Joachim Hotz möchte im Lockdown die Gastronomie unterstützen. Deshalb bestellt er auch gerne Gerichte. Zum Beispiel Leberle mit Bratkartoffeln. „Die wurden zwar mit dem Fahrrad geliefert, aber am Ende blieb dann wieder viel Verpackungsmüll“, sagt der 77-jährige SÜDKURIER-Leser, der auf dieses Thema aufmerksam wurde, nachdem er einen Fernsehbeitrag über Mehrweg-Geschirr gesehen hatte.

Bild: Joachim Hotz

Joachim Hotz wünscht sich so etwas für Konstanz und findet aber auch, dass so etwas zentral geregelt werden sollte, zum Beispiel von der Stadt. „Wir können das nicht als Stadt vorschreiben“, sagt Ulrike Hertig, Betriebsleiterin der Entsorgungsbetriebe. „Mehrweg ist aber etwas, was wir sehr favorisieren“, sagt sie.

2019 hat der Gemeinderat festgelegt, dass zum Beispiel bei Festen auf öffentlichen Plätzen oder in Einrichtungen der Stadt – also da, wo die Stadt Einfluss nehmen kann – Mehrweg-Geschirr verwendet werden muss. Das wurde in der Abfallwirtschaftssatzung verankert. „Aber das Ganze ist völlig in den Hintergrund geraten“, sagt Ulrike Hertig, denn die Festsaison 2020 habe zu großen Teilen einfach nicht stattgefunden.

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Die Corona-Pandemie ist auch verantwortlich dafür, dass mehr Essen zum Mitnehmen verkauft wird. Während die einzelnen Verbraucher, wie Joachim Hotz, dann das Gefühl haben, dass ihr gelber Sack viel schneller gefüllt ist, schlägt sich das in den Zahlen der Entsorgungsbetriebe nicht nieder.

Die Müllmengen sind etwa gleich geblieben. Ulrike Hertig geht aber davon aus, dass sich der Müll verlagert hat. Während die Gastronomie im Moment kaum Abfall produziert, sind die Mülltonnen der Privathaushalte voller, weil alle mehr Zuhause essen.

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„Es ist auch nicht so, dass es bei uns gar nichts gibt“, sagt die Betriebsleiterin der Entsorgungsbetriebe und weist darauf hin, dass es inzwischen vereinzelte Gastronomien gibt, die ihr Essen im Mehrweg-Geschirr anbieten. „Fakt ist: Mehrwegbehälter in der Gastro hatten lange ein Schattendasein, aber das ändert sich jetzt gerade.“

Wahrscheinlich wird es demnächst sogar verpflichtend. Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat gerade einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der vorsieht, dass Betriebe Speisen und Getränke zum Mitnehmen in Mehrwegbehältern verkaufen sollen. Inzwischen gibt es erste Anbieter für Geschirr-Pfandsysteme: Rebowl und Recircle zum Beispiel. Und erste Betriebe in der Region nutzen diese nachhaltigen Verpackungen.

Seit einigen Monaten verkauft zum Beispiel das Sol in Petershausen Suppen, Salate oder Tagesgerichte in den grünen Schalen von Rebowl. „Wir haben sofort gesagt, das ist großartig“, sagt Tiberius Triff, einer der Geschäftsführer. Die Dosen seien absolut robust und dicht, auch wenn sie durchgeschüttelt werden.

Das Rebowl-System gehört zum selben Unternehmen, dass auch die türkisfarbenen Recup-Kaffeebecher auf den Markt gebracht hat. Das Prinzip ist das Gleiche und es ist genau die Lösung, die sich Joachim Hotz für sein Lieferessen wünscht: verschließbare Plastikboxen, auf die Kunden fünf Euro Pfand zahlen.

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Die Box kann dann bei allen Unternehmen, die mitmachen, wieder abgegeben werden. „Die Bowl ist so praktisch und schön, dass viele sie Zuhause in den Schrank stellen und für eigenes Essen nutzen“, sagt Tiberius Triff. Dadurch komme es derzeit manchmal zu Engpässen.

„Für uns funktioniert das System sehr gut“, sagt Triff. Allerdings könne er sich vorstellen, dass vielleicht Restaurants, die Essen mit vielen Komponenten und Saucen verkaufen, Schalen in unterschiedlichen Größen bräuchten. Die gibt es bei Rebowl bisher noch nicht, beim Anbieter Recircle allerdings schon.

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Manfred Hölzl von den Konzil Gaststätten füllt seine Gerichte derzeit in Palmblattschalen. Die werden mit Aluminiumpapier abgedeckt und dann in Warmhalteboxen ausgeliefert. „Man kann sich dann sofort an den Tisch setzen und essen“, sagt er. Viele seiner Kundinnen und Kunden fänden die Palmblattschalen, die sich über den Biomüll entsorgen lassen würden, optisch schön und würden direkt daraus essen.

Ulrike Hertig, Betriebsleiterin der Entsorgungsbetriebe, widerspricht: „Diese Schalen können dort nicht schnell genug abgebaut werden. Diese Problematik gilt generell für das als kompostierbar beworbene Einweggeschirr aus Naturmaterialien oder aus angeblich biologisch abbaubaren Kunststoffen.“

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Manfred Hölzl weiß aber auch, dass das Mehrweg-Geschirr wahrscheinlich demnächst verpflichtend wird und hofft auf eine vernünftige Kulanzzeit, damit sich Gastronomie und auch die Entwickler von Mehrwegsystemen darauf einstellen können. „Die Betriebe müssen dann schauen, welches System zu ihnen passt“, so Hölzl. Eine Mehrweg-Alternative zu Pizzakartons kenne er zum Beispiel noch nicht. Die müsse wohl erst noch entwickelt werden.