufstourismus aus der Schweiz rückläufig ist, liege aber nicht alleine an Corona. Dieser Trend habe sich bereits seit 2016 anhand der Ausfuhrscheine ablesen lassen. Gründe dafür sind laut Lena Häsler der Online-Handel und Preisanpassungen in der Schweizer Nachbarschaft.

Handel und Gastronomie müssen zusammenarbeiten

„Dennoch werden Konstanz und Singen bei den Schweizer Kunden auch in Zukunft für die Nahversorgung attraktiv bleiben“, sagt sie. Die Grenze bezeichnet sie als „Brandbeschleuniger“.

Einen Hoffnungsschimmer gebe es dennoch: „Händler, die sich mit frischen Ideen auch auf Online-Plattformen wagen, konnten sogar in der Pandemie Kunden gewinnen. Die Zukunft der Innenstädte hängt davon ab, ob die Durchmischung von Handel, Handwerk und Dienstleistung gelingt. Die Innenstadt ist ein Gemeinschaftsprojekt.“

Zoll leitete viele Strafverfahren ein

Mark Eferl, Pressesprecher des Singener Hauptzollamtes, berichtet von ereignisreichen Jahren, wenn er für 2020 und 2021 Bilanz zieht. Mit der Pandemie hat das aber weniger zu tun. Die Beschäftigten arbeiten unter verschärften Hygieneregeln, um den Warenfluss zu gewährleisten. Der Krankenstand unter den 900 Beschäftigten und 100 Auszubildenden sei in der Pandemie kaum gestiegen.

Pressesprecher Mark Eferl ist froh, dass die Beamten des Hauptzollamtes in Singen bisher gut durch die Pandemie gekommen sind.
Pressesprecher Mark Eferl ist froh, dass die Beamten des Hauptzollamtes in Singen bisher gut durch die Pandemie gekommen sind. | Bild: Woehrstein Fotografie Singen

„Unser Hauptziel ist, dass wir unseren Service leisten können“, sagt Eferl. „Ein Zollamt wie Bietingen können wir unter keinen Umständen schließen.“ Anhand der grünen Ausfuhrscheine kann Eferl aber bestätigen, dass der Einkaufstourismus aus der Schweiz in der Region erheblich eingebrochen ist.

Weniger Ausfuhrscheine

„Die Zahl der grünen Zettel war schon nach der Einführung der Bagatellgrenze vor Corona um ein Drittel zurückgegangen“, sagt er. „Jetzt haben wir nur noch rund 50 Prozent vom Vor-Corona-Niveau abzustempeln.“

Auffällig sind die zahlreichen vom Zoll eingeleiteten Strafverfahren: Alleine 62 vor Silvester 2021. „Da haben wir mehrere Hundert Kilogramm Böller beschlagnahmt.“ Beachtlich seien auch die großen Rauschgiftmengen, die die Beamten 2021 an der Grenze aus dem Verkehr gezogen haben.

Bundespolizei vermeldet weniger Straftaten seit Pandemie-Beginn

Daniela Schmidt beschreibt, was sich für die Beamten der Bundespolizei bei den Kontrollen der Reisenden durch die Einführung der 3G-Regeln geändert hat. Die Bundespolizisten leisten Amtshilfe, wenn Bahnreisende, die gegen die Regeln verstoßen, an der Weiterreise gehindert werden und sich dagegen verwehren.

Die Kontrollen selbst sind aber Sache des Bahnpersonals. Insgesamt sei die Zahl der Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei seit Beginn der Pandemie rückläufig. Das zeigt ein Vergleich der jeweils ersten Halbjahre von 2019 bis 2021.

Wurden 2019 zwischen Januar und Juni 2635 Straftaten im Revier der Bundespolizeiinspektion Konstanz festgestellt, so waren es 2020 im gleichen Zeitraum nur 1569 und 2021 noch 1760. Waren die Beamten häufiger Ziel von Anfeindungen? Hier verzeichnet die Bundespolizei keine Zunahme, obwohl die Beamten die Corona-Einreiseverordnungen zu überwachen haben.