Entspannt ist die Atmosphäre an der Blue American Bar in Kreuzlingen am Montagvormittag: Wenige Gäste genießen einen Cappuccino oder ein frühes Bier. Ob abends mehr los sein wird, kann jetzt noch niemand wissen.

Sicher ist: Die vergangenen Wochen liefen gut. „Es war sehr gut in der letzten Zeit“, sagt Ines Strauss, die in der Blue American Bar arbeitet. „Vor allem abends war viel mehr los als sonst, viele neue Gesichter – alles Schweizer.“

Kein Weg nach Konstanz: ein Zwischenhoch

Nach den harten Corona-Wochen, in denen Geschäfte und Gastronomie schließen mussten, hat die Kreuzlinger Geschäftswelt ein wohltuendes Zwischenhoch erlebt. Die Kreuzlinger waren da und konnten nicht nach Konstanz – und es kamen Touristen aus der Innerschweiz für einen Spaziergang am See. Ein kurzer Traum von einem Umsatz, von dem sich gut leben lässt. Ines Strauss denkt, dass es jetzt vermutlich werde wie zuvor: Die Kreuzlinger werden verstärkt die Konstanzer Gastronomie nutzen.

„Wir sind es gewöhnt, so schlimm ist es nicht“, sagt Strauss noch, „wir haben trotzdem viele Stammkunden und sind zufrieden.“

Tobias Stücheli und Dieter Prangenberg treffen sich auf ein Getränk in der Blue American Bar. Konstanz als Einkaufs- und Ausgeh-Ort spiele eine untergeordnete Rolle, sagen sie.
Tobias Stücheli und Dieter Prangenberg treffen sich auf ein Getränk in der Blue American Bar. Konstanz als Einkaufs- und Ausgeh-Ort spiele eine untergeordnete Rolle, sagen sie. | Bild: Wagner, Claudia

Vom boomenden Einkaufstourismus in Konstanz ist vor allem der Detailhandel, wie der Einzelhandel in der Schweiz genannt wird, betroffen. Dass die Kreuzlinger wieder über die Grenze können, nehmen manche Händler dennoch sehr gelassen.

Zufriedenheit im Schuhgeschäft

„Wir waren auch vorher schon sehr zufrieden“, sagt Diana Anhorn, Geschäftsführerin bei Zubischuhe. Sie habe eine gute Kundschaft, die Qualität und Beratung zu schätzen wisse: „Uns bereitet die Grenze eigentlich kein Problem.“

„Die Schweizer in der Schweiz„

Lina Campanile, Angestellte bei Vero Moda, wiederum hat das Corona-Zwischenhoch genossen. „Die Schweizer waren in der Schweiz, die Kassen klingelten.“ Es sei eine schöne Zeit gewesen. Campanile stellt sich aber darauf ein, dass die Nachfrage jetzt wieder nachlässt. „Für Kreuzlingen ist es immer schwerer, man muss mit Stammkunden arbeiten“, sagt sie. Die Fachverkäuferin hat lange in Konstanz im Lago-Einkaufszentrum gearbeitet und kennt die Verhältnisse auf beiden Seiten.

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Der Kunde im Mittelpunkt

„In Kreuzlingen geht man als Verkäufer auf die Kunden ein. Wir lassen alles stehen, wenn ein Kunde kommt“, sagt sie. Auf diese Weise schaffe man eine Kundenbindung, die in Konstanz oft nicht möglich sei.

Lina Campaniele, Verkäuferin bei Vero Moda, freut sich über ihre Stammkunden und den engen Bezug zu den Kundinnen.
Lina Campaniele, Verkäuferin bei Vero Moda, freut sich über ihre Stammkunden und den engen Bezug zu den Kundinnen. | Bild: Wagner, Claudia

Antonia Kuster, Stammkundin der Filiale, bestätigt das. „Ich bin nicht so oft in Konstanz, vielleicht mal zum Essen“, sagt sie, „ich bin viel in Kreuzlingen unterwegs und schätze die kleinen Geschäfte.“

Umsatz um 40 bis 50 Prozent höher

Eine ähnliche Bilanz der vergangenen Wochen wie Campanile zieht Nuray Bulut, Inhaberin der Kreuzlinger Boutique Weekend Fashion. Sie erinnert an die Zeit, in der alle Geschäfte schließen mussten: „Als wir am 11. Mai wieder öffnen durften, war der Umsatz super. Um 40 bis 50 Prozent höher als vorher“, sagt Bulut.

Nuray Bulut ist Inhaberin der Modeboutique Weekend Fashion. Sie findet es richtig, wenn Kunden jetzt Kreuzlinger Einzelhändler unterstützen.
Nuray Bulut ist Inhaberin der Modeboutique Weekend Fashion. Sie findet es richtig, wenn Kunden jetzt Kreuzlinger Einzelhändler unterstützen. | Bild: Wagner, Claudia

Nuray Bulut wünscht sich, dass etwas von der Zeit, als die Schweizer unter sich in Kreuzlingen waren, übrig bleibt. „Nach der schweren Zeit für uns Einzelhändler sollte man vielleicht wirklich hier einkaufen“, sagt sie. Schließlich seien sie und viele andere Schweizer vom Staat unterstützt worden. „Wir sind Kleinunternehmen, wir leben von unserem Umsatz. Ich bin auf die Unterstützung der Kunden angewiesen.“ Es freut sie, dass viele Stammkunden sie in dieser Zeit unterstützen.

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Auch Valentina Demasi, die im Café Sorriso bedient, hat den Besucheranstieg in der Zeit, als die Grenzen geschlossen waren, positiv registriert. „Die meisten Gäste hatten wir schon einmal hier gesehen. Aber es kamen auch Besucher aus Genf, aus der Innerschweiz“, sagt sie. Demasi befürchtet, dass die Zahl der Kunden nun wieder rückläufig sein wird. Dennoch: Die Hoffnung ist groß, dass das Cafe einige neue Stammkunden gewonnen hat.

Valentina Demasi freut sich, dass seit der Öffnung der Cafes nach der Corona-Krise mehr Gäste da waren als zuvor.
Valentina Demasi freut sich, dass seit der Öffnung der Cafes nach der Corona-Krise mehr Gäste da waren als zuvor. | Bild: Wagner, Claudia